Kommunalwahl am Weltfrauentag: Aber wo sind die Frauen in den Rathäusern? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.02.2026 07:00

Kommunalwahl am Weltfrauentag: Aber wo sind die Frauen in den Rathäusern?

Renate Hans (Lehrberg), Eileen Gillwald (Oberdachstetten) und Margarita Kerschbaum (Steinsfeld, von links) wünschen sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik. (Foto: Thomas Schaller/Agnes Schächer/Simone Hedler)
Renate Hans (Lehrberg), Eileen Gillwald (Oberdachstetten) und Margarita Kerschbaum (Steinsfeld, von links) wünschen sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik. (Foto: Thomas Schaller/Agnes Schächer/Simone Hedler)
Renate Hans (Lehrberg), Eileen Gillwald (Oberdachstetten) und Margarita Kerschbaum (Steinsfeld, von links) wünschen sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik. (Foto: Thomas Schaller/Agnes Schächer/Simone Hedler)

Am 8. März ist Weltfrauentag. Doch in diesem Jahr wird an dem Tag auch noch entschieden, wer die Chefsessel in den Rathäusern besetzt. Wie sind Frauen da eigentlich in Stadt und Landkreis Ansbach vertreten? Und was könnte besser laufen? Zwei Amtsinhaberinnen und eine Kandidatin erzählen von ihren Erfahrungen.

Acht Frauen sitzen aktuell auf Bürgermeisterposten im Landkreis Ansbach. Männer sind es hingegen 50. Und auch in der Stadt Ansbach sitzt ein Mann als Oberbürgermeister auf dem Chefsessel. Bei der kommenden Wahl dürfte der Anteil nicht viel anders aussehen. Insgesamt kandidieren im Landkreis 87 Personen für (Ober-)Bürgermeisterämter: 71 Männer, 16 Frauen. In drei Orten findet keine Wahl statt, in Steinsfeld wurde kein Kandidat oder keine Kandidatin aufgestellt. In der Stadt Ansbach buhlen sechs Männer und eine Frau um den OB-Posten.

Der Frauenanteil ist also insgesamt gering. Und ob sie am Ende gewählt werden, steht auf einem anderen Blatt. Was sagen die Frauen dazu, die sich selbst kommunalpolitisch engagieren?

„Regere Diskussionen” in den Räten

Margarita Kerschbaum ist seit 2020 Bürgermeisterin in Steinsfeld, kandidiert aber nicht mehr. Sie findet die Zahl der amtierenden Bürgermeisterinnen und Kandidatinnen „enttäuschend wenig”. Generell wünscht sie sich, dass Frauen sich mehr für Kommunalpolitik engagieren, angefangen im Gemeinderat. Sie verstehe zwar, dass vor allem Frauen im Alter zwischen 30 und 45 Jahren fehlen, weil das oft die Zeit ist, in der Familien gegründet werden. Aber: „Es gibt ja auch eine Zeit davor und danach” und auch da sei die Beteiligung schlecht.

Mehr Frauen in Ämtern fände Kerschbaum „sehr, sehr wichtig, wir sind schließlich die Hälfte der Bevölkerung”. Ein höherer Frauenanteil würde ihrer Meinung nach zum Beispiel „regere Diskussionen” bringen.

Margarita Kerschbaum sitzt als Frau allein im Gemeinderat mit zwölf männlichen Gemeinderäten und einem Ortssprecher. Das ist nicht immer einfach. Zum Beispiel, wenn es um soziale Themen geht, „würde ich mich manchmal am liebsten von Aussagen distanzieren”, sagt sie. „Dann denke ich mir oft: Würden da jetzt noch vier Frauen sitzen, das wäre schön.”

In ihrer Position fühlt sie sich ernstgenommen, aber es komme schon einmal vor, dass es bei manch einem Rat eine Rolle spielt, dass da eine Frau als Bürgermeisterin vor ihm sitzt. „Es ist ein Kampf, als Frau.” Die 46-Jährige ist Geschäftsführerin eines Ingenieurbüros. „Ich bin fit im baulichen Bereich und kann dann auch solche Fragen mal aus dem Stegreif beantworten, manche Männer sind davon überfordert”, erklärt sie.

Kerschbaum findet: „Wenn ein Bürgermeister mal auf den Tisch haut, sagt jeder: Jawohl, der hat sich durchgesetzt. Als Frau muss man da vorsichtig sein, damit man nicht hysterisch wirkt. Man muss also viel mehr darauf achten.” Ein wenig hat sich aber vielleicht verändert, seit sie 2020 ins Amt trat. „Scheinbar wurden Frauen motiviert, sich für den Gemeinderat aufstellen zu lassen, ich sehe das als positive Entwicklung.”

„Da ist noch Luft nach oben”

Renate Hans ist bereits seit 2014 Bürgermeisterin in Lehrberg. Sie engagiert sich beim Projekt „Bavaria ruft”, das Frauen in die Politik holen will, denn „da ist noch Luft nach oben”. „Wir haben ganz viele tolle Frauen, die einen Mehrwert bringen würden, die sollten auch in der Kommunalpolitik vertreten sein.”

Die 57-Jährige begründet das so: „Der Gemeinderat, zum Beispiel, sollte eine Abbildung der Gesellschaft sein und da machen wir nun mal die Hälfte aus.” Auch findet sie, dass die Kommunikation mit Frauen eine andere wäre. „Frauen wollen immer alle mitnehmen. Alle würden davon profitieren.”

Hans fühlt sich „gesehen und gut angenommen” als Bürgermeisterin. Sie denkt aber auch, dass ihr vorheriger Beruf ihr dabei viel geholfen hat. Im Katastrophenschutz des Landkreises hatte sie es mit einem „männerdominierten Feld” zu tun.

Trotzdem gab es auch kurz mal Zweifel an ihr. „Bei meiner ersten Kandidatur wurde ich gefragt, ob ich das als Frau durchhalten kann”, so Renate Hans. Natürlich kam die Frage von einem Mann. Die Reaktionen auf ihre erfolgreiche Wahl waren dann aber gut, sagt sie. Mittlerweile ist sie seit zwölf Jahren im Amt und will es auch bei der kommenden Wahl wieder wissen.

Jungen Frauen, die sich in der Kommunalpolitik engagieren wollen, rät sie, zu Bürgermeisterinnen und Gemeinderätinnen Kontakt aufzunehmen. „Jede von uns ist bereit, Support zu geben.” Denn wenn sie Frauen vorschlägt, sich im Gemeinderat zu engagieren, komme oft der Satz: „Ich kann das gar nicht.”

„Wieso nicht den letzten Schritt gehen?”

Ganz neu auf dem Gebiet ist Eileen Gillwald. Die 36-Jährige kandidiert als Bürgermeisterin in Oberdachstetten. „Schade” sei es, dass so wenige Frauen in der Region im Amt sind oder kandidieren. „Wir Frauen managen so verdammt viel. Wir sind in Vereinen tätig, kümmern uns um die Familie, haben so viel Verantwortung. Wieso also nicht auch noch den letzten Schritt gehen und in der Politik etwas mitgestalten?”

Mehr Frauen in der Kommunalpolitik würden für sie vor allem bessere Kommunikation bedeuten. „Frauen sind stark in der Vernetzung und im Austausch.” Ob Gillwald findet, sie musste sich als Frau zu dieser Nominierung mehr durchkämpfen? „Gefühlt nicht. Ich lasse mich aber auch nicht in die Opferrolle drängen. Jeder kann etwas für die Gemeinde bewirken, egal welches Geschlecht. Das darf keine Rolle spielen.”

Ihre Gruppe, die Wahlheimat Oberdachstetten, wurde anfangs belächelt, sagt sie. „Aber ich hatte das Gefühl, da ging es eher darum, dass es etwas Neues ist, und nicht darum, dass ich eine Frau bin”, so Gillwald.

Wichtig ist der Mutter eines Sohnes noch, zu sagen, dass Frauen in allen Lebensbereichen „mindestens genauso wertvoll und wichtig sind wie Männer” – nicht nur in der Politik, sondern überall dort, „wo es um unsere Zukunft geht”, sagt sie. „Man spricht von KI, Digitalisierung und Fortschritt, während noch veraltete, verkrustete Geschlechterrollen etabliert sind. Das ist ein Zustand, den wir uns nicht länger leisten dürfen. Da muss man als Vorbild vorangehen, wenn man Veränderung will.”


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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