Komödie „Der Mann aus der Provinz”: Schüler begeistern am Feuchtwanger Gymnasium | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 19.01.2026 19:30

Komödie „Der Mann aus der Provinz”: Schüler begeistern am Feuchtwanger Gymnasium

Eine Szene aus der Inszenierung „Der Herr aus der Provinz” mit (von links) Jodi Deml als Sbrigani und Paul Bauer als Herr von Pourceaugnac.  (Foto: Jasmin Kiendl)
Eine Szene aus der Inszenierung „Der Herr aus der Provinz” mit (von links) Jodi Deml als Sbrigani und Paul Bauer als Herr von Pourceaugnac. (Foto: Jasmin Kiendl)
Eine Szene aus der Inszenierung „Der Herr aus der Provinz” mit (von links) Jodi Deml als Sbrigani und Paul Bauer als Herr von Pourceaugnac. (Foto: Jasmin Kiendl)

Von einer „tollen Gemeinschaftsleistung” spricht Oberstudiendirektor Volker Dollinger am Ende dieses kurzweiligen Abends. Da hat der Leiter des Feuchtwanger Gymnasiums vollkommen recht. Die Mitglieder der Theaterwerkstatt der Schule haben abgeliefert und ihr Publikum mit „Der Mann aus der Provinz” von Moliére begeistert.

Regisseur Wolfgang Opel ist sich bei der Stückauswahl treu geblieben: Die Komödie aus dem Jahr 1669 ist anspruchsvoll, dennoch unterhaltsam. Sein Ensemble aus Schülerinnen und Schülern der neunten bis 13. Jahrgangsstufe, von denen der Großteil zuvor noch nie auf einer Theaterbühne gestanden hat, hat sich der Herausforderung gestellt und über ein Jahr lang zusammen mit dem Studiendirektor an der Inszenierung gearbeitet.

Ein Spiel im Spiel

Es ist ein Spiel im Spiel. Der Herr von Pourceaugnac (Paul Bauer), ein Landadliger, kommt nach Paris, um Julie (Lena Hutmann), die Tochter des Oronte (Luisa Hilgart), zu heiraten. Doch Julie hat sich in Éraste (Anna Herzfeld) verliebt. Um die unerwünschte arrangierte Ehe abzuwenden, bittet das Liebespaar den gewieften Sbrigani (Jodi Deml) um Hilfe. Und Sbrigani hilft, der Herr von Pourceaugnac weiß gar nicht wie ihm geschieht.

Zunächst diagnostizieren zwei Ärztinnen (Lara Grimm und Freya Schäff) mit offensichtlicher Freude bei ihm eine „hypochondrische Melancholie”, die in Wahn umschlägt. Um ihn einen vermeintlich heilenden Einlauf zu verpassen, verfolgt ihn ein Apotheker (Jakob Gillert) mit einer nicht gerade kleinen Klistierspritze.

Dann macht Sbrigani Oronte weis, dass der Herr von Pourceaugnac hoch verschuldet wäre und vorhabe, seine Gläubiger mit der Mitgift zu bezahlen. Schließlich tauchen noch zwei Frauen (unter anderem Lisa Schmidt) auf, die eindrücklich behaupten, der Herr von Pourceaugnac sei ihr Gatte und Vater ihrer Kinder – ein Kurzauftritt für die Fünftklässlerinnen Magdalena Schuster, Lilly Spehrer und Jule Willecke aus der Theaterklasse.

Ohne viel Schnickschnack

Um nicht wegen Vielehe hingerichtet zu werden, versucht der Herr von Pourceaugnac in Frauenkleidern zu fliehen. Dank Bestechung gelingt ihm das auch. Oronte glaubt derweil der Herr von Pourceaugnac habe Julie entführt, worauf Éraste als bescheidender Retter in der Not auftritt und schließlich mit dem Segen Orontes Julie heiraten darf. Sbriganis Plan ist letztlich also aufgegangen.

Opel inszeniert das Stück in der Hinterhofaula ohne viel Schnickschnack. Bühnenbild und Ausstattung sind reduziert und schlicht gehalten. Das Ensemble beweist viel Mut, hat keine Angst vor großen Gesten und übertriebener Mimik sowie davor Emotionen zu zeigen. Allen voran Jodi Deml und Paul Bauer. Letzterer wird wohl vor allem im Gedächtnis bleiben, als er versucht, als Frau verkleidet – knallrote Lippen inklusive – elegant über die Bühne zu gehen. Seine Stimme schraubt er in ungeahnte Höhen.

Suveräner Auftritt der Schülerinnen und Schüler

Köstlich sind auch die Textpassagen in Schwäbisch sowie schweizer und italienischem Akzent. Die Moliére-Komödie ist textlastig. In den Dialogen geht es schnell hin und her. Das meistern die Schülerinnen und Schüler souverän. Die anfänglich zu spürende Nervosität legt sich nach und nach.

Das Publikum ist ebenfalls gefordert: Denn um Moliéres Wortwitz genießen zu können, heißt es aufmerksam sein und genau zuhören. Das wird gemacht. So wird der Abend zu einem Erlebnis vor und auf der Bühne.

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