Schon in wenigen Monaten können einige Weidenbacherinnen und Weidenbacher am Regler ihres Heizkörpers drehen und das Zimmer wird kuschelig warm – und zwar mit der Energie vom neuen Nahwärmenetz.
So idyllisch die Vorstellung auch gerade ist: Bis es so weit ist, steht noch etwas Arbeit an. In dieser Woche starten die Arbeiten für den Netzbau. Die Heizzentrale wird seit Mai gebaut, eine große Lagerhalle wird noch daneben errichtet. Klappt alles wie geplant, startet die Wärmeerzeugung noch dieses Jahr, sind alle Verantwortlichen sicher.
Doch von vorne: Als vor rund fünf Jahren über das neue Baugebiet „Am Schellenkreuz” gesprochen wurde, kam der Weidenbacher Rainer Glotz auf Bürgermeister Willi Albrecht zu. Noch relativ lose, so schildert Rainer Glotz es heute, war damals die Idee, eine Heizanlage für das neue Baugebiet zu bauen. Danach war einige Zeit Ruhe, die Sache schon fast vergessen, heißt es von Familie Glotz.
Dann kam Bürgermeister Willi Albrecht wieder darauf zurück. Und die Familie Glotz? „Wir sind ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb und sind auf der Suche gewesen, wie wir weiter Land- und Forstwirtschaft betreiben können”, sagt Rainer Glotz. Sie waren also dabei.
Von der Grundidee weicht man jetzt trotzdem deutlich ab. Das Neubaugebiet wird nicht an das Nahwärmenetz angeschlossen. Bürgermeister Willi Albrecht erklärt, dass für das Gebiet kein Anschlusszwang gelten könne, da nicht die Marktgemeinde selbst das Nahwärmenetz baut. Außerdem seien die neuen Häuser zu gut isoliert und würden damit nicht viel Heizenergie beanspruchen.
Das Netz wird deshalb – grob gesagt – den Weidenbacher Nordwesten versorgen, also den Bereich neben dem Neubaugebiet Schellenkreuz. Mit dabei sind im Weidenbacher Zentrum auch die Triesdorfer Straße, die Ringstraße und die Schulstraße. Angeschlossen werden also unter anderem auch die Schule und das neue Ärztehaus.
Das Netz baut die Genossenschaft Nahwärme Weidenbach, die dafür im Februar 2024 gegründet wurde. Nach Beratungen eines Arbeitskreises aus Bürgerinnen und Bürgern und mehreren Infoveranstaltungen stand fest, dass eine Genossenschaft die beste Lösung sei.
Die Mission, die sie auf ihrer Homepage festhalten: „die Mitglieder in Weidenbach mit sicherer, klimafreundlicher Wärme” zu versorgen. Inzwischen besteht die Genossenschaft aus 62 Mitgliedern und wird ehrenamtlich geführt. Vorstandsvorsitzender ist Norbert Güldner, Vorsitzender des Aufsichtsrates Willi Albrecht.
Die Wärme liefert Familie Glotz. Rainer Glotz und seine Söhne Tim und Alexander haben die Energieerzeugung Weidenbach (EEW) gegründet. Sie bauen und betreiben also die Hackschnitzelanlage. Die Familie heizt seit einigen Jahren selbst mit Hackschnitzeln und Rainer Glotz sagt: „Wir können selbst nur positiv darüber berichten.” Er ist überzeugt von der Methode: Es ist ein nachwachsender Rohstoff, die Preise sind stabil und das Holz fällt an jeder Ecke an, erklärt er.
Genossenschaftsvorsitzender Norbert Güldner betont, dass sie besonders darauf achten, dass das Holz aus der Umgebung stammt. Dafür hat Familie Glotz unter anderem Kontakte zu mehreren Forstbetriebsgemeinschaften. „Wir werden auch Holz bevorraten, um die Sicherheit zu gewährleisten”, sagt Alexander Glotz. Dafür entsteht eine große Lagerhalle.
Selbst wenn Bürgermeister Willi Albrecht Rainer Glotz als „Initiator” bezeichnet – Rainer Glotz möchte diese Rolle nicht beanspruchen. Er betont mehrmals die gute Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde und der Genossenschaft. Die Vorarbeiten, Planung, Absprachen, Organisation der Infoveranstaltungen und und und: „Das war eine immense Leistung”, lobt Glotz.
Dennis Bock, Vorstand der Genossenschaft, ist stolz, dass die Kosten-Versprechen von der ersten Versammlung eingehalten werden können. Für einen Hausanschluss müssen Mitglieder zwei Geschäftsanteile für insgesamt 2000 Euro kaufen. Für den Pufferspeicher, die Übergabetechnik und die Anbindung an das Netz zahlen die Mitglieder zusätzlich rund 12.000 Euro, die seien allerdings förderfähig mit 30 bis 70 Prozent. Dazu kommen mögliche Kosten für Anpassungen im Haus.
Die Verantwortlichen hoffen, noch einige Zweifler abholen zu können, denn es wäre noch genug Kapazität da für ein paar weitere Anschlüsse.