Ganz Deutschland hat am Freitag wieder fleißig gelauscht. Der 15. November war der 21. Bundesweite Vorlesetag. Doch wer denkt, der sei nur für Kinder, irrt. Seit Jahren organisiert Adelheid Seiler einen Lesespaziergang durch die Ansbacher Innenstadt. So auch diesmal.
Etwa 50 Personen waren Freitagnachmittag da, um den Vorleserinnen und Vorlesern zuzuhören. Los ging es im Sitzungssaal des Stadthauses. Dort machte Oberbürgermeister Thomas Deffner den Anfang mit dem Naturführer „Gebrauchsanweisung für den Wald“ des Försters und Bestsellerautors Peter Wohlleben. Das Buch habe er sich als „Naturliebhaber“ ausgesucht.
„Hier ist alles gut gefüllt, wie in der Stadtratssitzung“, freute er sich. In seiner Lektüre ging es in lockerem Ton um Überlebenstipps in der Wildnis. Zum Beispiel, wie man das Kambium unter der Rinde erntet, was man essen kann oder wie man in der Natur mit dem „großen Geschäft“ verfährt. Immer wieder wurde geschmunzelt, gelacht.
Bei der nächsten Station, im Schuhteam am Bachplatz, las Adelheid Seiler selbst vor. Hier waren die Sitzplätze knapper, einzelne schnappten sich einen Hocker, der sonst zum Anprobieren der Schuhe genutzt wird. Andere blieben stehen.
Adelheid Seiler betonte, dass ihr dieser Lesespaziergang wichtig sei, da die Geschäfte zu kämpfen haben. „Ich weiß das, weil ich in der Innenstadt wohne.“ Die vorgelesenen Bücher sollten einen Bezug zum Ort haben. Dies sei ihr diesmal schwergefallen. Mit „Der verschwundene Schuh“ von Marco Wittler hatte sie aber etwas Passendes gefunden. Die Geschichte handelt von einem Tausendfüßler, der von jeder Schuhsorte 500 Paar besitzt.
Anschließend ging es im Nähzentrum Horand weiter. Dort las Dagmar Bender aus „Der Stoff“ von Monika Helfer vor. Anke Merklein gab im Geschäft Momo & Milla Einblicke in das Kinderbuch „Dirk und ich“ von Andreas Steinhöfel, und Friedmann Seiler rezitierte bei Horand Foto aus „Fake News in der Antike“ von Lisa Lamm. Adelheid Seiler war sehr zufrieden mit der Resonanz auf den Spaziergang.