Sie war ein heiß diskutiertes Politikum in der Ära Sandra Bonnemeier: die digitale Info-Stele vor dem Rathaus. Nun könnte sie eine Renaissance erleben, und zwar an einem Radler-Rastplatz vor dem Unteren Tor. Dort möchte die Stadt eine zentrale Anlaufstelle für Radtouristen schaffen.
Sieben Jahre ist der in einem Edelstahlgehäuse montierte Monitor inzwischen alt. Er fristet in einer Remise des städtischen Bauhofes einen Dornröschenschlaf. Anfang 2018 stand die Stele urplötzlich vor dem Rathaus. Sie musste zunächst gedreht und dann alsbald entfernt werden, weil es ihr am behördlichen Segen fehlte. Der Stadtrat fühlte sich ebenso übergangen wie das Staatliche Bauamt und die Denkmalschutzbehörde. Der Vorwurf an Bürgermeisterin Bonnemeier lautete, sie habe die Stele - Kosten: rund 70.000 Euro - im Alleingang aufstellen lassen.
Seither gab es immer wieder mal Vorstöße, das teure Relikt doch noch nutzbringend einzusetzen. Zuletzt diskutierte der Stadtrat vor zwei Jahren über die Stele - seitdem war es zumindest vor den Kulissen ruhig um das Thema. Doch nun wird es wieder aktuell, und das bereits recht konkret. Denn in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause legte Gerald Ulrich, im Rathaus zuständig für Klima- und Umweltschutz, einen detaillierten Entwurf für einen Radler-Rastplatz auf der gut 400 Quadratmeter großen Grünfläche vor dem Unteren Tor vor. Dort soll der Info-Bildschirm eine neue Chance bekommen.
„Die ominöse Stele ist noch da - warum sollte man sie nicht nutzen?”, fragte Ulrich. Und Bürgermeister Markus Liebich assistierte: „Die Stele ist ja nicht ganz unbekannt. Wir schauen, ob sie wirtschaftlich noch verwendbar ist. Wenn sie es noch kann, gut. Wenn nicht, auch gut. Dann ziehen wir endlich einen Schlussstrich.”
Ihren künftigen Platz finden soll die Digital-Säule in einem hölzernen Pavillon, der vor der Stadtmauer ein zentraler „Info-Hotspot für Touristen” wird, wenn es nach Ulrichs Planung geht - eine Planung, die im Stadtrat auf breite Zustimmung und geradezu begeisterte Resonanz stieß. Zudem könnte sich der Platz zum Ausgangspunkt für einen Stadtmauer-Rundgang entwickeln, zu einem Begegnungsraum und Treffpunkt, aber auch zu einer „Location für Kleinveranstaltungen”, so Ulrich.
Er berichtete, dass jedes Jahr „mehrere 10.000 Radtouristen” durch die Stadt kommen, vor allem auf dem beliebten Altmühl-Radweg. Die gelte es „abzugreifen” und zu einem längeren Aufenthalt in Leutershausen zu animieren. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass es schon seit Jahren die ursprünglich vom Gewerbering aufgebrachte Idee gebe, einen Platz zu schaffen für Radler. In der Altstadt, etwa beim Röhrenbrunnen, habe sich das aber nicht zuletzt aus Denkmalschutzgründen nicht verwirklichen lassen. Deshalb habe man nun den Grünbereich am Unteren Tor ins Auge gefasst.
Dort soll Ulrichs Ausführungen zufolge ein attraktiver Treffpunkt entstehen, der neben dem Pavillon als Unterstand, Wetterschutz und Informationszentrum auch eine Radreparaturstation, E-Bike-Lademöglichkeiten, einen Trinkwasserspender sowie Automaten für Ersatzteile, Snacks und Getränke bieten könnte. Die komplette Anlage werde vandalismusfest konzipiert und so gestaltet, dass sie zum historischen Stadtbild passt. Die untere Denkmalschutzbehörde habe bereits grundsätzliches Einverständnis mit dem Konzept signalisiert.
Gedacht sei an ein „schlankes Projekt” mit viel Eigenleistung des städtischen Bauhofes, so der Referent. Die Gesamtkosten bezifferte er mit etwa 140.000 Euro, wovon 27.000 Euro Eigenleistung sein könnten. Für die verbleibende Summe sei mit etwa 50 Prozent Förderung zu rechnen - von der Städtebauförderung, aus dem Leader-Programm und eventuell auch aus dem Regionalbudget. Denkbar sei zudem die Verwendung von Restmitteln des Gewerberings, der sich „in Auflösung” befinde.
Damit der Radler-Rastplatz auch gefunden wird, sei zusätzlich ein Beschilderungskonzept notwendig, betonte Ulrich. Auch dazu hat er bereits ein umfassendes Konzept ausgearbeitet, das mit etwa 60.000 Euro zu Buche schlagen würde. Ein Viertel davon wäre als Eigenleistung des Bauhofes möglich. Für den Rest sei ebenfalls eine 50-prozentige Bezuschussung zu erwarten.
Ziel sei es zum einen, Radfahrer „außerhalb der Stadt abzuholen”. Darüber hinaus brauche man Orientierungshilfe in der Stadt sowie Einzelinformationen an interessanten Objekten. Ins Auge gefasst hat Ulrich dazu Info-Stelen aus Cortenstahl, auf die bedruckte Acrylglastafeln montiert werden.
Der Stadtrat billigte einstimmig die beiden vorgestellten Konzepte und beauftragte die Verwaltung, die Planung so voranzubringen. Zudem sollen die Entwürfe mit möglichen Fördermittelgebern abgestimmt werden.