„Nein, eine alltägliche Sache war das sicher nicht, aber durch die Ausbildung als Feuerwehrmann kann man damit doch leichter umgehen als andere.“ Benedikt Roos, Kommandant der Markt Bibarter Feuerwehr, wirkt sehr ruhig, wenn er auf den Einsatz in der Nacht zum Sonntag im Umfeld der Markt Bibarter Kirchweih zurückblickt.
Wie berichtet war dort ein 39-jähriger Mann durch einen Angriff mit einer Glasflasche sowie mehrere Stiche lebensgefährlich verletzt worden.
Dringend tatverdächtig sind zwei 22-jährige Männer – offensichtlich mit dem Opfer bekannt. Einer der beiden ist zwischenzeitlich festgenommen worden, die Fahndung nach dem zweiten mutmaßlichen Täter lief nach Auskunft des Polizeipräsidiums Mittelfranken am Montagnachmittag noch. Alle drei Beteiligten sind bosnische Staatsangehörige, teilte die Polizei auf Anfrage hin mit. Zur Stichhaltigkeit weiterer Gerüchte über das Motiv der Tat äußerte sie sich dagegen nicht.
Für das Opfer, das mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik transportiert worden war, stand es laut Polizei nach einer Notoperation zunächst weiterhin Spitz auf Knopf. Montagnachmittag vermeldete sie dann, dass das Opfer nicht mehr in Lebensgefahr schwebe.
„Natürlich war da überall Blut.”
Von der Auseinandersetzung des 39-Jährigen und der zwei jüngeren Männer hatte Benedikt Roos nichts mitbekommen. „Wir waren in unserer Hütte und plötzlich kamen mehrere Leute rein, und haben nach Tüchern gefragt, um Wunden abdecken zu können.“ Sofort seien er und einige Kollegen – darunter auch seine Feuerwehrkameraden Matthias Heinzl und Fabian Wiederer – zum Ort des Geschehens gerannt und hätten dort den 39-Jährigen liegen sehen. „Es war jetzt nicht so, dass es gespritzt hätte. Aber natürlich war da überall Blut.“
Zusammen mit seinem Kollegen Matthias Heinzl sei er dann zum Feuerwehrgerätehaus gespurtet, habe unterwegs einen Notruf abgesetzt, der Leitstelle die Details geschildet und einen Notarzt angefordert, und dann „unseren Notfallrucksack aus dem Gerätehaus geholt. Außerdem haben wir noch Licht mitgenommen – wir mussten ja die Stelle ausleuchten.“
Voll des Lobes ist Roos über die schnelle Reaktionen der Verantwortlichen von außerhalb. „Ich hab den Notruf um 0.22 Uhr abgesetzt, etwa drei, vier Minuten nach der Tat.“ Um 0.32 Uhr sei die Feuerwehr Markt Bibart dann offiziell mit der Ausleuchtung eines Platzes für den Rettungshubschrauber alarmiert worden und kurz zuvor sei der Rettungswagen aus Scheinfeld angekommen. „Das hat keine zehn Minuten gedauert.“
Schon zuvor hatten Ersthelfer – darunter glücklicherweise auch die beiden ausgebildeten Krankenschwestern Franziska Kriener und Sabrina Göttfert – die sichtbaren Wunden des Verletzten mit Zewas oder Taschentüchern notdürftig abgedeckt. Als Heinzl und Roos mit dem Rettungskoffer der Wehr eintrafen, wurden Mullbilden und Kompressen verwendet. „Wir haben dann die Kleidung aufgetrennt und teilweise abgeschnitten, um besser an die Wunden zu kommen“, so Roos, der von etlichen Stichverletzungen spricht.
Zur Hilfe eilten laut Roos auch viele weitere Kirchweihbesucher und hätten damit Zivilcourage bewiesen. „Entgegen der vielen negativen Erfahrungen von Einsatzkräften mit 'Gaffern' konnten wir in dieser Nacht eine zielorientierte und gemeinschaftliche Erste-Hilfe leisten”, bedankt sich der Kommandant.
So betroffen Bürgermeister Klaus Nölp von den Geschehnissen auch ist, so stolz ist er auch auf die örtlichen Einsatzkräfte und die Ersthelfer. Unglaublich schnell und zielsicher hätten diese reagiert und es sei „ein Riesenglück“ gewesen, dass so viele kompetente Helfer in unmittelbarer Nähe gewesen seien. Einen ausdrücklichen Dank äußerte Nölp auch gegenüber der Führung der Ortsburschen, die von sich aus entschieden hatten, den für Sonntag geplanten Kerwa-Umzug und die Predigt abzusagen. „Die Stimmung war schon bedrückt, das war natürlich Gesprächsthema Nummer 1 im Ort. Ich denke, die Absage war eine sehr gute Entscheidung.“
Die weiteren Kerwa-Programmpunkte, unter anderem die geplanten Fußballspiele, habe man durchgezogen und auch da ist sich Nölp sicher, dass das die richtige Entscheidung war. „Da waren ja die Vereine alle involviert, das wäre sehr schwierig gewesen, das alles kurzfristig abzusagen.“
Im Gespräch mit der Redaktion macht Benedikt Roos einen sehr gefassten Eindruck. „Wir liegen neben der Bahnlinie und direkt an der Bundesstraße 8. Sie können sich denken, dass unsere Feuerwehr schon etliche schlimme Einsätze überstanden hat.“ Natürlich habe die Gewalttat in der Kerwanacht „noch eine andere Dimension gehabt, weil wir da mit etwas zu tun hatten, was einem Menschen absichtlich zugefügt wurde. Aber ich habe mit einigen der anderen Helfer gesprochen – ich denke, wir werden das alle gut wegstecken.“
Zudem sei noch in der Nacht ein Notfallseelsorgeteam mit zwei Geistlichen im Ort eingetroffen und habe mit Angehörigen, Zeugen und Helfern gesprochen und Betreuung angeboten. „Es war sicher nichts Alltägliches, aber ich denke, wir kommen zurecht.“
In dem Fall ermittelt derzeit die Mordkommission.