An Deutschlands Straßenrändern blitzt es diese Woche öfter als sonst. Mit verstärkten Geschwindigkeitskontrollen plant die Polizei in mehreren Bundesländern gegen Raser vorzugehen. Besonders viele Temposünder könnten am kommenden Mittwoch (9. April) registriert werden, denn dann ist der Blitzermarathon in mehreren Bundesländern. Wissenswertes und Kurioses rund um die Polizeiaktion gegen Raser:
Während es in Hamburg, Hessen und Bayern vor allem am Mittwoch zu verstärkten Kontrollen kommt, gibt es anderorts die ganze Woche (7. bis 13. April) mehr Radarfallen. In Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz etwa sollen bis einschließlich Sonntag mehr Raser ertappt werden - in Brandenburg ging es schon am vergangenen Samstag los. Hier lag der Schwerpunkt zunächst auf Motorrädern.
Berlin und das Saarland beteiligen sich nicht am Blitzermarathon. Übrigens nimmt nicht nur Deutschland an der Geschwindigkeitsoffensive teil: Der europäische Verkehrspolizeiverband Roadpol ruft in insgesamt 20 Ländern zu verstärkten Kontrollen auf.
Die wesentliche Ursache für Verkehrsunfälle ist laut Polizei weiterhin überhöhte Geschwindigkeit. In der Aktionswoche gegen Raser gehe es darum, Menschenleben zu retten. So soll an den Kontrolltagen einerseits Aufmerksamkeit auf das Problem überhöhter Geschwindigkeit gelenkt werden, andererseits durch Kontrollen Druck auf Temposünder ausgeübt werden.
Dabei gibt es auch Kritik: „Der nachhaltige Effekt ist meiner Meinung nach überhaupt nicht gegeben, weil das eine reine Showveranstaltung ist“, sagt der Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg. Nach dem Blitzermarathon seien die Fahrer wieder genauso schnell unterwegs wie davor. Schreckenberg fordert stattdessen deutlich härtere Strafen wie Fahrverbote.
Kommunen und Länder nehmen jedes Jahr Millionen ein, weil Fahrerinnen und Fahrer zu viel Gas geben. Ein Beispiel: In Thüringen kamen im Jahr 2024 rund 32 Millionen Euro an Buß- und Verwarngeldern zusammen, wie die Landespolizeidirektion mitteilte. Dazu kommen Blitzer-Einnahmen der Kommunen von mindestens 12 Millionen Euro, wie eine dpa-Umfrage ergab. Die Stadt Hamburg hat im vergangenen Jahr knapp 47 Millionen Euro kassiert - dem Land Hessen wurden durch Temposünder etwa 77 Millionen Euro in die Kassen gespült.
Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts (KBA) sind 2023 wie in den Jahren zuvor deutlich öfter Männer (rund 1,9 Millionen Mal) beim Rasen erwischt worden als Frauen (rund 550.000 Mal). Bei beiden Geschlechtern sind die Temposünder meistens zwischen 25 und 44 Jahre alt. Am häufigsten registrierte das KBA demnach Geschwindigkeitsverstöße außerorts.
Ein häufiges Problem für die Behörden: Motorradfahrer. In der Regel haben die nur hinten ein Nummernschild und der Helm kann die Identifizierung erschweren. In Brandenburg setzt die Polizei am Wochenende daher auch auf Handmessgeräte - auch, um die Motorradfahrer direkt identifizieren und konfrontieren zu können, wie eine Polizeisprecherin sagte.
Kurios: Das gepunktete Shetland-Pony „Stracciatello“ blockte 2014 genau im richtigen Moment das Nummernschild des dahinter fahrenden Autos. Der eigentliche Temposünder kam dank des unbeabsichtigten Helfers ohne Geldbuße davon.
Ob nun Auto, Lkw oder Vogel: Zu schnell ist zu schnell. Im westfälischen Zweibrücken erwischte es einen wildlebenden Papagei. In einer Tempo-30-Zone schoss das Tier laut Polizei mit 43 km/h am Blitzer vorbei. In Brandenburg wurde 2005 ein Pferd mit der exakt selben Geschwindigkeit geblitzt. Wobei das Tier in der Schuldfrage hier durchaus auf die Reiterin hätte verweisen können.
In die Galerie kurioser Schnappschüsse reihte sich im vergangenen Jahr dann das „Krümelmonster“ ein. Auf der A45 ertappte die Polizei einen 57-Jährigen, dessen Verkleidung zumindest große Ähnlichkeit mit dem Charakter aus der Kindersendung hatte. Den Beamten gefiel die Maske allerdings nicht so gut. „Soll witzig sein, ist aber gefährlich“, kommentierte die Polizei das entsprechende Foto auf X.
Blitzer dokumentieren nicht nur Tempoüberschreitungen, manche sollen sogar Uhus retten. Zum Schutz der nachtaktiven Tiere, die in Felsen an der Straße leben, installierte der Kreis Düren in NRW einen besonderen Blitzer. Nach Einbruch der Dämmerung gilt hier Tempo 50, tagsüber Tempo 70.
Bei manchen ist die Radarfalle ziemlich unbeliebt: Mehrfach wurde sie beschädigt und 2012 sogar vor Gericht angefochten. Doch der Blitzer steht bis heute, wie ein Kreissprecher bestätigte.
In NRW beschwerte sich ein Autofahrer einst beim Innenminister, 15 Minuten vor Beginn des Blitzmarathons geblitzt worden zu sein. Dabei sei er extra früh aufgebrochen, um den Kontrollen zu entgehen.
Es geht aber auch anders: 2010 entschuldigte sich im niedersächsischen Jever eine Temposünderin für ihr Vergehen. „Lehrgeld! Sie waren leider nicht mehr da, als ich (langsamer) an den Tatort zurückkehrte“, schrieb sie an die Beamten und schickte vier Schoko-Schildkröten mit.
© dpa-infocom, dpa:250406-930-425017/2