Wer durch das Stahlbad des Jugendspielbetriebs gegangen ist und Zehnjährigen eine ordentliche Saison organisiert hat, bringt offenbar die wichtigsten Voraussetzungen für das Amt des Fußball-Kreisspielleiters mit. Könnte man meinen. So war es jedenfalls bei Thomas Raßbach und so ist das bei seinem Nachfolger Michael Graf. Wer ist der neue Mann auf dem wichtigsten Posten im Fußballkreis?
Einer, der sich an Absprachen hält. Es sei denn, ein Reifenschaden auf der Autobahn torpediert den Interviewtermin. Der zweite Anlauf klappt, pünktlich auf die Minute.
Michael Graf ist 57 Jahre alt, stammt aus Neustadt und wohnt in Langenfeld im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Der verheiratete Familienvater hat zwei Kinder und führt ein Fliesengeschäft mit 26 Mitarbeitern. Er ist ein Chef, der selbst auf der Baustelle mit anpackt. „Das ist mir wichtig“, sagt Graf.
Fußball hat er bei den Neustädter Vereinen einst selbst gespielt und als sein Sohn Vincent Graf bei der SG Quelle Fürth in der Jugend höherklassig aktiv war, engagierte sich der Papa dort in der Nachwuchsarbeit.
2014 stieg Graf als Jugend-Spielgruppenleiter im Kreis ein. Beim Bayerischen Fußballverband wurde er außerdem als Konfliktmanager eingesetzt. Die werden zu den Vereinen geschickt, um Auseinandersetzungen zu befrieden. „Wir sind dann da als Mediator aktiv und schauen uns auch Spiele an, wenn es mit den Mannschaften mal Probleme gegeben hat“, berichtet Graf. Fähigkeiten oder Skills, wie man heute in einer Bewerbung schreiben würde, in dieser Hinsicht sind für jeden Funktionär wahrscheinlich hilfreich. Außerdem war Graf Referent bei der BFV-Aktion Fit for Kids.
Und jetzt wird er Kreisspielleiter. Warum? „Der Thomas Raßbach ist auf mich zugekommen. Anscheinend hält er etwas von mir, sein Vertrauen ehrt mich. Unter der Bedingung, dass er mich die erste Zeit noch unterstützt, habe ich zugesagt“, so Graf.
Raßbach, der seine Funktionärskarriere einst auch als Jugendspielleiter begann, begründet seine Wahl damit, dass er „jemanden mit Stallgeruch“ als Nachfolger gesucht habe. Dass er Graf den Job in fachlicher Hinsicht zutraut, ist ja ohnehin klar.
Zum Ende des Monats übernimmt Graf offiziell den Kreisspielleiterposten von Raßbach. Der Lehrberger wird bis zum nächsten Kreistag 2026 aber weiterhin Vorsitzender des Kreises Nürnberg/Frankenhöhe bleiben. Bereits bei der Vorbereitung der neuen Spielzeit wurde Graf eingebunden und seinen ersten offiziellen Auftritt im neuen Amt hat er voraussichtlich bei der Kreisliga-Tagung am 17. Juli in Marktbergel.
Der Kreisspielleiter gilt als der wichtigste Mann bei der Organisation des Spielbetriebes der etwa 220 Vereine im Kreis Nürnberg/Frankenhöhe. Er hat Einfluss auf Terminpläne, Auf- und Abstiegsregelungen und die Gestaltung der verschiedenen Wettbewerbe – natürlich im vom Verband vorgegebenen Rahmen. Sein Vorgänger scheute dabei Auseinandersetzungen mit der Münchner Zentrale nicht.
Unterstützt wird der Kreisspielleiter von den Mitarbeitern im Kreisspielausschuss.
Das Feedback der Vereine ist mir sehr wichtig.
Sollte Graf schon konkrete Ideen zum Spielbetrieb entwickelt haben, behält er die noch für sich. „Ein gutes Miteinander und das Feedback der Vereine sind mir sehr wichtig“, sagt Graf. Er werde sich anhören, was die Vereinsvertreter an ihn herantragen und dann gegebenenfalls darauf eingehen. Die sehr dünn besetzte Hallenrunde und der unter vielen Absagen leidende Ligapokal gelten als Baustellen.
Eines weiß Graf aber schon jetzt sicher. Am Mittwochabend spielten zeitgleich zur deutschen Elf bei der EM der TSV Neunhof und der SV Alesheim gegeneinander um den Aufstieg in die Bezirksliga. „Diese Ansetzung hätte ich so nicht gemacht“, sagt Graf.