Von Klassik bis Irish Folk, von der Lesung bis zum Kabarett: Die Kulturburg Lichtenau hat in den vergangenen 15 Jahren Künstlerinnen und Künstler in die Marktgemeinde gebracht. Doch Mitte des Jahres ist Schluss. Der Verein löst sich auf. Edgar Heyder, Vorsitzender, blickt zurück auf die Zeit und erzählt, wieso es nicht weiter geht.
Es war eine „gehörige Portion Zufall“, dass der Verein überhaupt gegründet wurde, erzählt Edgar Heyder. Die Gemeinde gründete einen Arbeitskreis, um die Kultur zu fördern. Eine Gruppe von Freunden rund um Heyder hatte Freude an Musik und Literatur und wollten die Lichtenauer Burg beleben. Es sollte erst um wenige spontane Aktionen gehen. Doch Heyder wusste damals schon: Es braucht dafür einen Rahmen. Einen Verein.
Etwa ein Dutzend Leute gründeten also im April 2009 die „Kulturburg Lichtenau“. Seit Beginn ist Heyder Vorsitzender. Nicht ganz zufällig, gibt er zu. Er engagierte sich zu dieser Zeit bereits bei der Kleinkunstbühne „Nürnberger Burgtheater“. „Außerdem hatte ich Zeit“, gibt er schmunzelnd zu. Er war zu dieser Zeit bereits im Vorruhestand.
Seit dem Jahr 2010 stellt der Verein ein Kulturprogramm auf die Beine. Anfangs waren es vier Veranstaltungen im Jahr. Die Gründer waren schon ein wenig aufgeregt. Reichen die Getränke? Kommt überhaupt jemand? Doch das pendelte sich recht schnell ein, erzählt Heyder.
Nach und nach schaffte man sich Ton- und Lichttechnik an. Ein Vereinsmitglied kümmert sich bis heute mit großem Elan um die Technik. Über die Jahre steigerten sich die Events auf bis zu acht pro Jahr. Die Palette war „schon immer bunt gemischt“, so Heyder. Musik, Kabarett, Theater und Literatur – alles sollte einen Platz in Lichtenau haben. Und Platz war die Burg, das steht so ja schließlich im Namen.
Aber nach einiger Zeit wurde den Verantwortlichen bewusst, dass es nicht nur die alten Gemäuer sein können. Die Burg ist groß, es müssten also immer viele Gäste kommen. Doch im Sommer gibt es viele Parallelveranstaltungen. Der Verein verlagerte die Veranstaltungen also mehr in die Alte Turnhalle in Lichtenau und in den Herbst, Winter und Frühling. Die Turnhalle ist kleiner und hat einen weiteren Vorteil: Der Verein darf sie kostenlos nutzen.
Über die Jahre haben sich einige Highlights angesammelt. Heyder erinnert sich zum Beispiel gerne an den Auftritt von „Fiasko classico“, ein Saxofon Quartett. Etwas außergewöhnlich war auch Anne Klinge mit einem Fußtheaterstück. Mit der Irish-Folk-Band Fiddlers Green haben man sich mal etwas getraut. „Das war ganz schön laut“, erinnert sich der 73-Jährige noch heute. Dazu kamen sogar Gäste aus Österreich. Regelmäßig waren Besuchende aus Weißenburg zu Gast. Ein Konzert der A-cappella-Band Viva Voce lockte im Jahr 2010 über 800 Menschen an. Das war laut Heyder die größte Veranstaltung des Vereins.
Auf die Künstler kam der Verein häufig beim Durchstöbern von anderen Programmheften. Rund vier Mal im Jahr trafen sich alle, um über die Vorschläge zu beraten und die Events zu planen. Obwohl das Kernteam gleich blieb, an Helferinnen und Helfern mangelte es nie. Getränkeverkauf, Stühle-Rücken – viele Hände packten mit an. Aktuell hat der Verein rund 45 Mitglieder. Die versteckten Aufgaben aber ballten sich. Edgar Heyder übernahm die Anfrage der Künstlerinnen und Künstler, kümmerte sich um Verhandlungen, Vorverkaufsstellen, Pressearbeit, Flyer oder die Getränkebestellung.
Der 73-Jährige hat beschlossen, kürzer zu treten. Doch im aktiven Kern der Gruppe ließen sich keine Nachfolger finden. „Wir sind alle ähnlich alt“, erzählt Heyder. „Und wir sind gescheitert, Junge zu rekrutieren.“ Das lag wahrscheinlich auch am Programm, das sich eher an Menschen ab 45 Jahren gerichtet hat, gibt Heyder zu. Die Anzahl der Veranstaltungen reduzieren? Keine Option für die geübten Kultur-Macher. „Man braucht eine gewisse Kontinuität, sonst haben einen die Leute schon wieder aus dem Gedächtnis gestrichen“, weiß Heyder.
Die Kulturburg Lichtenau verabschiedet sich also mit einem letzten Programm, das bis in den Sommer reicht. „Wir haben 15 Jahre lang etwas Gutes geleistet und haben Spaß gehabt“, sagt Edgar Heyder. Wer zukünftig Kabarettistinnen, Musiker oder Autorinnen nach Lichtenau lockt, bleibt offen.