Gesetzliche Hürden bremsen derzeit noch ein zentrales Bahnprojekt in der Region. Das erschließt sich aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine FLZ-Anfrage.
Konkret geht es um den Bau einer ICE-Neubaustrecke zwischen Nürnberg und Würzburg, die den Bahnverkehr in ganz Deutschland umkrempeln soll. Ohne sie wäre der Deutschlandtakt, ein gigantisches Ausbauprogramm für die Schiene, nicht umsetzbar.
Seit 2021 steht der Deutschlandtakt, und damit auch die Neubaustrecke, auf der Liste der wichtigsten Verkehrsprojekte des Landes. Das Multi-Milliarden-Euro-Projekt solle demnach eigentlich zeitnah umgesetzt werden. Doch um Planungen aufnehmen zu dürfen, bedürfe es noch „der Konkretisierung der Anlage” im Bundesschienenwegeausbaugesetz, teilt das Verkehrsministerium mit. Denn in ebenjenem Gesetzestext ist nur von einer Ausbaustrecke die Rede, nicht von einer Neubaustrecke. Was nach Wortklauberei klingt, ist in der Verkehrsplanung ein zentraler Unterschied: „Ausbau” bezieht sich auf eine bestehende Strecke, „Neubau” auf eine völlig neue Trasse.
„Die gesetzliche Anpassung wird derzeit vorbereitet”, heißt es aus dem Ministerium. Ein Zeitrahmen wird nicht genannt. Wie aus Bahnkreisen zu vernehmen ist, könnte das jedoch noch dieses Jahr erfolgen. Und damit womöglich noch 2023 die Vorbeteiligung rund um das Projekt starten. Das heißt: Landräte, Bürgervertreter, Fahrgastverbände und andere Institutionen bekämen einen Einblick in erste Überlegungen - etwa, in welchem groben Bereich die Strecke verlaufen könnte.
Über die Rahmenbedingungen ist nämlich bislang wenig bekannt. Klar ist: Die Hochgeschwindigkeitsstrecke soll laut Ministerium ICEs eine Fahrzeit von unter einer halben Stunde zwischen Nürnberg und Würzburg ermöglichen. Dazu müssen die Züge 300 Stundenkilometer fahren dürfen. Auf der bisherigen Linie durch Emskirchen und Neustadt/Aisch wäre das auch bei einem Ausbau nicht möglich.
Von Planern angedacht ist deshalb, die Neubaustrecke mit einem Tunnel zwischen Nürnberg und Fürth und dann weiter ab Fürth-Bislohe in Richtung Westen zu führen. Laut Dr. Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbands Pro Bahn, sind in Fachkreisen vor allem zwei grobe Varianten im Gespräch: Eine, die durch den Steigerwald entlang der A3 verläuft - und eine, die über Neustadt führt.
Für Fahrgäste in der Region würde der Wegfall der ICEs auf der völlig überlasteten Strecke Nürnberg-Neustadt-Würzburg mehr Platz für zusätzliche Regionalzüge bedeuten. Ob das dann etwa auch einen Halt in Langenfeld zulässt, ist allerdings offen.
Für Iffländer und seinen Verband ist aber auch anderes wichtig: „Mehr als ein Nahverkehrshalt auf der neuen Strecke.” Nach Vorstellungen von Pro Bahn sollen auf der ICE-Trasse auch Regio-Züge fahren und an neu zu schaffenden Bahnhöfen halten - etwa Herzogenaurach oder Geiselwind. Sollte die Strecke über Neustadt führen, sei auch ein schneller Regionalexpress, der ohne Halt zwischen Nürnberg und der Kreisstadt verkehrt, denkbar.
Doch bis dahin ist Geduld angesagt. Auch wenn zeitnah Planungen beginnen würden, sei eine Fertigstellung der Strecke wohl erst in den 2040er-Jahren zu erwarten, schätzt Bahnexperte Iffländer.