Neujahrsempfang in Bad Windsheim: Heckel verspricht ein „Paradies auf Erden” | FLZ.de | Stage

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Neujahrsempfang in Bad Windsheim: Heckel verspricht ein „Paradies auf Erden”

Viele Hände schüttelten Dajana Pissors (leicht verdeckt), Bürgermeister Jürgen Heckel, seine Frau Dr. Annette Volkamer sowie seine Stellvertreter Alexandra Horst und Ronald Reichenberg (von hinten). (Foto: Gerhard Krämer)
Viele Hände schüttelten Dajana Pissors (leicht verdeckt), Bürgermeister Jürgen Heckel, seine Frau Dr. Annette Volkamer sowie seine Stellvertreter Alexandra Horst und Ronald Reichenberg (von hinten). (Foto: Gerhard Krämer)
Viele Hände schüttelten Dajana Pissors (leicht verdeckt), Bürgermeister Jürgen Heckel, seine Frau Dr. Annette Volkamer sowie seine Stellvertreter Alexandra Horst und Ronald Reichenberg (von hinten). (Foto: Gerhard Krämer)

Beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Windsheim nahm Bürgermeister Jürgen Heckel die Gäste mit auf eine Reise „durch ein kleines Paradies auf Erden“. Auf dieser Reise zeigte er bestimmte Stationen und nannte Vorhaben wie einen Windpark, während die Landesgartenschau ein separates Ausflugsziel war.

Während Heckels Neujahrsansprache von der Norm abwich, war der Empfang zu Beginn klassisch. Im Foyer des Kur- und Kongress-Centers (KKC) wachten zwei Stadtsoldaten am Eingang. Danach ging es ans Händeschütteln. Des Bürgermeisters Töchterlein der Wagnertanzgilde, Dajana Pissors, Bürgermeister Jürgen Heckel (WiR), seine Frau Dr. Annette Volkamer und seine Stellvertreter Alexandra Horst (Freie Wählergemeinschaft) und Ronald Reichenberg (SPD) freuten sich über die vielen Gäste aus den vielen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Auch viele Vereinsvertreter und Vereinsvertreterinnen waren gekommen – vom Motorradclub bis zur Karnevalsgesellschaft „Windshemia“. Letztere war in stattlicher Zahl samt Prinzenpaar erschienen und erfuhr von Heckel viel Lob, speziell für ihre Jugendarbeit. Die Klänge des Spielmanns- und Fanfarenzugs Bad Windsheim holten die Gäste dann in den großen Saal des KKC. Dort übernahm später dann der Posaunenchor Bad Windsheim die weitere musikalische Gestaltung.

Satire oder schon Beleidigung: Der Stadtrat diskutierte über den Auftritt des Windshemia-Chors bei der ersten Prunksitzung und machte eine Faschingsveranstaltung zum Politikum. (Foto: Gerhard Krämer)
Satire oder schon Beleidigung: Der Stadtrat diskutierte über den Auftritt des Windshemia-Chors bei der ersten Prunksitzung und machte eine Faschingsveranstaltung zum Politikum. (Foto: Gerhard Krämer)

„Geschmacklos” und „erschreckend”? Singspiel der Windshemia führt zu Eklat

Auf der Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft irritierte eine Satire viele Zuhörer. Im Bad Windsheimer Stadtrat kochte das Thema hoch. Was war vorgefallen?

Mit Blick auf die Geschehnisse in der Welt sah Heckel Bad Windsheim als ein Beispiel für gelungene Integration. Hier lebe mittlerweile die dritte und vierte Generation aus Italien, Griechenland und der Türkei, „die wir einst Gastarbeiter nannten“. Er erinnerte auch an die vielen Familien, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gekommen waren.

Heckel zählte keine Kanalbaumaßnahmen oder geänderte Verkehrsführungen auf, sondern gestaltete seine Rede als eine Tour durch die Stadt, wobei er einräumte, dass das „kleine Paradies auf Erden“, wie er es nannte, auch durchaus kleine Schönheitsfehler habe.

Bahnhofsgebäude als „Schandfleck” tituliert

Mit dem Aischtalexpress kamen die Gäste am barrierefreien Bahnhof an. Derzeit müsse man noch bei Gleis zwei aufpassen, gab er Bürgermeister zu. „Das Bahnhofsgebäude ist seit mehr als zehn Jahren ein Schandfleck.“ Doch: „Wir machen aus dem Schandfleck ein Juwel“, versprach Heckel und erzählte vom Inklusions-Café der Lebenshilfe. Es werde versucht, dieses Herzensprojekt bis zur Landesgartenschau fertigzustellen. Gerne würde er dann dort den ersten Kuchen anschneiden.

Gut gestärkt nach einem Stück Kuchen flanierten die Besuchenden dann durch die neu gestaltete Johanniterstraße, deren Kanal dann ebenfalls neu sei. Auf den letzten Metern zum Marktplatz führte der Weg am Roland vorbei, der in neuem Licht erstrahlen wird.

Die neuralgischen Zugangspunkte zu den Veranstaltungsflächen der Stadt, das musste Heckel leider auch betonen, werden mit Schutzpollern ausgestattet, die elektrisch ausgefahren werden.

Ein „optisches Juwel“ als Treffpunkt

Vom Marktplatz, einem „optischen Juwel“, schwenkte Heckel in die Kegetstraße, in der man einmal hatte zweispurig fahren können – auf rutschigem Kopfsteinpflaster. Zweispurig fahren sei heute dort undenkbar. Aber schon vor Weihnachten habe rund die Hälfte der barrierefreien Spur fertiggestellt werden können.

Heckel schwärmte vom Eisessen, vom Treffpunkt Marktplatz – und sprach wieder von einem kleinen Paradies, das bewahrt werden müsse. Dazu zählt laut Heckel der Klimaschutz; er sprach von längst umgesetzten Nahwärmenetzen, sowie von Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Feuerwehr, vom Freibad und von der Therme.

Zudem planten Stadt und Stadtwerke „massive Investitionen in einen Windpark“. Heckel sprach von 60 Millionen Euro. Entstehen sollen 2027/2028 bis zu sechs Windräder auf der Gemarkung Markt Erlbach, genauer beim Schussbacher Forst bei Haaghof, denn der Wald gehört Bad Windsheim.

Kurz noch Kindergärten und den Schulstandort gelobt, zog Heckel die Gäste Richtung Wallgraben, vorbei am Klosterplatz und am Klosterchor mit seiner Bibliothek. Schon eine ganze Weile unterwegs, kam Heckel auf Toiletten zu sprechen.

Nur ein öffentliches WC bislang in Bad Windsheim

Ein einziges, öffentliches WC sei sicher ein Armutszeugnis für die „seniorenfreundlichste Stadt in Deutschland“. Den Menschen die Möglichkeit zu geben, auf eine Toilette gehen zu können, sei eine weitere Herzensangelegenheit von ihm, verriet Heckel, der vom Gemeinschaftsprojekt „Nette Toilette“ schwärmte. Am Wallgraben angekommen, stellte Heckel den Wasserspielplatz vor der Fertigstellung im Jahr 2027 vor.

Heckel schob, bevor es weiter zum Freilandmuseum ging, einen Gesundheitsblock ein. Es seien unzählige Gesundheitsreformen die vergangenen Jahrzehnte umgesetzt worden, aber dass man die Menschen vor Ort versorgen muss, das habe man wohl vergessen. Er hofft, die Gesundheitskompetenz hier vor Ort weiter ausbauen zu können.

Weitere Themen waren dann Radwege, die Winterung als weiteres Juwel, die Maßnahmen in den Ortsteilen und der Dank für das große ehrenamtliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger.

Bauzeitplan für die Landesgartenschau 2027

Über das „Leuchtturmprojekt Landesgartenschau“ informierte Geschäftsführerin Birgit Grübler. Sie stellte das Gelände und den genauen Bauzeitenplan vor, in dem man liege, auch wenn man noch nicht viel sehe. Sie rief zur Teilnahme an den öffentlichen Führungen auf.

Beste Unterhaltung gab es mit dem Kabarettisten Christoph Maul. Der Sitzungspräsident von „Fastnacht in Franken“ – der diese nach eigenen Worten vermutlich zum letzten Mal leitet – sprach von mancherlei Ängsten, weil die Sendung kurz vor der Bundestagswahl stattfinde und eventuell diese stark beeinflussen könne.

Jetzt habe er selbst Angst, plötzlich Kanzler zu sein. Er versprach, in der ganzen Sendung zu gendern, weil der bayerische Ministerpräsident Markus Söder das so gerne mag.

Pfarrer Helmut Spaeth wünschte sich in seinen nachdenklich machenden Worten ein respektvolles Miteinander in der Gesellschaft. Dann sprach er den Neujahrssegen, bevor es zum gemütlichen Teil überging und Jürgen Heckels Neujahrsreise endete.


Von Gerhard Krämer
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