Auf seine Beobachterrolle konnte sich Miroslav Klose die ganze Woche einstimmen. Nach seinem Platzverweis gegen die SV Elversberg am vergangenen Samstag war klar, dass der Weltmeister von 2014 das Auswärtsspiel in der 2. Fußball-Bundesliga gegen den SV Darmstadt 98 am Freitag (18.30 Uhr/Sky) nur von der Tribüne aus mitverfolgen kann.
Sein Assistent Javier Pinola, schon als Spieler ein Fanliebling beim Club und seit Sommer 2024 Co-Trainer in Nürnberg, schlüpft einmalig in die Chefrolle gegen die Hessen. „Ich habe volles Vertrauen in mein Trainerteam“, versicherte Klose, der beim spektakulären 3:2 gegen Elversberg in einer hitzigen Schlussphase mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war und für eine Partie gesperrt wurde.
Der frühere Weltklassestürmer, der zuvor als Trainer noch nicht des Feldes verwiesen worden war, muss sich das Gastspiel also von der Tribüne aus aussehen. Ihm ist es während der Partie nicht erlaubt, im Stadioninnenraum zu sein. Das Verbot beginnt eine halbe Stunde vor Spielbeginn und endet eine halbe Stunde nach Abpfiff.
Klose plant während der Partie auch keinen Kontakt zu seiner Bank. „Wir haben viele Sachen vorbereitet und sind auf vieles eingestellt“, sagte er. Kloses Einschätzung: Die Assistenz macht das schon.
Der 47-Jährige ist nicht der einzige Nürnberger, der nur schwer zu ersetzen ist. Linksverteidiger Berkay Yilmaz wird nach seiner fünften Gelben Karte erstmals in dieser Zweitligasaison beim Club fehlen. Der Dampfmacher reißt unfreiwillig eine riesige Lücke. „Beides ist nicht wirklich schön“, meinte Klose auf die Frage, ob das Fehlen von ihm oder von Yilmaz leichter zu kompensieren sei.
Für die Leihgabe vom SC Freiburg könnte der erst 18-jährige Eric Porstner seine Startelfpremiere geben. Stürmer Piet Scobel hatte schon gegen Elversberg seinen ersten Einsatz von Beginn an gefeiert - und was für einen! Der 20-Jährige traf gleich zweimal und sicherte dem FCN den siebten Saisonsieg.
„Er ist im Training genauso unbekümmert und macht viele Tore. Mir wäre es lieber, wenn wir uns auf die ganze Mannschaft konzentrieren“, meinte Klose über Scobel, der mit dem Rummel um seine Person ohnehin wenig anfangen kann. Der gebürtige Pinneberger habe während der Trainingswoche bestätigt, was er gegen Elversberg beigetragen habe. „Wir gehen davon aus, dass er genauso weitermacht“, sagte Klose.
Für den Nürnberger Nachwuchsboss Michael Wiesinger könnte hingegen ein Wechsel anstehen. Der FC Bayern soll den früheren Bundesligaprofi, von 1999 bis 2001 selbst für die Münchner aktiv, als neuen Sportlichen Leiter auf den eigenen Campus holen wollen. „Es wäre nicht so schön, wenn er woanders hingeht“, meinte Klose. Wiesinger ist schließlich ein wichtiger Faktor, dass der Cheftrainer immer wieder frische Talente für seinen Profikader bekommt.
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