Gibt es am 8. März einen Wechsel an der Spitze der Großen Kreisstadt? Diese Frage beschäftigt die Menschen nicht nur in Dinkelsbühl, sondern auch in den umliegenden Gemeinden. Beim Radio 8-Wahlduell stellten sich der amtierende OB Dr. Christoph Hammer und Herausforderin Anja Schmidt-Wagemann den Fragen von Programmleiter Klaus Seeger.
Der Saal, Meisers Congress Plaza, war so voll, dass die Security nach 600 Personen den Zugang stoppte, 150 weitere hätten gerne noch teilgenommen. Den politischen Schlagabtausch der beiden Kandidierenden verfolgten neben vielen Wahlberechtigten aus Dinkelsbühl auch Interessierte aus Nachbarkommunen in Bayern sowie im angrenzenden Baden-Württemberg.
Zu Beginn schilderte die Leiterin der Lokalredaktion Dinkelsbühl/Feuchtwangen der mit veranstaltenden Fränkischen Landeszeitung, Martina Haas, auf dem Podium ihre Eindrücke vom Wahlkampf in der Stadt. Dieser sei im Vergleich zu 2020 intensiver, auch der Ton sei schärfer geworden, vor allem auf den Social-Media-Kanälen. Dort wurde die Linke-Stadtratskandidatin Yasmin Hübel Ziel einer Hasskampagne, die von der rechten Szene initiiert wurde.
Bei der Vorstellung der Kandidierenden wollte Klaus Seeger von Anja Schmidt-Wagemann, die von DGG, der SPD, den Grünen, den Freien Wählern und der Wählergruppe Land nominiert wurde, wissen, warum sie Oberbürgermeisterin werden wolle. Dinkelsbühl sei eine faszinierende Stadt, in die sie ihre Erfahrungen einbringen wolle, antwortete Schmidt-Wagemann, die aktuell Bürgermeisterin von Fichtenau ist. „Ich möchte als Oberbürgermeisterin ein gutes Miteinander schaffen.”
Dr. Christoph Hammer (CSU) begründete seine Motivation, eine fünfte Amtszeit dranhängen zu wollen, mit der bisherigen Entwicklung der Stadt. Diese wolle er erfolgreich weiterführen, wenngleich Dinkelsbühl vor großen Herausforderungen stehe. Schmidt-Wagemann legte dar, dass sie bei vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern den Wunsch nach Veränderung herausgehört habe. „Irgendwann braucht es einen frischen Wind und neue Ideen.” Dies gelte für Dinkelsbühl genauso wie für Fichtenau. Deshalb sei für sie jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel.
Bei Hammer hakte Seeger hinsichtlich des Austritts von vier Mitgliedern aus der CSU-Stadtratsfraktion nach. „Was ist da schiefgelaufen?”, fragte der Moderator. Hammer wich zunächst aus. Ihn bewege eher die Frage, wie künftig im Rat Entscheidungen getroffen werden könnten, wenn die Meinungen so weit auseinander lägen, betonte er. Auf die erneute Frage, ob etwas falsch gemacht wurde, antwortete Hammer letztlich mit einem klaren „Nein”, auch wenn er einräumte, ins Nachdenken gekommen zu sein. Entscheidungen müssten getroffen werden, sagte Hammer zu seiner Herangehensweise in Sachen „Stadtentwicklung”.
Mehrheiten seien das Ergebnis eines demokratischen Prozesses, lautete hingegen die Ansicht von Anja Schmidt-Wagemann. Beschlüsse würden in den Gremien nach Information und Diskussion gefasst. Entscheider sei der Stadtrat. An Entscheidungen müssten alle beteiligt werden. Es dürfe im Gremium keine Statisten geben.
Thema war auch der Frauenanteil bei den Stadtratslisten. Ob sie damit zufrieden seien, fragte Seeger die beiden. Schmidt-Wagemann verwies darauf, dass bei den fünf Gruppierungen, die sie unterstützen, der Anteil an Kandidatinnen teilweise bei 50 Prozent liege. Die 24-köpfige Liste der CSU kommt auf vier Frauen. Hammer kommentierte dies zunächst mit einer launigen Bemerkung, wurde von Seeger aber ermahnt, dass die Frage durchaus ernst gemeint gewesen sei. Man habe sich bemüht, erläuterte der Gefragte, aber man habe es eben leider nicht geschafft, auf einen höheren Anteil zu kommen. Woran es gelegen habe, wisse er nicht, fügte Hammer hinzu.
Bei den Sachthemen standen unter anderem die wirtschaftliche Lage der Stadt und das von den Stadtwerken gegebene Darlehen im Fokus. Der Kredit sei für die Stadt günstiger gewesen als ein Darlehen auf dem Markt, berichtete Amtsinhaber Dr. Christoph Hammer. Der Engpass sei einer Gewerbesteuerrückzahlung geschuldet gewesen. 2027 werde sich die Situation dann mit Blick auf die Schlüsselzuweisungen wieder entspannen. Auch müsse die Stadt dann weniger Kreisumlage zahlen.
Grundsätzlich stünden alle Kommunen derzeit mit dem Rücken zur Wand, sagte Anja Schmidt-Wagemann. Die Aufgaben nähmen zu, die Mittelausstattung hingegen nicht. Einig waren sich beide, dass der Gewerbesteueransatz nicht erhöht werden dürfe. Es gelte, die Wirtschaft zu stärken.
„Die Bahn kommt” hatte die CSU vor sechs Jahren auf Wahlplakaten verkündet. Wie es nun damit stehe, wollte Seeger wissen, und ob die Reaktivierung ohne Durchbindung nach Nördlingen überhaupt Sinn mache. In zwei Jahren soll es jetzt so weit sein, berichtete Hammer und zeigte sich überzeugt, dass sich mit der Reaktivierung bis Wilburgstetten auch die Prognosen für eine Erweiterung nach Nördlingen verbessern.
Gefragt, wo in Dinkelsbühl die Bahnnutzer ihre Autos abstellen sollen, teilte Hammer mit, dass hierfür bereits ein Konzept vorliege. Inhalte verriet er nicht. Schmidt-Wagemann versicherte, dass bei ihr die Schwedenwiese unangetastet bleiben werde.
Einigkeit herrschte bei beiden Kandidierenden in der Krankenhausfrage. Die kleinen Standorte müssten erhalten bleiben, wenngleich es aktuell keine Garantien gebe. Aber es müsse wieder Ruhe in die Diskussion kommen, um das Vertrauen der Menschen in die Versorgung vor Ort nicht zu verlieren und die Mitarbeitenden nicht weiter zu verunsichern. Nach der Kommunalwahl müsse es einen Wechsel des Klinik-Vorstandes von ANregiomed geben.
Einen Plan hat Schmidt-Wagemann jedenfalls schon: Wenn Dr. Christoph Hammer in den Kreistag gewählt werde und eventuell auch in den Verwaltungsrat, könne er dort für das Dinkelsbühler Krankenhaus kämpfen. Sie führe dann die Geschicke der Stadt Dinkelsbühl.