Das Kunststoffunternehmen Oechsler, das zu den größten Arbeitgebern in Ansbach und Umgebung zählt, ist mit Kurzarbeit aus der Weihnachtspause gestartet. Etwa 350 Beschäftigte sind hiervon betroffen.
Sie kommen sowohl aus produktionsnahen Bereichen, als auch aus der Verwaltung am Standort Ansbach. Insgesamt beschäftigt Oechsler in den Werken in Ansbach und Ansbach-Brodswinden sowie in Weißenburg rund 1300 Menschen. In den beiden Ansbacher Werken arbeiten etwa drei Viertel der Beschäftigten in Westmittelfranken. Genaue Zahlen für die einzelnen Standorte gibt das Unternehmen seit ein paar Jahren nicht mehr heraus.
„Seit Oktober 2023 verzeichnen wir einen temporären Rückgang der Nachfrage in einem Geschäftsbereich, insbesondere an unserem Standort in Ansbach“, teilte Oechsler auf Anfrage mit. Genauer wurde das Unternehmen nicht. Nach FLZ-Informationen soll es vor allem um Zulieferungen für die Solarbranche gehen, die rückläufig sind.
Noch beim Bilanz-Pressegespräch im Juni vergangenen Jahres hatte der Vorstandsvorsitzende Dr. Claudius Kozlik die Steckverbindungen für Solarmodule als innovatives Produkt des Hauses gelobt. Denn die Anforderungen an das Material sind anspruchsvoller, als man sich das als Laie vorstellt. Die Module stehen schließlich bei allen Wetterbedingungen im Freien, und es ist wichtig, dass es keine Verformungen gibt. Allerdings hat sich das Geschäft wohl nicht wie erhofft entwickelt.
Oechsler spricht allerdings von einem „temporären Rückgang der Nachfrage“. Die Unternehmensführung sei zuversichtlich, dass es reichen wird, die Kurzarbeit bis zum Ende des ersten Quartals laufen zu lassen. Der Nachfragerückgang im vergangenen Jahr habe sich noch durch den Abbau von Überstunden bewältigen lassen, teilte Finanzvorstand Karl Ostler mit.
Doch für 2024 brauchte es eine andere Lösung. Zusammen mit dem Betriebsrat seien „in konstruktiven Gesprächen weitere Maßnahmen erarbeitet“ worden, um „angemessen auf diesen vorübergehenden Nachfragerückgang zu reagieren“. Ostler lobt den vertrauensvollen Dialog mit der Mitarbeitervertretung.
Bewusst sei entschieden worden, die Kurzarbeit vorerst auf drei Tage pro Monat zu begrenzen. Das bedeute für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „eine maximale Gehaltsreduktion von zehn Prozent“, so Ostler. In der Pressemitteilung bedankt sich der Finanzvorstand auch „für die Flexibilität und das Vertrauen“ der Beschäftigten.
Kurzarbeit bedeutet, dass vorübergehend die Arbeitszeit reduziert wird. Der Verdienstausfall wird zum Teil über das Kurzarbeitergeld kompensiert. Kurzarbeit war das Mittel der Wahl in der Corona-Pandemie, um auf rückläufige Auftragseingänge reagieren und das Personal weiterbeschäftigen zu können.
Derzeit wird das Instrument weniger genutzt. Die aktuellsten Zahlen stammen vom November vergangenen Jahres. Da hatten insgesamt 17 Betriebe in Stadt und Landkreis Ansbach für 345 Menschen Kurzarbeit beantragt, teilte die Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg auf Anfrage mit. Ein Jahr zuvor waren es 23 Unternehmen und 1017 Beschäftigte.
Die Zahlen sind aber nur ein Indikator. Denn die Anmeldung von Kurzarbeit erfolgt oft rein vorsorglich und wird nicht immer für alle Angemeldeten in Anspruch genommen, wie die Agentur betont. Nach der Bewilligung durch die Agentur für Arbeit kann der Betrieb nämlich für jeden Kalendermonat, in dem Kurzarbeit stattfand, einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen.
Die Daten müssen dann von der Behörde bearbeitet und geprüft werden. Die aktuellsten Daten über tatsächlich realisierte Kurzarbeit für Stadt und Landkreis Ansbach stammen deshalb aus dem April 2023. Für diesen Monat haben 44 Betriebe Kurzarbeit realisiert und es gab 537 Beschäftigte in Kurzarbeit, so die Agentur. Ein Jahr zuvor waren es 153 Betriebe und 1282 Betroffene.