Der Pflegekräfte-Mangel hat längst auch den Landkreis erreicht. Die Kliniken haben deshalb neue Wege beschritten, sie kümmern sich nun aktiv um Auszubildende, auch aus dem Ausland. Mit Radouan Khatti gibt es einen Integrationsbeauftragten, der mehrmals jährlich nach Marokko fliegt. Hand in Hand geht all das mit einem Pilotprojekt in Bad Windsheim.
Die Metzgergasse hat noch einen gewissen mittelalterlichen Charme. Eine enge Gasse, viel Fachwerk, viel Geschichte. Wer bei einem Anwesen in den Hof eintritt, der wird staunen. Früher stand hier ein alter Bauernhof, „der hat fürchterlich ausgeschaut“, berichtet Wolfgang Eckardt, Altbürgermeister Bad Windsheims und Projektentwickler. Doch die Zeiten von Traktor und Kuh sind längst vorbei. Davon haben sich auch die Landkreisbürgermeister bei ihrer Tour ein Bild gemacht.
Moderne Appartement-Häuser stehen dort nun. Wer auf die Klingelschilder blickt, der wird viele international angehauchte Namen entdecken. Die Menschen dahinter machen gerade die Pflege-Ausbildung. Einige stammen aus Marokko und wurden von Khatti gescoutet, er lockt die vielversprechendsten jungen Erwachsenen nach Deutschland.
In der Bad Windsheimer Metzgergasse finden sie dann eine Wohnung. 32 Appartements stehen zur Verfügung, erläutert Eckardt, zwischen 18 und 32 Quadratmeter groß, voll möbliert. Ein Saal im Dachboden lädt zu gemeinsamen Lerneinheiten ein – Deutsch-Einheiten und das große Pauken der Pflege-Inhalte.
Die Mietkosten sind auf das Einkommen angepasst, ein paar Euro müssen Klinik/Landkreis zuzahlen. Und die Erfahrung lehre: Es funktioniert. Khatti und Eckardt berichten, dass die Azubis in Bad Windsheim längst Anschluss gefunden haben: Die ersten kicken bereits im Fußballverein oder trainieren im Fitnessstudio.
„Das ist so eine ganz andere Willkommenskultur“, findet der Bad Windsheimer Altbürgermeister. Entsprechend sind die Hoffnungen groß, dass die Pfleger später bleiben. Der Integrationsbeauftragte ist der Kümmerer vor Ort, „den braucht man bei so vielen Mädels und Jungs“.
Das Investorenteam sieht vor allem zwei riesige Vorteile: Die Altstadt wird belebt und die Pflegekräfte in spe haben kurze Wege in die Arbeit zur Klinik – und auch die Pflegeschule soll ja bald schon nach Bad Windsheim ziehen. Landrat Dr. Christian von Dobschütz berichtet von „guten Gesprächen“ mit dem Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium. Dort sind derzeit noch Räume frei, in welche die Pflegeschule einziehen könnte. „Ich bin sehr hoffnungsfroh“, sagt von Dobschütz, auch wenn es natürlich eine große Herausforderung sei, zwei Schulen zu verheiraten.
„Wir haben uns auf den Weg gemacht“, sagt Klinik-Vorstand Stefan Schilling zum Pflegecampus-Projekt. Dieser scheint zum Erfolgspfad zu werden: Schilling berichtet von drei Pflege-Kursen, die am 1. September begonnen haben – 105 Schüler aus zahlreichen Nationen. „Das hat es auch noch nie gegeben.“