„So nicht mit uns!” – um ein Zeichen gegen die geplante Betriebsschließung zu setzen, sind am Dienstag über 100 Mitarbeitende dem Aufruf der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) zur Protest-Kundgebung vor dem Playmobil-Werkstor gefolgt.
Massiv kritisiert wurde unter anderem die Informationspolitik der Horst Brandstätter Gruppe. Die Firmenleitung hatte vor zwei Wochen das Aus für den Playmobil-Fertigungsstandort Deutschland bekanntgegeben. Die 350 Mitarbeitenden in Dietenhofen seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden, prangerte Maximilian Krippner, Gewerkschaftssekretär der IGBCE in Nürnberg, an: „Der Betriebsrat ist rechtzeitig und umfassend zu informieren, und das ist hier unzureichend passiert.“ Erfahren habe dieser erst zwanzig Minuten vor der entscheidenden Mitarbeiterversammlung von der Standortschließung.
Der Dietenhofener Bürgermeister Rainer Erdel wusste hingegen bereits am Vorabend Bescheid. Außerdem hatte es im Rathaus bereits seit Monaten Gespräche mit einem Vorhabenträger gegeben, der auf großen Teilen des jetzigen Playmobil-Areals ein Rechenzentrum errichten möchte. „Wir fordern hingegen einen ergebnisoffenen Dialog über die Zukunft des Standorts“, so Krippner weiter. Der Betriebsrat habe seit Jahren schon intensive Fragen zur Strategie gestellt. „Die blieben leider unbeantwortet.“
Harald Sikorski, Landesbezirksleiter der IGBCE in Bayern, berichtete von großem Unverständnis der Menschen in der Region und wandte sich in einer emotionalen Rede an die Mitarbeitenden: „Es geht hier um ein Traditionsunternehmen, das durch eure Arbeit den Kindern seit vielen Jahrzehnten ein Lächeln ins Gesicht zaubert, und das durch eure Arbeit reich geworden ist.“
Playmobil habe hervorragende Mitarbeitende, mit denen vor dem Hintergrund unternehmerischer Fehlentscheidungen und Missmanagement nun unwürdig umgegangen werde. „Das ist nicht zu akzeptieren.“ Selbst in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten – und die gebe es immer mal – könne man erwarten, dass die Belegschaft einbezogen werde. Gemeinsam könne man zukunftsweisende Konzepte entwickeln. „Die IGBCE wird mit euch kämpfen, bis die Unternehmensleitung wieder zur Besinnung kommt und in Verhandlungen einsteigt. Bleibt stark.“
Auch Sabrina Emrich, IGBCE-Bezirksleiterin in Nürnberg, betonte die Bedeutung der Menschen vor Ort. „Gute Mitarbeiter sind kein Kostenfaktor – sie sind ein Standortfaktor.“ Die Belegschaft in Dietenhofen, die zu den besten Zeiten bis zu 1500 Menschen stark gewesen sei, habe die Marke mit aufgebaut, und sie habe Rechte. „Es gibt Mitbestimmung in Deutschland, damit die Demokratie nicht vor dem Werkstor endet. Es ist nur fair, im Transformationsprozess eure Stimme zu hören.“
Solidarische Grüße überbrachte der SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Carsten Träger. Von den Vorgängen zeigte er sich schockiert und enttäuscht. „Von Seiten der Bundesregierung arbeiten wir an den relevanten Themen, damit es mit dem Standort Deutschland wieder bergauf geht“, sagte Träger. Erste Erfolge habe man im Bereich der Energiekosten erzielt. Außerdem habe man Sondervermögen für Infrastruktur bereitgestellt. „Aber gut Ding will Weile haben. Es geht nicht von heute auf morgen.“
Anwesend waren auch Vertreter der Kirchen: Kurt Reinelt von der katholischen Betriebsseelsorge des Bistums Eichstätt und René Steigner vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der evangelischen Landeskirche. „Schon wieder ein gebrochenes Versprechen – das war meine erste Reaktion“, sagte Kurt Reinelt. Erst im Sommer habe es von der Firmenspitze geheißen, der zurückliegende Abbau von Arbeitsplätzen sei der letzte gewesen. Reinelt ist seit über 18 Jahren Betriebsseelsorger und erinnert sich noch gut an zentrale Aussagen des verstorbenen Inhabers Horst Brandstätter. „Er hat gesagt, Dietenhofen sei seine Nummer eins, der wichtigste Standort im Konzern.“ Darauf habe man sich verlassen.
Von seelsorgerischer Seite versuche man, die Betroffenen aufzufangen. „Es geht darum, die Angst in Mut zu verwandeln, und zwar nicht nur individuell, sondern auch systemisch und kollektiv.“ Die Kirchen böten dafür eine Reihe an Beratungs- und Hilfsangeboten.
Maximilian Krippner kündigte an, dass dies nicht die letzte Veranstaltung gewesen sein soll. „Wir machen weiter Druck.“ Deutlich erhöhen wolle man die Zahl der Demonstrierenden: „Sprecht eure Kollegen an. Je mehr wir sind, desto mehr Eindruck hinterlassen wir.“