Scheinfeld will von Volkach etwas über Planung und Gefühl lernen | FLZ.de | Stage

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Scheinfeld will von Volkach etwas über Planung und Gefühl lernen

Bürgermeister Claus Seifert deutet bei der Bürgerversammlung auf eine Skizze für die künftige Stadtbaumbewässerung mit dem „Stockholmer Modell“. (Foto: Anita Dlugoß)
Bürgermeister Claus Seifert deutet bei der Bürgerversammlung auf eine Skizze für die künftige Stadtbaumbewässerung mit dem „Stockholmer Modell“. (Foto: Anita Dlugoß)
Bürgermeister Claus Seifert deutet bei der Bürgerversammlung auf eine Skizze für die künftige Stadtbaumbewässerung mit dem „Stockholmer Modell“. (Foto: Anita Dlugoß)

Die Scheinfelder Bürgerversammlung verlief anders als gewohnt: Sofort gab Bürgermeister Claus Seifert den Ring frei für die rund 30 Personen, die ins Alte Rathaus gekommen waren. Von der Nutzung des ehemaligen Amtsgerichtsgebäudes als Naturparkzentrum bis hin zur Altstadtsanierung wurde der Bogen gespannt.

Eine Impulsgeberin war immer wieder die vormalige Stadträtin Hildegard Simon. Sie fragte zum Anschlusszeitpunkt der PV-Anlage im Gebiet Eckstein und zur möglichen Bürgerbeteiligung nach, worauf der Bürgermeister zu einem Referat über die alternative Energien („Ein spannendes Thema“) ausholte.


Das Alte Rathaus könnte ans Netz angeschlossen werden.

Claus Seifert

Dabei richtete er den Blick auf das Wärmenetz, das mit Biogas betrieben wird und das Freibad, die Schule, Gymnasium, Altenheim und einige Private versorgt. Aller Voraussicht nach werden „der nächste Kindergarten“ und das künftige Naturparkzentrum, das derzeit mit Gas beheizt wird, künftig mit Biogas beheizt. Auch „das Alte Rathaus könnte ans Netz angeschlossen werden“. Dies werde derzeit überrechnet.

Die Art der Beteiligung wurde von der Firma Anumar noch nicht festgelegt. Erst nach dem Bau der Leitung sei darüber eine Aussage möglich, es werde dazu aber noch eine Versammlung vor Ort gehalten. Ein Bürger erhielt zur Antwort, dass die Anlage im Besitz dieser Firma bleibt, die in Scheinfeld einen Sitz haben wird und auch dort Steuern bezahlt.

Was Windkraft anbelangt, stellte Seifert fest, dass alle Hügel im städtischen Umkreis bewaldet seien und innerhalb des Naturparks Steigerwald lägen. Davon sei die Hälfte Landschaftsschutzgebiet, was lange „Tabuzone“ war. Aber: „Das wird sich ändern.“

Denn der Gesetzgeber habe nun festgelegt, dass zwei Prozent der Fläche für Wind vorgesehen werden muss. Seifert rechnet deshalb bis 2050 mit rund sechs weiteren Windkraftanlagen und betonte, dass sich der Stadtrat hier nicht das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen darf, sondern weiterhin definieren müsse, wo man Windkraft haben will und wo nicht. Sonne und Wind würden heute oft zusammen projektiert, was die Planer vor besondere Herausforderungen stelle.

Was die Sonnenenergie auf Dächern anbelangt, habe man eine „liberale Satzung“. Demnach seien lediglich keine entsprechenden Anlagen auf der Präsentierseite eines Gebäudes im denkmalgeschützten Bereich erlaubt.


Die gesamte Altstadt soll in den nächsten Jahren komplett saniert werden.

Claus Seifert

Danach riet Seifert dazu, einmal nach Volkach zu fahren. In Sachen Planung, Aussehen und Gefühl könne man von dort viel übernehmen, denn „die gesamte Altstadt soll in den nächsten Jahren saniert werden“. Ziel sei es, die Hauptstraße heuer umzubauen, und zwar für Geh- und Fahrwege verschieden gepflastert und ohne Höhendifferenzen. Die alten Steine würden verbaut, beispielsweise in der Bogenstraße. Die Baumart Eschenahorn, die in der Hauptstraße vorgesehen ist, werde nach dem Stockholmer Bewässerungsmodell versorgt, das Wasser aus Dachrinnen verwendet. Der Torturm soll noch heuer saniert werden.

Wiederum Hildegard Simon rief das Thema „Naturfriedhof“ auf den Plan. In der Waldabteilung Eckstall, wo laut Seifert viele verschiedene Baumarten wachsen, soll in anderthalb Jahren ein Wald mit Urnengräbern unter Bäumen entstehen. Im März werde der Bauausschuss das 4,5 Hektar große Areal in Augenschein nehmen.

Die Ex-Stadträtin war es auch, die zur Waldkindergartengruppe nachfragte. Eingerichtet wird diese im Mittelwald bei Grappertshofen, so Seifert. Sie ist Teil des dritten – evangelischen – Kindergartens in Scheinfeld, der entweder in die Schlossgaststätte oder in einen Neubau ziehen wird.

Die Kinder seien aktuell im alten Amtsgerichtsgebäude untergebracht, die Erlaubnis dafür bestehe bis Schuljahresende. Das Konzept des Naturparkzentrums stellte Seifert detailliert vor – mit den Ausstellungsflächen im Erdgeschoss und im ersten Stock, wo jeweils 250 Quadratmeter zur Verfügung stünden. Eine 6000 Quadratmeter große Gartenfläche gehöre ebenfalls zum Gebäude. Für weitere kulturelle und touristische Einrichtungen wäre noch Platz, jedoch müsse man auch alle Fördertöpfe unter einen Hut bringen.

Weiter informierte Seifert über die hohen Kosten im Baugewerbe. Eine Frage betraf dann die Bauplätze am Mittelwald bei Grappertshofen, wo man „ausverkauft“ sei. Diesbezüglich werde im März noch die Vergabe für ein Rückhaltebecken erfolgen.

Eine Lösung will der Stadtrat noch für den Hohlweiler Mühlweg finden. Dort werde laut einer Bürgerin ein Spielstraßenschild ignoriert: Es werde dort gerast. „Nennen Sie mir eine Straße in Scheinfeld, in der nicht zu schnell gefahren wird“, forderte Seifert. Schweigen im Bürgersaal.

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