Ein Tief mit viel Schnee und Eisregen hat viele Autofahrer und Fußgänger am Montag ins Rutschen gebracht. Nach kurzer Wetterberuhigung ist die Glatteisgefahr nicht gebannt: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach erwartet in den nächsten Tagen einen Mix aus Regen und Schnee. Vor allem in der Mitte Deutschlands ist mit gefrierendem Regen zu rechnen.
Auf glatten Straßen ereigneten sich in der Nacht zum Montag und am Morgen Hunderte Unfälle. Eine Front mit Niederschlägen überquerte Deutschland von Südwesten nach Nordosten. Bei der Deutschen Bahn war der Nah- und Fernverkehr bundesweit beeinträchtigt.
So wurde der Fernverkehr zwischen Berlin und Stralsund sowie Berlin und Rostock eingestellt. Verspätungen und Zugausfälle gab es ebenso bei den ICE und Intercitys im Rhein-Main-Gebiet, im Raum Stuttgart, im Raum Ulm sowie auf der Strecke Hamburg-Hannover, wie die Bahn im Internet mitteilte. Eingefrorene Weichen waren zum Beispiel in Niedersachsen ein großes Problem.
Eine Front mit Niederschlägen überquerte Deutschland seit Sonntagabend von Südwesten nach Nordosten. Auf glatten Straßen ereigneten sich in der Nacht und am Morgen Hunderte Unfälle. Meist blieb es bei Blechschäden. Mehrere Menschen wurden leicht verletzt. Auf einigen Autobahnabschnitten blieben nach starkem Schneefall Lastwagen liegen und blockierten die Strecken. In Thüringen zählte die Polizei 97 Verkehrsunfälle innerhalb von acht Stunden.
In Berlin wurde der Straßenbahnverkehr wegen vereister Oberleitungen bis auf weiteres eingestellt. Rund 40 Trams steckten im Streckennetz fest. Durch Eisregen seien die Oberleitungen innerhalb kürzester Zeit extrem und flächendeckend eingefroren, sagte eine Sprecherin der Verkehrsbetriebe BVG. „Das ist eine historische Lage, das hatten wir so noch nie“, fügte sie hinzu.
Auch eine U-Bahnlinie in Berlin war auf einem oberirdischen Streckenabschnitt unterbrochen. Ein kurzes Autobahnstück in Berlin wurde wegen Eisglätte gesperrt. Die gestreuten Hauptstraßen in der Stadt waren hingegen problemlos befahrbar.
Auch andernorts war der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt oder wurde vorübergehend eingestellt. Bis zum Mittag wurden alle Unwetterwarnungen des DWD aufgehoben.
Den Südwesten Deutschlands hatte die Schneefront bereits am Sonntagabend erreicht. Dort fielen bis zu 25 Zentimeter Neuschnee. In Stuttgart wurden am Abend rund 70 Unfälle auf glatten Straßen gezählt, in der Region Ulm mehr als 50. Schwere Unfälle waren nicht dabei.
Bei Weinsberg in Baden-Württemberg blieben in der Nacht auf einer Verbindungsstrecke von zwei Autobahnen 15 bis 20 Autos und Lastwagen im Schnee stecken, wie die Polizei in Heilbronn mitteilte. Bei Bad Hersfeld in Hessen blockierten Lastwagen Fahrspuren, „weil die Fahrer meinten, bei dem Schnee noch überholen zu müssen“, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Fulda sagte. In mehreren Landkreisen Niedersachsens wurde der Schulunterricht wegen der gefährlichen Anfahrtswege abgesagt.
Bei Nürnberg geriet ein Mann mit seinem Auto auf schneeglatter Fahrbahn ins Rutschen und landete im Vorgarten einer Kirche. Der Wagen kam in Happurg von der abschüssigen Straße ab, fuhr auf das Gelände der Kirche und stieß gegen eine Treppe am Gebäude. Rettungskräfte brachten den 34-Jährigen leicht verletzt ins Krankenhaus.
Auch Seebestattungen an der Ostseeküste sind vom Winterwetter betroffen. Aufgrund der Witterung und der Eisbildung könnten bis zum 8. Februar keine Seebestattungen mit dem Fahrgastschiff der Weißen Flotte in Stralsund angeboten werden, teilte das Unternehmen auf seiner Website mit. Auch danach könne es noch zu Einschränkungen und Absagen kommen.
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