Im Wald nahe Ansbach steht seit September ein Auto. Sein Halter interessiert sich offenbar nicht mehr dafür. Es einfach zu entfernen, ist aber ein komplexer bürokratischer Vorgang. Trotzdem sind die Tage des silbernen Polos im Wald gezählt.
Die Anfänge des Feierabendverkehrs rollen Richtung Autobahn. Es ist ein Nachmittag im Spätsommer auf der B13. Zwischen dem routinierten Verkehr hat sich eine Streife des Zolls postiert. In regelmäßigen Abständen lösen sie Fahrzeuge aus dem Strom. Es trifft einen silbernen VW Polo. Blinker rechts, raus aus der Spur, rein in die Kontrolle. Rund anderthalb Stunden ist der Kleinwagen aus Heilbronn unterwegs gewesen. Am Waldrand vor Höfstetten endet die Fahrt abrupt. Möglicherweise war es die letzte Reise des Polos.
So in etwa dürfte es sich am 16. September zugetragen haben. Genauer können es Polizei und Zoll ein halbes Jahr später nicht mehr rekonstruieren. Klar ist nur: Der silberne Polo mit Heilbronner Kennzeichen war in eine Routinekontrolle des Hauptzollamts gefahren. Seitdem ist er am Rande eines Waldweges, wenige Meter von der Abfahrt der B13 abgestellt.
Zur damaligen Kontrolle teilt das Hauptzollamt auf Anfrage der FLZ mit: „Es konnten keine zoll- oder steuerrechtlichen Verstöße festgestellt werden. Jedoch ergaben polizeiliche Abfragesysteme Verstöße.” Konkret bedeutet der Beamtensprech in diesem Fall, dass das Fahrzeug keine gültige Versicherung mehr hatte. Das erklärt Ansbachs stellvertretender Polizeichef Stefan Schuster im Gespräch mit der FLZ.
Die Ansbacher Polizeiinspektion hatte den Fall noch am Tag der Kontrolle übertragen bekommen. Wegen der fehlenden Versicherung entstempelten die Beamten das Auto. Kompliziert war die Bestimmung des Besitzers. Laut Schuster soll der Fahrer den Polo für „'nen Appel und 'n Ei” vom Halter abgekauft haben. Daher fühle sich der Halter offenbar nicht mehr zuständig für sein Auto. Eine Aufforderung, das Fahrzeug zu entfernen, „hat ihn nicht gejuckt”, sagt Schuster.
Somit steht der Kleinwagen nun seit einem halben Jahr unbewegt an Ort und Stelle. Er hat etliche Dellen und Lackschäden. Die Frontscheibe ist mehrmals gesprungen. Im Innenraum liegen mehrere Zigarettenstummel im Aschenbecher. Das Autoradio fehlt, dafür liegt ein Sandwichmaker im Kofferraum. Inzwischen ist auch der TÜV abgelaufen. Daher klemmt ein vergilbter Strafzettel des städtischen Ordnungsamts unter dem Scheibenwischer, dessen Blätter bereits geklaut wurden.
Der Fall ist nämlich eine Zuständigkeitsebene weiter gerutscht. Nachdem die Aufforderungen der Polizei an den Halter auf wenig Beachtung gestoßen waren, hat sich die Stadt Ansbach der Sache angenommen. Diese befasste sich zunächst mit der Rechtsgrundlage und dem Abfallbegriff, wie Anne Ziegler vom Geschäftsbereich Oberbürgermeister auf Anfrage informiert. Ein Auto muss rechtlich als Abfall gelten. Dann erst kann die Behörde anordnen, dass es entfernt werden muss.
Nach über einem halben Jahr ohne Bewegung ist das für die Stadt offenbar erfüllt. Der Halter hat nun bis Ende April Zeit, seinen Polo zu entsorgen. „Sollte dies nicht geschehen, wird von Seiten des Umweltamts der Stadt Ansbach Anfang Mai die Ersatzvornahme vollzogen”, schreibt Ziegler unserer Redaktion. Was damit gemeint ist: Wenn das Auto im Mai noch immer im Wald steht, wird es verschrottet. Auf Kosten des Halters, wie Ziegler unterstreicht.
Die Kostenfrage hatte bereits Polizeioberrat Stefan Schuster aufgeworfen. Den Wagen abzuschleppen hätte den Steuerzahler rund 700 Euro gekostet, rechnet er vor. Dazu die Kosten und Kapazitäten für eine vermutlich lange Verwahrungszeit. Daher der opulente Weg über mehrere Zuständigkeitsebenen sowie die Aufforderung an den Halter. Der ausgebremsten Odyssee scheint nun im Mai ein Ende in Sicht.