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Veröffentlicht am 18.11.2024 15:47

So steht es um die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Ansbach

Die Einführung der S-Bahn von Nürnberg über Ansbach nach Dombühl (und bald weiter bis nach Crailsheim) war ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises. (Foto: Thomas Schaller)
Die Einführung der S-Bahn von Nürnberg über Ansbach nach Dombühl (und bald weiter bis nach Crailsheim) war ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises. (Foto: Thomas Schaller)
Die Einführung der S-Bahn von Nürnberg über Ansbach nach Dombühl (und bald weiter bis nach Crailsheim) war ein wichtiger Schritt für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises. (Foto: Thomas Schaller)

Es war voraussichtlich das letzte Mal, dass Ekkehard Schwarz im Wirtschafts- und Strukturförderungsausschuss des Kreistags seinen Bericht zur Lage vortrug. Und so nutzte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises die Gelegenheit, auf die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zu blicken.

1992 war die Wirtschaftsförderung eingerichtet worden. Nach der Wiedervereinigung stand der Landkreis vor neuen Herausforderungen, weil Betriebe nach Ostdeutschland und Osteuropa verlagert wurden. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit hätten sich mehr Menschen mit innovativen Ideen selbstständig gemacht. Momentan fehle diese Bereitschaft etwas, meinte Schwarz.

Erweiterungsflächen angeboten

Meilensteine der Entwicklung in der Region waren aus seiner Sicht die Elektrifizierung der Bahnlinie nach Crailsheim 1984, die Fertigstellung der beiden Autobahnen und die Einführung der S-Bahn. Trotz der verbesserten Verkehrsinfrastruktur sei die Ansiedlung von Betrieben aber kein Selbstläufer gewesen.

Stets habe man bei Neuansiedlungen ein Erweiterungsgrundstück verkauft oder in Aussicht gestellt. Heute sei Flächensparen angesagt, was „kurzsichtig gedacht“ sei. Die Gründung der Hochschule Ansbach 1996 habe auch die Hochschule in Triesdorf beflügelt, meinte Schwarz. Ein weiterer wichtiger Impuls sei die Fertigstellung des Fränkischen Seenlands 2001 gewesen. Auch die Flurbereinigung habe die Schaffung einer „hervorragenden Infrastruktur“ mit ermöglicht.

IT-Branche fällt im Landkreis Ansbach klein aus

Industrieller Schwerpunkt sei über die Jahre hinweg die Kunststoffindustrie geblieben. Um die IT-Branche habe man sich zwar bemüht, aber „der typische Informatiker hat es nicht so mit dem ländlichen Raum“. Der Tourismus laufe „ganz gut“. Voraussetzung dafür sei, dass viel investiert worden sei.

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Weitere Wegmarken der wirtschaftlichen Entwicklung seien der Zusammenbruch des Neuen Marktes, die Euro-Einführung, die Finanzkrise und der Aufstieg der Zeitarbeitsfirmen gewesen. Über die Jahre habe sich viel verändert. Letztlich gehe das Meiste über persönliche Beziehungen. Deshalb sei eine gute Vernetzung vorteilhaft, auch über die Landkreisgrenzen hinweg.

Nicht jeden Blödsinn mitmachen

„Unser Landkreis kann die verschiedenen Aufs und Abs gut bewältigen, wenn wir das machen, was zu uns passt“, bilanzierte Schwarz, der demnächst in Ruhestand gehen wird. Der Landkreis Ansbach liege „im oberen Mittelfeld“ und werde eine ländliche Region bleiben. Daher könne man optimistisch in die Zukunft schauen, müsse aber „nicht jeden Blödsinn mitmachen“.

Zur Einführung hatte zuvor Landrat Dr. Jürgen Ludwig darauf hingewiesen, dass sich im Moment viele Menschen „großen Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland“ und die Arbeitsplätze machen würden. Zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und den kommunalen Finanzen bestehe ein direkter Zusammenhang. Der Landkreis Ansbach habe die Wirtschaftsförderung über die Jahre stetig ausgebaut und werde das Gewerbe auch weiterhin unterstützen, unter anderem durch eine starke Vernetzungsarbeit.

Extras aus dem Wirtschaftsausschuss

Aktuell zeigt sich bei der wirtschaftlichen Lage im Landkreis Ansbach ein gemischtes Bild, berichtete Wirtschaftsförderer Thomas Merkel im zuständigen Ausschuss des Kreistags.

  • Einige Branchen seien in der Krise, andere würden investieren und erweitern, sagte er. Der Arbeitsmarkt sei davon gekennzeichnet, dass die Babyboomer in den Ruhestand gehen und ein erheblicher Teil der Arbeitskräfte nicht ersetzt werden könne. Fast alle Firmen beschäftigen sich daher laut Merkel mit dem Thema Fachkräftemangel.
  • Positiv sei, dass 1500 der etwa 5000 Unternehmen im Landkreis ausbilden. Die Wirtschaftsförderung setze sich dafür ein, die Vernetzung auch in diesem Bereich zu verstärken und die Angebote bekannt zu machen, damit sich junge Menschen orientieren können.
  • Das Gründerzentrum von Stadt und Landkreis Ansbach habe sich gut entwickelt. Hingegen hätten sich die Synergieeffekte am zweiten Standort am Innovationscampus in Merkendorf nicht wie erhofft eingestellt.
  • Allgemein strebe man an, Veranstaltungen immer mit Partnern zu organisieren und regionale Netzwerke zu stärken. Dies sei, so Merkel, die einzige Möglichkeit im ländlichen Raum. Derzeit werde der Energienutzungsplan für den Landkreis erstellt, der Basis für die kommunale Wärmeplanung sei.
  • Kreisrätin Doris Unger (CSU) erklärte, die Wirtschaftsförderung sei eine Bereicherung für den Mittelstand. Ihr Fraktionskollege Klaus Schülein wies auf die Belastungen durch die Bürokratie hin und Michael Dörr (auch CSU) auf die lange Zeit, die mittlerweile nötig ist, um ein Gewerbegebiet auszuweisen. Nötig sei eine „Wirtschaftswende“ mit einer Entbürokratisierung, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden. Derzeit sieht er eine „Stagnation, wenn nicht sogar eine Rückwärtsentwicklung“.
  • Kurt Held (CSU) macht sich Sorgen um die Nahversorgung in den Ortschaften, was er am Beispiel der stark gesunkenen Zahl der Mitglieder der Bäckerinnung verdeutlichte. Umso wichtiger sei es, das Netzwerk mit den Direktvermarktern im Landkreis voranzutreiben.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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