Der Deutsche Meistertitel mit der Staffel des LSC Höchstadt über die 3x1000 Meter war ein netter Einstieg in die Bahnsaison. Aber für diese Goldmedaille hat Florian Bremm nicht schon an die 2800 Trainingskilometer auf zwei Kontinenten in diesem Jahr zurückgelegt. Der Langstreckler will zur Weltmeisterschaft. Der Weg nach Tokio ist nun abgesteckt.
Es ist ein weiter Weg nach Japan – rund 9000 Kilometer. Aber bevor ihm der Deutsche Leichtathletik-Verband das Ticket für den Langstreckenflug in die Hand drückt, muss der Colmberger die Distanz zur Weltspitze noch etwas verkleinern. Die bemisst sich für den deutschen Spitzenläufer über 5000 Meter zwar in Sekunden, ist aber trotzdem ziemlich groß.
Wie groß, erlebte Bremm im März bei der Hallen-Europameisterschaft in den Niederlanden. Als bester Deutscher lieferte Bremm als Siebter im 3000-Finale-Finale ein sehr gutes Rennen ab. Es war die beste internationale Platzierung seiner Laufbahn. Und doch war er chancenlos in einem klasse besetzten Rennen, als die Favoriten im Kampf um die Medaillen ernst machten. Erst sieben Sekunden nach Sieger Jakob Ingebrigtsen kam Bremm ins Ziel. Der Tempoverschärfung des Norwegers war kein Konkurrent gewachsen.
„Da denkt man dann erstmal: Wow, wo nimmt der das noch her“, sagt Bremm. Er lief den letzten Kilometer in 2:26 Minuten, Ingebrigtsen in 2:18.
Die Hoffnung von Bremm ist nun, dass der Abstand zur Weltspitze in den letzten Wochen zumindest ein bisschen kleiner geworden ist. Vier Wochen Trainingslager in Südafrika und nochmals zwei Wochen Trainingslager in Italien hat Bremm hinter sich und den rituellen Besuch zwecks Leistungsdiagnostik in einem Leipziger Institut. An seiner Trainingsplanung war zudem Dan Lorang beteiligt. Der gebürtige Luxemburger gilt als Ausdauer-Guru und trainiert auch Radprofis und Ironman-Weltmeister.
Nach so viel Training in diesem Jahr ist nun Zeit zu liefern. Die vielen von seinem robusten Körper wieder einmal ohne Verletzungsprobleme abgespulten Kilometer machen ihn zuversichtlich für die Sommersaison. Bremm wird eine neue Bestzeit über 5000 Meter (bisher 13:11 Minuten) brauchen, um sich für die WM zu qualifizieren. Die offizielle WM-Norm – 13:01 Minuten – muss es nicht unbedingt gleich sein. Obwohl: „Ich bin es ja gewohnt, meine Bestzeit innerhalb eines Jahres sehr deutlich zu steigern“, sagt Bremm.
Ein anderer Weg nach Tokio führt über die Weltrangliste, in der der 24-Jährige derzeit Platz 47 belegt. Um im Ranking weiter nach oben zu kommen, gilt es nun Punkte zu sammeln, die bei verschiedenen Rennen in unterschiedlicher Menge vergeben werden. Dabei hilft eine clevere Auswahl. Die glaubt Bremm gemeinsam mit seinem Management getroffen zu haben. Es geht in den nächsten Wochen nach Kroatien, Norwegen und Finnland.
Das erste große 5000-Meter-Rennen der Saison bestreitet Bremm am 22. Mai beim Gold-Label-Meeting in Zagreb. Anfang Juni steht in Bergen ein Silber-Meeting an, bei dem er die 3000 Meter läuft. Der dritte wichtige internationale Termin sind dann Mitte Juni die Paavo Nurmi Games in Turku, wieder ein Gold-Label-Rennen über 5000 Meter.
Im Idealfall hat sich Bremm dann durch konstant starke Zeiten und gute Platzierungen bereits nachdrücklich als WM-Starter empfohlen. Kommt es so, würde er sich in einem Höhentrainingslager in der Schweiz wieder in Form bringen unter anderem für die Deutsche Meisterschaft Anfang August in Dresden.
Wenige Tage später dürfte dann auch feststehen, wen der DLV zur WM schickt.
„Der Zeitplan in diesem Jahr ist relativ entspannt und so bleibt mir viel Zeit zum Training“, sagt Bremm. Es gab schon andere Jahre, da drängten sich die Termine in den ersten Monaten, mussten viel früher Bestzeiten abgeliefert werden.
Ein deutscher Konkurrent hat schon vorgelegt. Bei einem Diamond-League-Meeting in China lief Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) in einem ausgezeichnet besetzten 5000-Meter-Rennen in 13:05 Minuten auf Platz sechs.
Die Bestzeit von Olympiasieger Ingebrigsten steht bei 12:48 Minuten. Bei der Trainingsgestaltung orientiert sich Bremm am Wunderläufer aus Norwegen. Der erfährt mittlerweile nicht nur wegen seiner sportlicher Erfolge große Aufmerksamkeit, sondern auch als Zeuge bei einem Gerichtsverfahren.
In einem Prozess sieht sich der Vater der Familie Vorwürfen ausgesetzt, seine Kinder in einer von Gewalt und Angst geprägten Atmosphäre erzogen und trainiert zu haben. Auch Jakob Ingebrigtsen erhob schwere Anschuldigungen. „Keine Medaille der Welt würde ich für meine glückliche Kindheit eintauschen wollen“, sagt Florian Bremm.