St. Pauli verliert Klassenkampf - Wolfsburg wahrt Chance | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 16.05.2026 17:32

St. Pauli verliert Klassenkampf - Wolfsburg wahrt Chance

Tor der Hoffnung: Konstantinos Koulierakis (2.v.r.) jubelt über die Wolfsburger Führung.  (Foto: Christian Charisius/dpa)
Tor der Hoffnung: Konstantinos Koulierakis (2.v.r.) jubelt über die Wolfsburger Führung. (Foto: Christian Charisius/dpa)
Tor der Hoffnung: Konstantinos Koulierakis (2.v.r.) jubelt über die Wolfsburger Führung. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Die Bundesliga-Party des FC St. Pauli ist vorerst vorbei, der VfL Wolfsburg darf indes weiter auf Erstklassigkeit hoffen. Zwei Jahre nach dem Aufstieg ins Fußball-Oberhaus verabschiedete sich Kiezclub mit dem 1:3 (0:1) trotz einer phasenweise starken Leistung im Abstiegs-Endspiel gegen die Niedersachsen Richtung 2. Bundesliga. Dagegen retteten sich die Gäste am letzten Spieltag noch in die Relegation. 

Vor 29.546 Zuschauern am ausverkauften Hamburger Millerntor hatte Konstantinos Koulierakis (37.) die Wolfsburger in Führung gebracht. Dem nach der Pause eingewechselten Abdoulie Ceesay (57.) gelang für die Gastgeber noch der Ausgleich. 

Ein Eigentor des bis dahin starken St. Pauli-Torwart Nikola Vasilj (64.) sorgte für die Vorentscheidung. Wolfsburgs Kapitän Christian Eriksen (77.) konnte es sich erlauben, einen Handelfmeter nur an die Latte zu schießen. Dzenan Pejcinovic (80.) setzte für den VfL den Schlusspunkt.

Wolfsburg wartet auf seinen Relegations-Gegner

Das 0:2 (0:2) des 1. FC Heidenheim gegen Mainz 05 hatte keine unmittelbaren Folgen mehr für die Nordclubs. Die Heidenheimer stiegen als Tabellen-17. gemeinsam mit dem FC St. Pauli (18.) ab. Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli waren punktgleich in den letzten Spieltag gegangen. 

In der Saisonverlängerung geht es für den VfL am Donnerstag und Pfingstmontag gegen den Zweitliga-Dritten um den 18. Startplatz der neuen Bundesliga-Spielzeit. Gegner werden entweder die SV Elversberg, Hannover 96 oder der SC Paderborn sein, die am Sonntag punktgleich um den direkten Aufstieg oder die Relegation kämpfen. 

Enttäuschung und Ernüchterung beim FC St. Pauli 

Nach dem Schlusspfiff standen, lagen oder saßen die St. Pauli-Spieler enttäuscht, erschöpft und erschüttert auf dem Rasen. Trainer Alexander Blessin versuchte, sie zu trösten. Die Wolfsburger umarmten sich indes und waren erleichtert, noch eine Chance auf den Klassenverbleib erhalten zu haben.

Dabei hatten die Hamburger lange mitgehalten. Nach 20 Minuten kam die Partie in Fahrt. Beide Teams hatten beste Chancen zur Führung. Auch im zweiten Abschnitt waren die Gastgeber mit dem VfL lange auf Augenhöhe. Erst nach dem 1:3 machte sich Resignation breit. 

An Trainer bis zum Ende festgehalten

So bitter der Abstieg für Trainer Blessin, die Mannschaft und die Fans war, überraschend kam er nicht. Zwar waren die Hamburger in dem Abstiegstriell mit dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Heidenheim nach Punkten gleichauf, doch die Tordifferenz und der Trend sprach gegen sie. Mit der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg blieben sie zum zehnten Mal nacheinander ohne Sieg. Schon in der Hinrunde hatten die Kiezkicker eine Serie von neun Niederlagen erlebt. 

Dass die Verantwortlichen des Clubs um Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann an Trainer Blessin festhielten, war angesichts des sonst üblichen Aktionismus von Bundesliga-Vereinen in vergleichbaren Lagen bemerkenswert. 

Blessin in Vorsaison noch Garant für den Klassenverbleib 

Blessin war es in der Vorsaison immerhin gelungen, mit bescheidenen finanziellen Mitteln den Verein nach dem Aufstieg in der Bundesliga zu halten - erstmals seit 1996. Doch in dieser Saison lief vieles nicht mehr. 

Mit 29 Toren stellte der FC St. Pauli die harmloseste Offensive der Liga. Zwar hatte der Club viele schnelle Spieler für das Umschaltspiel geholt, ein Torjäger war nicht darunter. Im Transferfenster im Winter wurde nicht reagiert. 

Auch war die Abwehr nicht mehr der Garant wie in der Saison 2024/2025. Damals hatten die Hamburger die zweitwenigsten Tore (41) kassiert, diesmal waren es 18 mehr. Dazu kam in der Saison noch Verletzungspech. Zahlreiche Leistungsträger wie Kapitän Jackson Irvine fehlte über mehrere Wochen. 

Kiezclub vor dem Umbruch 

Klar ist, der FC St. Pauli steht nach dem Abstieg vor einem Umbruch. Der Weggang von Blessin wird erwartet. Auch wenn Göttlich vor dem Spiel noch abwiegelte. „Wir haben überhaupt keinerlei andere Signale erhalten und gesendet“, hatte er bei Sky gesagt.Zwei Jahre Abstiegskampf haben aber dem Nachfolger von Aufstiegstrainer Fabian Hürzeler viel abverlangt. „Einen Abstiegskampf mitzuerleben, kostet extrem viel Kraft“, hatte der 52-jährige Blessin vor dem vorletzten Spieltag gesagt. 

Auf dem Arbeitsmarkt Bundesliga werden nach der Saison einige Trainer-Stellen frei. Blessin hat Chancen, eine der Positionen zu ergattern. Schon vor dem Saisonfinale wurde er mit dem VfL Wolfsburg und auch dem FC Augsburg in Verbindung gebracht. 

Leistungsträger werden gehen 

Auch im Kader wird es einen Aderlass geben. Kiez-Helden wie Kapitän Irvine, Torwart Nikola Vasilj, Abwehrchef Hauke Wahl oder der gegen Wolfsburg erkrankt fehlende Defensiv-Allrounder Eric Smith werden kaum noch zu halten sein und haben das Interesse anderer Clubs geweckt. 

Auf Sportchef Bornemann warten herausfordernde Aufgaben in den kommenden Wochen: wahrscheinlich einen neuen Trainer finden, eine neue Mannschaft zusammenstellen - und damit wieder für Partys zu sorgen. Dann allerdings in der 2. Bundesliga.

© dpa-infocom, dpa:260516-930-88352/1


Von dpa
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