Stadt- und Jugendblasorchester Rothenburg startet fulminant in das neue Jahr | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 20.01.2026 08:00

Stadt- und Jugendblasorchester Rothenburg startet fulminant in das neue Jahr

Das Orchester zeigte bei dem Konzert die ganze Bandbreite seines Könnens.  (Foto: Margit Schwandt)
Das Orchester zeigte bei dem Konzert die ganze Bandbreite seines Könnens. (Foto: Margit Schwandt)
Das Orchester zeigte bei dem Konzert die ganze Bandbreite seines Könnens. (Foto: Margit Schwandt)

Mit viel Esprit startete das Stadt- und Jugendblasorchester in das neue Jahr. Die Mehrzweckhalle wurde für einen Abend optisch und akustisch in einen Konzertsaal verwandelt, denn die Reichsstadthalle wird aktuell renoviert. Fast 1000 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten den Weg in die Halle gefunden und sie wurden nicht enttäuscht.

Ganz im Gegenteil. In der Halle war eine große, gut beleuchtete Bühne aufgebaut, auf der das Orchester viel Platz hatte. Ein ausgeklügeltes Lichtkonzept tauchte die Halle in atmosphärisch warme Rot- und Violetttöne und sorgte für ein einzigartiges Raumgefühl. Der Leiter des Orchesters, Jan-Peter Scheurer, hatte sich auf die neue Aufführungssituation eingestellt und ein passendes Programm einstudiert, mit symphonischer Blas- und Filmmusik, dazu Rock- und Popklassiker.

Ein Höhepunkt des Abends war eine Blasorchesterfassung von Andrew Lloyd Webbers „The Phantom of the Opera” mit Balletttänzerinnen der Ballettschule TanzZeit. Charmant, locker-launig und mit viel musikalischer Fachkompetenz moderierte Laura Roeder-Gonzalez den Abend.

Hochmotivierte Musizierende

Mit „Arsenal”, einem Werk des belgischen Komponisten Jan van der Roost, eröffnet Jan-Peter Scheurer das Konzert – hymnenhafte, choralartige Passagen klingen an, doch dann präsentiert sich das Werk voller Energie, kraftvoll, ja majestätisch. Danach wird es gefühlvoll: Sehnsüchtig-schwebende Harmonien laden zum Träumen, öffnen die Gedanken gen Himmel, bei „Beyond the Higher Skies”.

Bravourös meistert das Orchester anschließend die „Toccata for Band”, ein spannungsgeladenes Werk mit zwei kontrastierenden Grundideen. Einem feurigen Allegro steht hier ein getragenes Andante gegenüber. Das Werk ist anspruchsvoll, erfordert hohe Konzentration der Musizierenden. Hier zeigen sie die ganze Breite ihres Könnens, folgen genau den Anweisungen ihres Dirigenten Jan-Peter Scheurer.

Dann ist Tanz-Zeit. Elevinnen wirbeln auf die Bühne, setzen die großen Emotionen wie Liebe, Schmerz und Einsamkeit des Musicals „Phantom der Oper” tänzerisch gekonnt in Szene, zeigen die klassischen Ballettfiguren in traditioneller und moderner Choreografie von Anna Horst und Juliane Ott. Zweimal hatten sie mit dem Stadt- und Jugendblasorchester in der Halle proben können, so Anna Horst. Die Kinder hätten viel Freude an der Inszenierung gehabt, denn sie durften fast 15 Minuten zu live gespielter Musik tanzen, ein besonderes Erlebnis für die jungen Balletteusen.

Verschiedene Stimmungen herausgearbeitet

Die zweite Hälfte des Konzerts widmet sich zunächst zwei Filmmusiken. Wie ein roter Faden läuft der „Raiders March” durch die Indiana-Jones-Selection. Das Orchester lässt die Spannung dieser Abenteuerfilme lebendig werden, arbeitet die unterschiedlichen Stimmungen von geheimnisvoll bis hin zu actiongeladen geschickt heraus und stellt sie kraftvoll und dynamisch dar.

Die Suche nach dem verborgenen Geheimnis rund um den Heiligen Gral fängt „The da Vinci Code” musikalisch ein. Glockentöne erklingen, Hörner und dunkle Bläserklänge gesellen sich dazu. Tief und rätselhaft ist die Musik, selbst wenn Trompeten und Becken mit reichlich Schlagwerk die Stimmung allmählich aufhellen. Es ist einfach großartig, was das Orchester hier auf die Bühne zaubert.

Danach trifft eine feierliche Choralmelodie auf energiegeladene Rock-Rhythmen. Was mit einer wunderbaren Fuge beginnt, gipfelt in einem fulminanten, schlagzeugrockigen Finale. Hier ziehen sich die Gegensätze wahrlich an, verschmelzen zu einem klangvollen großen Ganzen. „The Beatles: Love” ist das Finalstück des Abends. Lichtkegel fahren über das Orchester, das mit sichtlicher Freude die Beatles-Melodien zum Klingen bringt, mal mit gestopften Trompeten und bei „Hey Jude” sogar mit stimmlichem Einsatz. Den großen Applaus haben sich die Musizierenden redlich verdient.

Publikum dankt mit stehenden Ovationen

Selbstverständlich bekommt das Publikum jetzt seine erklatschte Zugabe. Mit „Hey, wir woll'n die Eisbärn sehn” hatte das Orchester mit seinem Leiter Jan-Peter Scheurer noch einmal die Herzen der großen und vor allem kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer erobert. Und so folgte noch eine weitere Zugabe: Der Radetzky-Marsch von Johann Strauß. Stehende Ovationen gab es am Ende für das Orchester und seinen Dirigenten.

Die Besuchenden waren mit der Mehrzweckhalle als Alternative zur Reichsstadthalle durchaus zufrieden, sie überzeugte die meisten sowohl optisch als auch akustisch. Ohne Zuschüsse könne man eine Kulturveranstaltung wie das Konzert zum neuen Jahr nicht stemmen, so Dr. Wolfgang Scheurer. Der Vorsitzende des Orchesters dankte der Stadt, den beiden örtlichen Banken sowie dem Bezirk Mittelfranken und dem Landkreis Ansbach.

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