Tennet-Ausbau: Kann der Wald bei Heilsbronn jetzt doch stehen bleiben? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.07.2024 07:00

Tennet-Ausbau: Kann der Wald bei Heilsbronn jetzt doch stehen bleiben?

Beim alten Umspannwerk Raitersaich gehen die Leitungen am Wald vorbei. Dass für einen neuen Trassenverlauf etwa 30 Hektar Wald gerodet werden, versuchen zahlreiche Akteure zu verhindern. (Archivfoto: Heinz Wraneschitz)
Beim alten Umspannwerk Raitersaich gehen die Leitungen am Wald vorbei. Dass für einen neuen Trassenverlauf etwa 30 Hektar Wald gerodet werden, versuchen zahlreiche Akteure zu verhindern. (Archivfoto: Heinz Wraneschitz)
Beim alten Umspannwerk Raitersaich gehen die Leitungen am Wald vorbei. Dass für einen neuen Trassenverlauf etwa 30 Hektar Wald gerodet werden, versuchen zahlreiche Akteure zu verhindern. (Archivfoto: Heinz Wraneschitz)

Beim zweiten Versuch waren die Initiativen in den Landkreisen Ansbach und Fürth erfolgreich: Der Wirtschaftsausschuss im Bayerischen Landtag forderte vergangenen Donnerstag einstimmig „die Prüfung der Waldüberspannung bei Raitersaich“.

Derselbe Ausschuss hatte Ende 2023 eine erste Petition eines Heilsbronners noch zurückgewiesen, die ebenfalls die Waldrodung für die Zuleitungen zum neuen Umspannwerk im Roßtaler Ortsteil verhindern wollte. Das Umspannwerk (UW) Raitersaich ist eines der größten in Süddeutschland. Hier treffen sich mehrere Höchstspannungs-Drehstromleitungen aus verschiedenen Himmelsrichtungen.

Der Übertragungsnetz-Betreiber (ÜNB) Tennet plant, das UW um etwa 400 Meter nach Westen zu verlagern. Auch die umstrittene neue Juraleitung soll von hier aus in Richtung Ludersheim bei Altdorf andocken. Weil das neue UW Raitersaich weiter vom Ort weg wäre, ist auch die Bürgerschaft grundsätzlich dafür. Doch wegen der künftigen Trassenführung soll etwa 30 Hektar gerade mal 40 Jahre alter Zukunftswald gerodet werden.

Zehn Hektar Wald im Gebiet von Heilsbronn

Insgesamt rund zehn Hektar, die betroffen sind, liegen im Landkreis Ansbach, genauer gesagt im Gemeindegebiet von Heilsbronn. Das geht vielen gegen den Strich – nicht nur den Waldbesitzenden selbst. Nun also der Erfolg für die zweite Petition, eingereicht von Günter Leberer aus Roßtal.

Martin Stümpfig, Landtagsmitglied der Grünen aus Feuchtwangen und im Ausschuss Berichterstatter für diese Petition, erklärt auf Nachfrage aus seiner Sicht deren Erfolg: „Sie ist auf jeden Fall besser formuliert als die erste.“ Im Dezember 2023 hatten die Regierungsfraktionen deren Annahme abgelehnt. Vor Kurzem aber habe der Ausschuss bei einem Fall aus Schwaben ebenfalls für die Annahme einer ähnlichen Petition gestimmt. „Wir konnten CSU und Freie Wähler nun überzeugen“, meint Stümpfig.

Stümpfig erklärte zudem in einer Pressemitteilung, es gebe nun ein breites Bündnis für eine Waldüberspannung: den Landtag, die Kreistage Ansbach und Fürth mit parteiübergreifenden Resolutionen und die Petition, unterschrieben von fast 900 Personen aus den umliegenden Ortschaften: „Ich bin nun sehr zuversichtlich, dass wir hier eine gute Lösung finden können“, erklärte der Landtagsabgeordnete. Ansbachs Landrat Dr. Jürgen Ludwig und die Vorsitzenden der Fraktionen und Wählergruppen im Kreistag hatten bereits gefordert, Alternativen zu prüfen.

Tennet gibt sich inzwischen versöhnlicher

Doch wie wird sich Tennet bei den anstehenden Planungen verhalten? Von ÜNB-Seite heißt es auf Nachfrage zum einstimmigen Landtagsausschuss-Beschluss: „Tennet ist dieser Sachverhalt bekannt. Aktuell befinden wir uns noch in der technischen Prüfung und werden in diesem Zusammenhang auch die Option einer Waldüberspannung betrachten.“

Das hatte vergangenes Jahr noch ganz anders geklungen. Bei einem Infomarkt in Großhabersdorf hatte Ino Kohlmann, der für die Bürgerbeteiligung für die Juraleitung zuständige Tennet-Referent, erklärt: „Wir sagen Nein zur Überspannung. Dann wäre die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben.“

Nun aber gibt sich Tennet vor dem formellen Planfeststellungsverfahren versöhnlicher, schiebt jedoch die endgültige Verantwortung der Regierung von Mittelfranken zu: „Die Genehmigungsbehörde beurteilt auf dieser Grundlage abschließend den Leitungsverlauf.“ Von Bezirksregierungsseite heißt es: „Wir werden als Planfeststellungsbehörde jede Einwendung, auch solche die sich auf Waldüberspannungen beziehen, im Verfahren prüfen und unter Abwägung aller Umstände des Einzelfalles die vorzugswürdige Trassierung festlegen.“

Das Wirtschafts- und Energieministerium hat dafür in seiner Stellungnahme zur Petition den Rahmen gesetzt: Neben dem Schutzstatus für den betroffenen Wald habe die Bezirksregierung „im Rahmen des Verfahrens auch noch weitere Schutzgüter zu berücksichtigen, etwa das Schutzgut Mensch oder das Schutzgut Tier.“ Es bleibt also spannend.


Von Heinz Wraneschitz
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