Es ist heiß, die Luft schlägt einem wie ein nasser Lappen ins Gesicht. Es gibt angenehmere Orte für ein 5000-Meter-Rennen als Tokio im Spätsommer. Das hat vor Florian Bremm schon ein anderer deutscher Spitzenläufer erfahren müssen.
Bei der Weltmeisterschaft 1991 in Tokio war Dieter Baumann am Start. Der Schwabe belegte in 13:28 Minuten Platz vier. Ein Jahr später wurde er Olympiasieger in Barcelona. „Noch Jahre später hat er immer erzählt, dass das WM-Rennen in Japan das schlimmste seiner Karriere war”, berichtet Isabelle Baumann, die ihren Mann damals schon trainierte.
Mittlerweile ist Isabelle Baumann Bundestrainerin Lauf und in dieser Eigenschaft beim Deutschen Leichtathletik-Verband auch für den Colmberger Florian Bremm zuständig. Wie es dem 24-Jährigen bei seiner Premiere bei einer Weltmeisterschaft ergeht, weiß man noch nicht. Es könnte allerdings wieder heiß und feucht werden, wenn es am Freitag, 19. September, mit den Vorläufen losgeht.
„Tokio ist der schlimmste Ort, speziell für Langstreckenläufer”, sagt Baumann also, die ihren Schützling beim Trainingslager in St. Moritz in Augenschein nahm und einen guten Eindruck bekam. „Florian hat eine schöne, stabile Form in diesem Jahr und sich die WM-Qualifikation verdient”. Sein Plus auch in diesem Jahr wieder: der zuverlässige Körper, der den mehrfachen Deutschen Meister relativ problemlos durch die Saison und zu neuen Bestzeiten trug.
„Florian ist robust, hat gute Knochen und traut sich viel zu. Ein ernsthafter, sehr professioneller Athlet”, so Baumann, „dem in manchen Situationen manchmal vielleicht etwas die Lockerheit fehlt.”
Bremm will bei der WM zweimal an den Start gehen. Es dürfte schon eine Herausforderung werden, sich für den Endlauf zu qualifizieren. „Es kommt entscheidend darauf an, wo er sich positioniert, um dann im richtigen Moment in der richtigen Gruppe zu sein”, weiß Baumann.
Dabei dürften wieder die Bedingungen eine Rolle spielen. Sind die schwierig, laut Wettervorhersage der wahrscheinliche Fall, ist das Tempo zunächst wohl verhalten. „Dann traben sie nur an und es werden höllische letzte tausend Meter”, weiß Baumann.
So ein Rennverlauf käme Bremm entgegen, der seiner Tempohärte und Spurtstärke schon manchen Erfolg zu verdanken hatte.
Nach einer langen Reise, die alles in allem fast 24 Stunden dauerte, ist Bremm mittlerweile in Miyazaki, einer Stadt am Meer ganz im Süden des Landes, angekommen. Dort bereiten sich die DLV-Athleten auf ihre Wettbewerbe in der Hauptstadt vor. „So eine Kombi aus Hitze und Luftfeuchtigkeit habe ich noch nie erlebt. Echt heftig”, teilt Bremm mit.