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Veröffentlicht am 30.04.2025 09:00

Trotz Erfolg: Intensiv-Angebot an Ansbachs Jobcenter endet zunächst

Wer in einem Kajak vorwärtskommen will, muss ständig paddeln. In übertragener Weise trifft dies auch auf die Menschen zu, die beim Jobcenter Stadt Ansbach an dem Angebot „Kajak – Coaching für Bedarfsgemeinschaften“ teilnahmen. Für zwei alleinerziehende Mütter zum Beispiel gilt dies. Für beide führte der Weg in Arbeit.

„Kajak beinhaltet die sehr intensive Zusammenarbeit zwischen einem erfahrenen Coach oder einer erfahrenen Coachin im Vorfeld einer Arbeits- oder Ausbildungsplatzaufnahme“, macht Gabriele Lender-Mieke deutlich. Sie ist die Geschäftsführerin des Jobcenters.

„Das heißt, Unterstützung zu geben, aber hauptsächlich auch, das was man selbst aus sich herausholen kann, seine Fähigkeiten und Stärken, zu entdecken und seine Ressourcen zu mobilisieren.“ Das Jobcenter hielt das Angebot mit lediglich einer mehrmonatigen Unterbrechung seit 2016 vor.

Derzeit personell etwas unterbesetzt

Es finanzierten der Europäische Sozialfonds (ESF plus in Bayern) und der Jobcenter-Verwaltungshaushalt. Wie die Chefin darlegt, war es immer sehr erfolgreich. Dennoch gebe es erst einmal eine Pause, denn es lasse sich zumindest nicht nahtlos fortsetzen. Das Jobcenter sei derzeit personell etwas unterbesetzt. Dies ändert sich laut ihren Worten elternzeitbedingt wieder. „Es kann durchaus sein, dass es weitergeht.“

Coachin Michaela Besendörfer, die Integrationsfachkraft im Jobcenter ist, findet: „Durch die intensiven Kontakte lernt man sich ganz anders kennen.“ An Kajak teilzunehmen, sei freiwillig. Daher geschehe die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Mit dem April endet die vierte Kajak-Laufzeit, die im Mai 2023 startete. 75 Personen waren dabei.

Von den 38 Menschen, die das Projekt bis Jahresende 2024 verließen, erreichten gut 68 Prozent ein positives Ergebnis. 21 Personen wurden erwerbstätig – auch selbstständig –, darunter eine in einer geförderten Ausbildung. Vier gingen in weiterführende Deutschkurse, und eine wechselte in eine berufliche Eingliederungsmaßnahme.

Reinigungskraft und Assistentin in der Pathologie

Krystyna Kurilová nahm von Mai 2023 bis April 2024 teil. Sie war allerdings vorher schon in Kajak. Coachin Michaela Besendörfer sei ihr immer zur Seite gestanden – in schwierigeren und leichteren Zeiten, legt die 43-Jährige dar.

Sie ist aus Tschechien und ließ sich dort zur Hotelfachfrau ausbilden. In Deutschland sammelte sie Berufserfahrung und absolvierte Praktika. Heute ist sie in Teilzeit Reinigungskraft und Assistentin bei Sektionen bei der Pathologie Ansbach und bekommt ergänzend Bürgergeld.

„Ich will mehr daraus machen und möchte auch die Ausbildung dazu machen“, betont sie. Von ihren zwei Kindern lebt ihre Tochter (13) bei ihr. Kajak spricht Familien mit Kindern an, wie Michaela Besendörfer sagt. „Vorwiegend sind es alleinerziehende Frauen.“

Gutes Gefühl für die Abschlussprüfungen

Eine 25-jährige Frau, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, hat einen kleinen Jungen (5). Sie begann seinerzeit, sich zur Friseurin ausbilden zu lassen, was sie jedoch nicht abschloss. Anschließend wirkte sie noch in der Zeitarbeit, im Verkauf und in der Gastronomie. „Ich wusste nicht ganz genau, was ich mit mir anfangen möchte“, betont sie.

Sie wurde Mutter, und rechtzeitig vor Ende der Elternzeit stellte sich die Frage, wie es weitergehen soll. Sie entschied sich für Kajak – von Mai bis September 2023. In jenem Monat fing sie eine unterstützte Ausbildung zur Verkäuferin an.

Diese läuft als außerbetriebliche Berufsausbildung (BaE) bei einem Träger. „Da sie als Alleinerziehende ein bisschen Unterstützung braucht, haben wir uns für die BaE entschieden“, schildert Michaela Besendörfer. Ergänzend bekommt die 25-Jährige noch Bürgergeld. Und die nahenden Abschlussprüfungen? Für die hat sie ein gutes Gefühl.

Thema ist das Angebot „Kajak – Coaching für Bedarfsgemeinschaften“. Die Geschäftsführerin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke, tauscht sich mit der ehemaligen Teilnehmerin Krystyna Kurilová und Coachin Michaela Besendörfer aus (von links). (Foto: Oliver Herbst)
Thema ist das Angebot „Kajak – Coaching für Bedarfsgemeinschaften“. Die Geschäftsführerin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke, tauscht sich mit der ehemaligen Teilnehmerin Krystyna Kurilová und Coachin Michaela Besendörfer aus (von links). (Foto: Oliver Herbst)
Thema ist das Angebot „Kajak – Coaching für Bedarfsgemeinschaften“. Die Geschäftsführerin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke, tauscht sich mit der ehemaligen Teilnehmerin Krystyna Kurilová und Coachin Michaela Besendörfer aus (von links). (Foto: Oliver Herbst)

Oliver Herbst
Oliver Herbst
... schreibt seit seinem 16. Lebensjahr für die Fränkische Landeszeitung. In über 30 Jahren lernte er dabei viele Menschen und ihre Geschichten kennen - von Burghaslach bis Mönchsroth und von Windsbach bis Schnelldorf. Seit 2014 gehört er zum Team der Lokalredaktion Ansbach.
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