Bei immer wieder einsetzendem Regen hat US-Präsident Donald Trump den britischen König Charles III. und Königin Camilla auf dem Rasen des Weißen Hauses empfangen. „Was ein wundervoll britischer Tag“, witzelte Trump zu Beginn seiner Ansprache vor allerlei Regierungsvertretern und Militärs. Es sei eine „große Ehre“, das Königspaar zu empfangen.
Trump vermied bei dem offiziellen Auftritt, der in Großbritannien große Beachtung fand, jegliche Spitzen gegen die aktuelle britische Regierung, die er im Verlauf des Iran-Kriegs immer wieder mit dem Vorwurf der mangelnden Unterstützung scharf kritisiert hatte. Stattdessen schien der US-Präsident den königlichen Glanz zu genießen - ähnlich wie bei seinem eigenen Staatsbesuch im Vereinigten Königreich im vergangenen September.
„Wir teilen dieselben Wurzeln, sprechen dieselbe Sprache, teilen dieselben Werte“, sagte der Republikaner. Gemeinsam hätten „unsere Krieger dieselbe außergewöhnliche Zivilisation“ unter dem Schutz der Farben Rot, Weiß und Blau verteidigt. Der königliche Besuch in den USA steht im Zeichen der Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit.
Den britischen König adelte Trump als außergewöhnlichen Mann - und berichtete, dass seine aus Schottland stammende Mutter „verliebt war“ in den jungen Charles. Sie habe die Königsfamilie „wirklich geliebt“, sagte Trump, „ich erinnere mich auch, dass sie ganz klar sagte: „Charles, der junge Charles, er ist so süß.”“
Der jetzt alte Charles lächelte während Trumps Rede immer wieder. Der Staatsbesuch des Monarchen war vor der Abreise als diplomatischer Drahtseilakt bewertet worden. Schon bei der Ankunft hatten König und Königin aber ein erstes Zeichen gesetzt. Camilla, gekleidet ganz in Rosa, trug eine Brosche, die die Flaggen beider Nationen eng miteinander verschlungen zeigt.
Im Vereinigten Königreich, dem die besondere Beziehung zu den USA immer wichtig ist, ist vom schwierigsten Staatsbesuch in der bisherigen Amtszeit des Königs die Rede. Dass Trump großer Fan der Royals und entsprechend positiv gestimmt ist, ist zwar bekannt - der US-Präsident gilt aber eben auch als unberechenbar.
Die ersten eineinhalb Tage gingen zumindest öffentlich ohne besondere Vorkommnisse und Fehltritte zu Ende. Schon am Montag tauschten sich Trump und Charles gut gelaunt aus und posierten mit Melania und Camilla für ein Foto. Da schien über Washington auch die Sonne. Darauf folgten eine traditionell britische Teestunde und eine Gartenparty bei der britischen Botschaft.
Am Dienstag erwartete das Königspaar volles Programm, das von Charles diplomatisches Feingefühl abverlangte. Mit Spannung wurde dabei vor allem die Rede des britischen Monarchen vor dem US-Kongress erwartet. Charles ist erst der zweite Monarch nach seiner Mutter Queen Elizabeth II., dem diese Ehre zuteilwerden soll.
Der König werde die amerikanisch-britische Verbindung als Geschichte der „Versöhnung und Erneuerung“ bezeichnen, berichteten britische Medien vorab. Zudem werde er von „einer der bedeutendsten Allianzen der Menschheitsgeschichte“ sprechen.
Trotz mancher Differenzen in der Vergangenheit hätten die gemeinsamen Traditionen der Verbündeten dazu geführt, dass „unsere beiden Länder immer wieder Wege gefunden haben, zusammenzukommen“, heißt es den Berichten zufolge im Manuskript der Rede. Die Beziehungen in den Bereichen Verteidigung, Nachrichtendienste und Sicherheit würden „nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten gemessen“.
Die Hoffnung im Regierungssitz Downing Street in London ist groß, dass der König vor allem im persönlichen Gespräch mit Trump das Verhältnis der Verbündeten wieder in eine positive Richtung lenken kann. Charles' Staatsbesuch erfolgt zudem inmitten einer tiefen politischen Krise in der Heimat.
Premierminister Keir Starmer, offiziell vom König mit der Regierungsbildung beauftragt, muss sich parteiintern wie extern lauter Kritik erwehren. Im Kern geht es um die Ernennung von Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA, der einst enge Verbindungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein pflegte. Der Epstein-Skandal ist auch bei Trump immer wieder Thema, der US-Präsident weist jegliche Vorwürfe einer Beteiligung an Straftaten zurück.
Am Mittwoch geht es für Charles und Camilla weiter nach New York. Dort wollen die Royals unter anderem Rettungskräfte und Angehörige von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 treffen. Letzte Station der USA-Reise ist Virginia, wo Charles und Camilla mit Vertretern der amerikanischen Ureinwohner zusammentreffen wollen.
Forderungen nach einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer des Missbrauchsskandals um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein wies der Palast im Vorfeld des Staatsbesuchs ab. Charles jüngerer Bruder, Ex-Prinz Andrew (66), war viele Jahre mit Epstein befreundet. Das Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte ihm vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies das stets zurück. Trotzdem einigte er sich mit Giuffre auf einen Berichten zufolge millionenschweren Vergleich.
Ganz ausweichen wird der König dem Thema aber nicht können. Der Bruder Giuffres, Sky Roberts, sagte zuletzt, er und andere Aktivisten wollten während der Rede des Königs im Kongress ganz in der Nähe Präsenz zeigen. Giuffre hatte sich vor einem Jahr das Leben genommen. Roberts hatte den König in einem BBC-Interview eindringlich um ein Treffen gebeten.
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