Kambodscha ist für den Uffenheimer Harald Gräbner mehr als nur ein Land. Es ist ein Sehnsuchtsort und eine alte Heimat, schließlich hat er dort vor knapp 20 Jahren ein Volontariat absolviert und im Anschluss einen Kambodscha-Hilfsverein gegründet. Nach langer Abstinenz schaute sich der 48-Jährige nun mal wieder bei seinen Projekten um.
Gräbners Arbeit als selbstständiger Metallbauer und seine Familiengründung hatten die Prioritäten eben verschoben. Und so kam es, dass der Uffenheimer rund zwölf Jahre nicht mehr persönlich in Südostasien war. Bis zu diesem Jahreswechsel. Denn Mitte Dezember 2025 packte er gleich die ganze Familie in den Flieger – und los ging es, zweieinhalb Wochen auf den etwas anderen Kontinent. Für den 48-Jährigen war das mehr als ein Urlaub, vielmehr eine Reise in die Vergangenheit, zu seinem früheren Ich und endlich wieder zu guten alten Freunden.
Abgebrochen, das betont der Uffenheimer, ist der Kontakt nach Kambodscha nie. Anfangs war die Kommunikation sehr schwierig und eigentlich nur postalisch möglich. Mit dem Durchbruch der Sozialen Medien – und vor allem der Videotelefonat-Funktion von WhatsApp – wurde das leichter, persönlicher, von Angesicht zu Angesicht: trotz einer Luftlinienentfernung von über 9000 Kilometern nach Siem Reap. Dort in der Nähe hatte Harald Gräbner sein Volontariat gemacht und ein wenig abseits der Großstadt, auf dem Land, sind auch die Projekte angesiedelt, die er mit seinem Hilfsverein „arunreah” unterstützt.
Genau genommen teilt sich das Engagement des Uffenheimers in drei Felder ein: Zum einen ermöglicht er Englischklassen in den Schulen. Da in Kambodscha ein Großteil der besser bezahlten Berufe im Tourismus angesiedelt sind, öffnet das seinen Schützlingen das Tor hinein in die Welt des Mittelstandes. Denn viele Kinder, besonders auf dem Land, müssen noch immer auf den Feldern arbeiten. So manche Eltern sehen es nicht ein, auf ihre Arbeitskraft zugunsten der Bildung zu verzichten. Wer in der Schule herausragt, bekommt (auch dank Gräbners Engagement) mit einem Stipendium dann sogar die Chance auf ein Studium.
„Das ist wirklich ganz wichtig, dass sie auf die Uni können”, betont der 48-Jährige. „Die ersten Absolventinnen und Absolventen haben wir wirklich gut unterbekommen.” Und auch eine Englischlehrerin, die „arunreah” für ihren Unterricht bezahlt, hatte so die Gelegenheit, ihre Kenntnisse mit einem Studium weiter zu vertiefen. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Qualität des Unterrichts in der Schule im Dschungel Kambodschas aus – macht die Lehrerin aber auch begehrter bei anderen. „Aber sie bleibt uns seit Jahren treu”, ist der Inititator stolz.
Was die Gräbners bei ihrer Reise sehr überrascht hat, ist der Fortschritt. In den Städten investieren vor allem Chinesen viel Geld, das mache sich nicht zuletzt in der Hochhaus-Dichte bemerkbar, und die ehemals sehr löchrigen Routen seien teilweise wahren Highways gewichen. Auf dem Land aber hat sich nicht so viel getan, mit einer Ausnahme: „Peu à peu kommt nun die Technik auch dort an.” Einen Computerraum gibt es schon, Harald Gräbner würde gerne noch größere Screens anschaffen. Im Unterricht werden den Schülerinnen und Schülern aber jetzt schon die Grundkenntnisse am PC beigebracht. Ein riesiger Fortschritt für die Dorfschule, findet der Uffenheimer.
Trotzdem ist die Lage in Kambodscha angespannt. Ein Konflikt mit Thailand ist im Dezember 2025 erneut entbrannt, in den Grenzgebieten lebt es sich nicht ungefährlich und wer in das Land will, kann das eigentlich nur noch über den Luftweg tun, „die Grenzübergänge sind geschlossen”. Deshalb herrscht auch eine Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes für Kambodscha. Das hat auch die Gräbners über ihre Pläne nachdenken lassen, aber letztlich haben sie sich davon nicht abhalten lassen. Bereut hat die Familie das nie. Schließlich lebt das Land vom Tourismus und ist auf jeden Riel angewiesen.
Das dritte Projekt unter der Federführung von „arunreah” ist ein Mutter-Kind-Programm. Aktuell werden von Kontaktmann Tho Thon und seiner Frau, die Hebamme ist, mehrere Mütter betreut, „die oftmals viel zu früh Kinder bekommen”, sagt Gräbner. „Das liegt mir ganz besonders am Herzen, dass dieses Projekt weiterläuft.” Medizinische Versorgung, gerade von Schwangeren und Müttern kurz nach der Entbindung, sei in Kambodscha auf dem Land schließlich alles andere als selbstverständlich.
Dass es nun mal wieder mit einer Kambodscha-Reise geklappt hat, stimmt Harald Gräbner sehr glücklich. Endlich hat auch der Rest seiner Familie Kontaktmann Thon vor Ort persönlich kennenlernen dürfen, „ich habe vorher schon viel von ihm erzählt”. Der Kambodschaner ist für Gräbner die Überlebensversicherung seiner Projekte, kümmert er sich doch darum, dass das Geld auch wirklich dort ankommt, wo es gebraucht wird.
„Wir konferieren mindestens einmal im Monat und sprechen die Ausgaben durch.” Danach geht Thon mit seiner EC-Karte in Siem Reap an einen der Bankautomaten der Branchengrößen und hebt ab. „Das ist immer noch die günstigste Lösung.” Die Spendensumme vom Verein bleibt einigermaßen stabil, trotzdem ist der Uffenheimer Unternehmer immer auf der Suche nach weiteren Geldgebern. Da es sich um einen gemeinnützigen Verein handelt, können auch Spendenquittungen ausgestellt werden.
Für die Gräbners ging es schließlich noch auf eine Rundreise durch das Land. „Wir haben viele Spots gesehen, vom Dschungel bis zum Strand.” Und an Silvester hat der 48-Jährige am Strand eine Frau aus Nürnberg getroffen, die mit einem Nepalesen verheiratet ist. Ihr Ur-Großvater stammt aus Uffenheim. „Die Welt ist einfach klein”, sagt Gräbner.
Die Reise hat seine Liebe zu Südostasien neu entfacht. Bis zum nächsten Trip dorthin sollen keine zwölf Jahre mehr vergehen. Die Erfahrungen haben Harald Gräbner darin bestätigt, mit seiner Kambodscha-Hilfe „arunreah” weiterzumachen. 600 bis 700 Dollar braucht er monatlich mindestens, um die laufenden Kosten für die Lehrerinnen, die Hebamme, Schulmaterialien, Transportkosten und Strom zu begleichen. Jeder Euro mehr ermöglicht guten Schülerinnen und Schülern ein Studium.
Visionen hat Gräbner noch viele. Die Stipendien ließen sich beliebig ausbauen, ebenso die Englischklassen, für beides gibt es Wartelisten. Und auch die Familienaufklärung, dass Kinder mehr als billige Arbeitskräfte sind, findet der Uffenheimer enorm wichtig. Bis zum nächsten Besuch an der Schule werden sicherlich noch viele Tage vergehen. Aber Harald Gräbner bleibt mit seinen Freunden in Kambodscha in Kontakt. Der nächste Videoanruf ist schon geplant.