Der Verfasser der Schmähschrift, die vor der ersten Runde der Wahl gegen Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe (SPD) verteilt wurde, hat sich für seine Tat öffentlich entschuldigt: Es handelt sich um Rudolf Rupsch, den früheren Stadtbaumeister in Uffenheim. Das genaue Motiv bleibt trotz der öffentlichen Äußerung im Unklaren.
Rupsch hat sich über Facebook mit seinem Klarnamen zu Wort gemeldet. Zuvor waren mehrere Kontaktversuche der FLZ unbeantwortet geblieben. Am Donnerstagvormittag ließ er der Redaktion das Schreiben im Nachgang zukommen. Er übernehme die „alleinige Verantwortung für das Flugblatt”, lässt der frühere Stadtmitarbeiter in seinem Statement wissen. „Ich bedaure, diesen Weg der Kommunikation gewählt zu haben und auch die Art und Weise.”
In dem Papier, das an mehreren öffentlichen Orten in Uffenheim auslag, wurde unter anderem behauptet, Lampe habe in seiner Funktion als Bürgermeister einheimische Betriebe bei der Auftragsvergabe systematisch benachteiligt. Lampe steht am Sonntag in der Stichwahl gegen Thomas Schmitt, den Bürgermeisterkandidaten der Bürgerliste. Pikant: Würde Schmitt zum Bürgermeister gewählt, ist die erste Nachrückerin der Bürgerliste ausgerechnet Daniela Rupsch, Rudolf Rupschs Tochter.
Dieser betont, selbst nicht der Bürgerliste anzugehören, seine Aktion sei mit niemandem der Gruppierung abgestimmt gewesen. Rupsch verweist auf seine lange Tätigkeit bei der Stadt Uffenheim. Er nennt mit Hinweis auf den Schuldenstand Uffenheims – ohne Stadtwerke sind es rund 15 Millionen Euro – den Umgang mit Haushaltsmitteln und Steuergeldern „bedenklich”. Aus seiner Sicht seien öffentliche Bauprojekte zu teuer geworden.
Aus Sicht des früheren Stadtbaumeisters wäre es am sinnvollsten, mit örtlichen Unternehmen zusammenzuarbeiten, um zu hohe Preise zu verhindern. Doch diese seien gar nicht erst angefragt worden, kritisiert Rupsch. Was er nicht erwähnt: Es gibt strenge Vorschriften, ab wann eine Kommune Leistungen öffentlich europaweit ausschreiben muss. Und dann ist die Stadt verpflichtet, dem günstigsten Anbieter den Zuschlag zu erteilen.
Ausdrücklich distanziert sich Rudolf Rupsch in seinem Beitrag von dem Anschlag auf das Auto von Bürgermeister Wolfgang Lampe. An diesem ist nach dem ersten Wahltermin ein Einschussloch festgestellt worden. Damit habe er nichts zu tun. „Ich lehne jegliche Form von Gewalt schlichtweg ab.”
Der Staatsschutz hatte Rudolf Rupsch anhand von Videoaufnahmen identifiziert, die ihn beim Auslegen der Schmähschriften im Vorraum eines Geldinstituts zeigten. Auch die Polizei hatte gegenüber der FLZ betont, dass kein Zusammenhang mit dem Schuss auf das Auto erkennbar sei. Während wegen des Schusses weiter ermittelt wird, ist die Angelegenheit der Schmähschrift an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.