Im Windpark zwischen den Uffenheimer Ortsteilen Welbhausen und Brackenlohr stehen vier Windräder. Bürgermeister Wolfgang Lampe hatte den Bürgern in einer Versammlung versprochen, dass sich kein weiteres Exemplar mehr anschließen wird. Doch genau das soll nun passieren. Der Ortsbeirat sieht darin einen „Vertrauensbruch”.
Ein weiteres Bürgerwindrad soll entstehen –und trotzdem scheint die Stimmung im Dorf gedämpft, wie aus der Debatte zu entnehmen war. Die Nabenhöhe der neuen Windkraftanlage soll 175 Meter, die Gesamthöhe 261 Meter betragen, die Nennleistung 7,2 Megawatt. Mehrere Stadträte betonten, dass sie Windkraft als erneuerbare Energie sehr schätzen, „aber ich sehe die Sache durchaus kritisch”, merkte Wolfgang Barz (SPD) an. „Es ist eine zusätzliche Belastung für die Bürger, auch wenn es am weitesten vom Ort entfernt ist.”
Dafür könnte es sich auf die Adelhöfer-Straßen-Siedlung in Uffenheim und auf Welbhausen negativ auswirken: Andreas Schober (SPD) fürchtet einen „enormen Schattenwurf”. Vize-Bürgermeister Hermann Schuch (FWG), der Amtsinhaber Wolfgang Lampe (SPD) urlaubsbedingt vertrat, verlas zuvor allerdings, dass die empfohlenen Richtwerte in Sachen Schattenwurf „an allen Immissionsorten eingehalten” werden.
Kernpunkt der Diskussion aber war vor allem das angebliche Versprechen des Antragstellers und des Bürgermeisters in der Bürgerversammlung, dass dort kein weiteres Rad entstehen wird. „Es bleibt ein ungutes Gefühl”, fand Andreas Zander (Bürgerliste). „Der Vertrauensverlust ist ein Stück weit erkennbar.” Achim Endreß (CSU) stimmte zu: „Es gab eine klare Äußerung von der Stadt – die sehen wir als absolut bindend.” Und: „Ein Versprechen ist ein Versprechen.”
„Die Ablehnung wäre ein reiner Symbolakt und wird ersetzt”, sagte Barz derweil. Denn das Gebiet ist im Windkraft-Regionalplan des Regionalen Planungsverbands ganz klar enthalten. Der Regionsbeauftragte Dr. Rainer Fugmann hatte bei der Vorstellung im Stadtrat sogar explizit von einem fünften Windrad auf diesem Areal gesprochen. Entsprechend werde das Landratsamt das gemeindliche Einvernehmen mit Sicherheit ersetzen, hieß es. Mehreren Rednern war es trotzdem wichtig, ein Signal zu setzen und gegen das fünfte Windrad zu votieren.
Thomas Schmidt (Bürgerliste) betonte noch einmal, dass Fugmann dies explizit angesprochen habe. Trotzdem sei der Regionalplan vom Stadtrat bei drei Gegenstimmen angenommen worden. „Wir können jetzt das gemeindliche Einvernehmen nicht nicht geben”, fand Schmidt deshalb. Darauf verwies auch Sitzungsleiter Schuch: „Dann hätten wir dem Regionalplan nicht zustimmen sollen.” Nun sei es aus seiner Sicht zu spät, das Verfahren „rechtskräftig”.
Uwe Strebel (Bürgerliste), Ortssprecher aus Welbhausen, fand das Vorgehen trotzdem nicht in Ordnung. Die Stadt hätte dem Ortsbeirat schon deutlich vorher eine Information geben müssen. So sei es nun „unfair”, dass das Versprechen gebrochen werde. „Ich kann so nicht mit der Bevölkerung umgehen.” Schuch allerdings sagte ganz klar, dass Strebel selbst in der Ratssitzung saß, als Rainer Fugmann den Windkraftplan vorstellte.
Bernhard Schurz (SPD) entgegnete, dass das Versprechen aus einer Zeit stamme, in der vom neuen Regionalplan noch nicht die Rede war. Die Vorzeichen hätten sich inzwischen geändert. Mit Blick auf das zustimmende Votum zur Änderung des Kapitels „Windkraft” im Regionalplan sagte Schurz: „Wir hätten da mehr überlegen sollen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, wir werden dieses Windrad nicht verhindern.”
Allerdings machten Schurz und Ewald Geißendörfer (CSU) auch klar, dass derzeit ein weiteres Windrad wenig zielführend sei: „Ich sehe neue Anlagen nicht mehr als sinnvoll an”, betonte der SPD-Mann, „solange wir den Strom nicht wegbekommen.” Zuerst müsse das Umspannwerk umgesetzt werden. Geißendörfer hatte die Befürchtung, dass bei einer Netzüberlastung dann wieder Windräder abgeregelt werden und die Betreiber entschädigt werden. Das wiederum mache den Strom teurer. Geißendörfer: „Das lehne ich ab.”
Schließlich setzten sich die Räte durch, die ein Zeichen setzen wollten: Mit 4:12 Stimmen wurde das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt. Ob das allerdings Wirkung zeigt, wurde ja bereits in der Debatte zuvor angezweifelt. Denn, so Schurz: „Die Entscheidung wird letztlich woanders getroffen.”