Eine anonyme Anzeige wegen einer angeblichen Unterbrechung der Kühlkette bei Waren hat die Aischgründer Tafel „Iss was” beschäftigt und hallt auch noch nach. Darüber informierte die Vorsitzende Brigitte Stuckert in der Jahresversammlung. Nach drei Kontrollen gab es auch Beanstandungen, für die die Ehrenamtlichen kaum Verständnis haben.
„Die Kontrolleure haben etwas gefunden”, betonte Stuckert, „was auch normal ist, weil wir keine Experten sind.” Schließlich arbeite jeder Ausgabehelfer und jede Ausgabehelferin ehrenamtlich und nur die wenigsten haben Erfahrungen aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Aber Stuckert zeigte auch Verständnis für die Kontrolleure: „Die machen auch nur ihre Arbeit, sie müssen bei solchen Anzeigen reagieren.” Trotzdem hinterließen diese unangekündigten Stichproben Verunsicherung.
Christina Ebersberger, Pressesprecherin am Landratsamt, bestätigt diese drei Kontrollen in den vergangenen zwölf Monaten bei der Aischgründer Tafel. Dahinter stehe die Lebensmittelüberwachung (Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung) des Landratsamtes. Lebensmittelrechtliche Kontrollen fänden stets unangekündigt statt, das sei ein ganz normaler Vorgang. Und: „Das Landratsamt geht jeglichen Beschwerden nach, die über das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit oder auch direkt beim Landratsamt eingehen.”
Stuckert ärgerte sich trotzdem ein wenig, „was die von der Tafel erwarten. Wir sind kein gewerblicher Verein.” Nach ihrer Auskunft seien Eierkartons beanstandet worden, die von den Freiwilligen gesammelt wurden, um gewisse Waren, beispielsweise Eier, sicher und problemlos ausgeben zu können. Doch eine solche Zweitnutzung sei nicht rechtens. Weiterer Kritikpunkt: ein Rostfleck auf einem Messer. Das Landratsamt spricht gegenüber unserer Redaktion von „lebensmittelrechtlichen Mängeln, welche zur Beseitigung angeordnet wurden”. Außerdem habe es Aufarbeitungs- und Beratungsgespräche mit den Verantwortlichen gegeben.
„Wir können jedes Mal 200 Euro zahlen oder sie machen uns dicht”, kommentierte Stuckert. „Wir geben Lebensmittel an Bedürftige aus.” Bislang habe man aber keine Strafe zahlen müssen. Bei gröberen Verstößen hätte sie ja durchaus Verständnis, für solche Kleinigkeiten jedoch nicht. „Ich bin dann auch recht laut geworden.” Helferinnen und Helfer seien verunsichert, wieder etwas verkehrt zu machen. „Wir sind Ehrenamtler, wir investieren Zeit, weil es uns gut tut” – und den Bedürftigen noch viel mehr.
Ein Iss-was-Mitglied betonte: „Wir leisten Dienst an der Gesellschaft”, die Aischgründer Tafel betreibe keinen kommerziellen Supermarkt. Aber tatsächlich, bestätigt die Landratsamtssprecherin, mache die Kreisbehörde da keinen Unterschied: „Für den Verein Iss was gelten die üblichen lebensmittelrechtlichen und hygienischen Anforderungen für Lagerung und Ausgabe wie auch beispielsweise für einen Supermarkt”, schreibt Ebersberger dazu auf Nachfrage unserer Redaktion.
Tafel-Vorstandsmitglied Kurt Wening befand: „Wir prüfen pro Woche mehrere 1000 Artikel.” Zuerst müsse das Mindesthaltbarkeitsdatum gefunden, die Artikel auf mögliche Schäden, beispielsweise Sprünge im Joghurtbecher, gecheckt und schließlich freigegeben oder aussortiert werden. Das sei eine Menge Arbeit. „Mit den Auflagen macht man uns mürbe.”
Das Landratsamt habe dazu geraten, mit den Discountern zu sprechen. Diese dürften abgelaufene Lebensmittel eigentlich gar nicht mehr weitergeben. Aber Stuckert und Wening wissen: „Dann bekommen wir keine Lebensmittel mehr.” Denn bei einer Vorab-Sortierung würden die Einzelhandelsvertreter wohl nicht mitspielen, bisweilen wäre das auch aus personellen Gründen kaum möglich. Und schließlich sei es Intention der Tafel, Lebensmittel vor der Tonne zu retten und gleichzeitig Bedürftige zu unterstützen.
Stuckert verwies noch einmal auf die Zahlen. 448 Kunden zählt die Aischgründer Tafel mit ihren vier Ausgabestellen im Landkreis, dröselt man die Familien nach Einzelpersonen auf, wären das 973 Menschen. Mindestens 550 Frauen und Männer davon werden pro Woche versorgt. Ob die sich an einem zweitverwerteten Eierkarton stören? Nicht nur Stuckert bezweifelt das.