Unfall-Kreuzung bei Lichtenau: Die neue Ampel freut und nervt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 11.02.2023 13:36

Unfall-Kreuzung bei Lichtenau: Die neue Ampel freut und nervt

Bei roter Ampel kann die Schlange an der Herpersdorfer Kreuzung schon mal länger werden. (Foto: Jim Albright)
Bei roter Ampel kann die Schlange an der Herpersdorfer Kreuzung schon mal länger werden. (Foto: Jim Albright)
Bei roter Ampel kann die Schlange an der Herpersdorfer Kreuzung schon mal länger werden. (Foto: Jim Albright)

Seit Oktober ist die Ampel an der Herpersdorfer Kreuzung in Betrieb. Nach einem tödlichen Motorradunfall im Juli 2020 waren sich Bürger und Behörden einig: Die Kreuzung muss entschärft werden. Während die Gemeinde Lichtenau für einen Kreisverkehr plädierte, bestand das Staatliche Bauamt auf einer Ampelanlage. Eine erste Bilanz fällt gespalten aus.

Pendler klagt über Ampelschaltung

„Ich arbeite als Nachtwache und überquere die Herpersdorfer Kreuzung zu eher ungewöhnlichen Zeiten“, erzählt der Lichtenauer Martin Purucker und klagt: „An anderen Ampeln funktionieren Vorrangschaltungen wesentlich besser.“

Einmal sei er um 20.10 Uhr von Lichtenau Richtung Bruckberg gefahren, ein anderes Mal gegen 7.45 Uhr. „Auf der ganzen Strecke begegnet mir kein einziges Auto. An der Herpersdorfer Kreuzung darf ich allerdings eine meditative Pause einlegen – warm leuchtet das rote Licht der Ampel“, bemerkt er und bezeichnet die Zwangspause ironisch als „neues Wellness-Angebot für gestresste Autofahrer“, das dazu einlade, „die Hektik des Autofahrens zu vergessen und die Seele baumeln zu lassen“.

Bürgermeister bekommt negatives Feedback

„Viele Bürgerinnen und Bürger geben mir die Rückmeldung, dass sie mit der Ampelanlage eher unzufrieden sind und einen Kreisverkehr als deutlich passender empfunden hätten“, stellt Lichtenaus Bürgermeister Markus Nehmer fest. Er habe sogar von Fällen gehört, in denen „Verkehrsteilnehmer die rote Ampel missachtet haben“. Die Lichtenauer Verwaltung hatte sich für einen Kreisverkehr stark gemacht.

Nehmer bittet das Staatliche Bauamt darum, die Ampelschaltung noch anzupassen, „um lange Wartezeiten oder ein aufstauendes Verkehrsgeschehen zu minimieren“. Sinnvoll wäre nach Ansicht des Bürgermeisters, den Straßenverkehrsteilnehmern, die zuerst an die Ampel fahren, auch im Schaltprozess als erstes die Grünphase einzuräumen.

Dieses Verfahren, wie es auch an der Volkersdorfer Kreuzung in circa 1,5 Kilometer Entfernung praktiziert werde, „wurde von der Bevölkerung bis dato wenig kritisiert“. Auch dort ist das Staatliche Bauamt verantwortlich.

Staatliches Bauamt zieht positive Bilanz

„Wir haben bereits eine positive Rückmeldung eines Verkehrsteilnehmers bekommen, der die Strecke drei bis sechs Mal wöchentlich befährt“, sagt Behördenleiter Heinrich Schmidt. Das Staatliche Bauamt ziehe eine sehr positive erste Bilanz: „Die Errichtung der Lichtsignalanlage trägt wesentlich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei.“

Die Koordination von Rot- und Grünphasen erfolge stets in Abstimmung mit mehreren Beteiligten, informiert er: „Gemeinsam mit der Unfallkommission – Vertreter von Polizei, Verkehrsbehörde und Staatlichem Bauamt – wird besprochen, welche Schaltung für die Lichtsignalanlage auf Grund des Unfallgeschehens sinnvoll ist.“ Anschließend gebe seine Behörde die Planung der Schaltung in Auftrag, final werde diese dann von der Verkehrsbehörde im Landratsamt verkehrsrechtlich angeordnet.

„Die Dauer einer Rot- und Grünphase ist verkehrsabhängig geschaltet“, erklärt der Leitende Baudirektor. „Im ungünstigsten Fall beträgt die längste Wartezeit in der Hauptrichtung zwischen Ansbach-Windsbach beziehungsweise Windsbach-Ansbach 63 Sekunden und in den Nebenrichtungen 78 Sekunden.“ Momentan läuft die Lichtsignalanlage in einem Festzeitprogramm, weil eine Induktionsschleife im Boden defekt ist. „Dies ist der Grund für die langen Wartezeiten.“ Denn normalerweise wird von den Fahrzeugen, die aus den Nebenrichtungen kommen, über die Induktionsschleifen automatisch die Freigabe der Fahrt angefordert.

„Die Signalbaufirma ist informiert und wird das Problem beheben“, verspricht Heinrich Schmidt. Allerdings sind die dafür notwendigen Arbeiten erst bei milderen Temperaturen möglich. Eine grundsätzliche Änderung der Betriebszeiten müsse noch mit Polizei und Verkehrsbehörde geprüft werden.

Polizei hofft auf weniger schwere Unfälle

„Ob die Ampel die Verkehrssituation entschärft, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, sagt Roland Schiefer, Chef der Polizeiinspektion Heilsbronn. Im Jahr 2022 sei kein Unfall mehr im Kreuzungsbereich gemeldet worden, auch nicht in den neun Monaten, bevor die Ampel ihren Betrieb aufgenommen habe. Deshalb könne man nicht unbedingt den Schluss ziehen, dass die Ampel bereits jetzt dazu beigetragen habe, die Sicherheit an der Stelle zu erhöhen.

Persönlich ist Schiefer aber sicher, dass es richtig war, zu handeln. „Ich bin der Überzeugung, dass das viele schwere Unfälle verhindert“, meint er. „Ob man das Ganze – wie ursprünglich von der Gemeinde gewünscht – als Kreisverkehr oder als Ampel hat, ist zweitrangig, glaube ich. Wichtig ist, dass man an der Kreuzung was gemacht hat.“

Und die höhere Sicherheit ist es wert, auch mal zu warten, findet er. „Dann bleib’ ich halt eine halbe Minute länger stehen, es hilft ja nichts. Wenn was passiert, sagt man immer: ,Wie lang wollt ihr noch zuschauen?‘“


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
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