Vier Brände in drei Tagen: Ist im Landkreis ein Feuerteufel unterwegs? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.12.2024 11:36

Vier Brände in drei Tagen: Ist im Landkreis ein Feuerteufel unterwegs?

Das Feuer im Baudenbacher Ortsteil Höfen wirkte lange nach. Bis Montagabend, also knapp zwei Tage lang, mussten Kräfte der Baudenbacher Feuerwehr in Gruppen Brandwache halten. (Foto: Rainer Weiskirchen)
Das Feuer im Baudenbacher Ortsteil Höfen wirkte lange nach. Bis Montagabend, also knapp zwei Tage lang, mussten Kräfte der Baudenbacher Feuerwehr in Gruppen Brandwache halten. (Foto: Rainer Weiskirchen)
Das Feuer im Baudenbacher Ortsteil Höfen wirkte lange nach. Bis Montagabend, also knapp zwei Tage lang, mussten Kräfte der Baudenbacher Feuerwehr in Gruppen Brandwache halten. (Foto: Rainer Weiskirchen)

Treibt im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ein Feuerteufel sein Unwesen? Der Verdacht liegt nahe: Am Montagabend mussten Feuerwehren im Landkreis zum vierten Mal innerhalb von nur drei Tagen mit einem Großaufgebot zu einem Brand ausrücken, diesmal nach Ulsenheim. Zufall oder Feuerteufel? Die Polizei kann beruhigen, außer in einem Fall.

Am frühen Samstagmorgen wurde in Neustadt ein Kinderwagen im Flur eines Mehrfamilienhauses angezündet. Am Samstagabend sorgte ein Dachstuhlbrand im Baudenbacher Ortsteil Höfen für einen großen Einsatz, der sich noch bis Montagabend hinzog. Am Sonntagabend musste die Feuerwehr einmal mehr zu einer Gartenhütte samt Sauna nach Markt Erlbach-Mettelaurach ausrücken. Am Montagabend rief Heu in Flammen im Markt Nordheimer Ortsteil Ulsenheim die Einsatzkräfte auf den Plan. So viele Zwischenfälle in so kurzer Zeit? Kann das noch Zufall sein? Ja, sagen das Polizeipräsidium Mittelfranken und Kreisfeuerwehrsprecher Rainer Weiskirchen.

„Der einzige Feuerteufel, der tatsächlich unterwegs ist, hat offensichtlich einen Kinderwagen angezündet“, sagt Polizeisprecher Michael Petzold auf Nachfrage. Beim Brand am Samstag gegen 5.30 Uhr nahe dem Neustädter Marktplatz, als die Feuerwehr mehrere Bewohner mit der Drehleiter retten musste, wurde nach aktuellem Kenntnisstand mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nachgeholfen. „Da ist kein Strom, da ist nix im Flur“, sagt Petzold, was als mögliche Feuerquelle in Betracht gezogen werden könnte. „Da ist die eine oder andere Bar in der Nähe, die zu der Zeit gerade geschlossen hat.“

War es ein Streich von Betrunkenen?

Entsprechend sucht die Polizei Zeugen, möglicherweise können auch Nachtschwärmer Hinweise geben, womöglich auf eine oder mehrere Personen, die in ein Haus an der Würzburger Straße/Ecke Marktplatz abgebogen sind. Ob es ein dummer Streich von Betrunkenen war oder doch eine persönliche Geschichte dahintersteht? Petzold kann und will das nicht kommentieren, „solange wir nicht wissen, wer es war“. Hinweise sind rund um die Uhr an das mittelfränkische Polizeipräsidium unter der Nummer Telefon 0911/21123333 möglich.

Im Baudenbacher Ortsteil Höfen gestalteten sich die Ermittlungen der Ansbacher Kriminalpolizei schwierig, wie Polizeisprecher Christian Seiler auf Nachfrage berichtete. „Es hat am Montag noch immer teilweise gebrannt.“ Die Erfahrungsberichte der Kripo-Kollegen seien durchaus heftig gewesen. Für die Untersuchungen habe ein Bagger mit Greifarm das Heu verteilt, zahlreiche Glutnester flammten wieder auf.

Zwei Tage Brandwache gehalten

Wie Kreisfeuerwehrsprecher Rainer Weiskirchen hierzu am Dienstag im Redaktionsgespräch erläutert, waren Kräfte der Baudenbacher Feuerwehr seit Samstagabend bis zum Montagabend in wechselnden Gruppen im Dauereinsatz, um Brandwache zu halten und aufkeimendes Feuer abzulöschen. Ehrenamtlich. „Wenn die Glutnester Sauerstoff bekommen, flammt das sofort wieder auf.“

Entsprechend haben die Feuerwehr-Einsatzkräfte nach Angaben von Rainer Weiskirchen die Kripo-Ermittlungen engmaschig begleitet und mussten mehrmals eingreifen. Am Dienstagnachmittag wollen die Brandermittler dann noch einmal vor Ort kommen – in der Hoffnung, die Brandursache endgültig zu klären.

Am Montagabend gegen 20.40 Uhr schrillten dann im Westen des Landkreises die Sirenen. Wie Kreisfeuerwehrsprecher Rainer Weiskirchen auf Nachfrage mitteilte, alarmierte die Integrierte Leitstelle Ansbach zu einem Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens im Nordheimer Ortsteil Ulsenheim die Feuerwehren aus Ulsenheim, Herbolzheim, Uffenheim, Seenheim und Weigenheim. Insgesamt waren laut Weiskirchen rund 120 Einsatzkräfte vor Ort.

Dauereinsatz über Tage: „Hut ab!”

Ursache war hier wohl heiße Asche in einem Mülleimer. Die Hitze löste mutmaßlich das Feuer aus. Damit gibt es nur im Neustädter Fall sehr konkrete Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung. Die restlichen Teile der Feuer-Serie im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim dürften also tatsächlich purer Zufall sein. Ein großer Dank geht in den Sozialen Medien an die Feuerwehrkräfte. Kreisbrandinspektor Florian Sacher schreibt dort etwa: „Hut ab von den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt an der Aisch, die seit Tagen im Dauereinsatz ist.“

Denn neben den Bränden ereigneten sich auch noch mehrere Unfälle. So war die Uffenheimer Feuerwehr am Montag beispielsweise zuerst auf der B13 und dann beim Brand Ulsenheim im ehrenamtlichen Einsatz.

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