Wann geht es für den gestrandeten Wal Richtung offenes Meer? Ob der Buckelwal am Sonntag transportiert werden kann, ist zunächst noch offen. Dem Wal solle die für den Transport benötigte Plane vorgelegt werden, wie ein Teammitglied der privat finanzierten Rettungsaktion am Morgen der Deutschen Presse-Agentur in Kirchdorf sagte. Dann müsse man sehen, wie er darauf reagiere.
Am Vormittag hatten sich Mitglieder des Rettungsteams im Hafen länger mit den Behörden und der DLRG besprochen. Zum Zeitplan hält sich die private Initiative bereits seit Tagen eher bedeckt – nach eigenen Angaben auch, um den Druck von außen auf das Team nicht zu erhöhen. Es sind deshalb weder Details zum Zeitplan noch zu den konkreten Arbeiten auf der Plattform bekannt.
Der Wal selbst lag am Vormittag weitgehend bewegungslos in der Bucht, in der das Wasser in seiner Nähe etwa brusthoch ist. Am frühen Morgen war er ein wenig aktiver und bewegte seine Schwanzflosse so, dass sie außerhalb des Wassers zu sehen war.
Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal waren DLRG-Boote unterwegs, die auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort sind. Insgesamt sind fünf DLRG-Boote und ein Jet-Ski am Hafen von Kirchdorf und etwa 20 DLRG-Kräfte rund um den Buckelwal im Einsatz.
Die Rettungsaktion wird von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. In der „Bild“-Zeitung sagte Gunz, dass die Aktion, ihn in die richtige Richtung zu bewegen, am Sonntag beginnen soll. „Wir hoffen sehr, dass er wie bisher gut mitmacht und erkennt, dass wir ihm helfen wollen.“
Am Samstag hatte eine der Tierärztinnen, die für die Initiative den Wal betreut und äußerlich untersucht hat, erklärt, dass das Tier eine reelle Chance habe. Die Situation sei schwierig, sagte die Veterinärin Janine Bahr-van Gemmert, die auf Föhr ein Robbenzentrum leitet, bei einer Pressekonferenz im Hafen von Kirchdorf.
Kritik von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Aktion wies Bahr-van Gemmert zurück: „Diese Leute haben diesen Wal ja nicht gesehen. Wir haben ihn vor Ort gesehen.“
Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde.
Bahr-van Gemmert und der Rest des Teams sind jedoch überzeugt: „Wir machen das Beste für den Wal.“ Helfer hatten unter anderem versucht, das Maul des Tieres zu kontrollieren. „Es sollte geguckt werden, ob noch ein Stück Netz in den Barten ist“, sagte die Tierärztin weiter. Das sei jedoch nicht gelungen. Außerdem legten sie wieder schützende Decken mit Zinksalbe auf die geschädigte Haut des geschwächten Tieres.
Die Aktion wird vom Umweltministerium beobachtet und eng mit Behördenvertretern abgestimmt. Geplant ist, dass unter den Wal eine zwischen Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigte Plane geführt wird. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden.
Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch.
© dpa-infocom, dpa:260419-930-963499/4