Wenn Europas Schwergewichte wie FC Bayern München, Liverpool oder Manchester City gleichzeitig anklopfen, geht es normalerweise um Weltstars vom Kaliber eines Lamine Yamal, Erling Haaland oder Harry Kane. Dass sich die Fußball-Elite plötzlich für einen schmächtigen Teenager interessiert, der noch nie in einer der fünf Top-Ligen spielte und erst 17 Zweitliga-Einsätze absolviert hat, überrascht. Oder doch nicht?
Kennet Eichhorn ist das Ausnahmetalent, das halb Europa jagt. 16 Jahre, Rekordbrecher und im Dienste von Hertha BSC - noch. Denn ein Wechsel wird angesichts der finanzstarken Buhler immer wahrscheinlicher. „Wir mögen ihn wie viele andere Vereine auch“, sagte Borussia Dortmund Sportdirektor Ole Book zuletzt und startete damit das öffentliche Wettrennen.
Dank einer Klausel kann das Mittelfeld-Juwel die Berliner in diesem Sommer verlassen. Medienberichten zufolge winken dem klammen Hauptstadt-Club zehn bis zwölf Millionen Euro. „Wir würden Kenny Eichhorn gerne bei uns behalten, natürlich gibt es aber für einen Club wie Hertha Schmerzgrenzen, an denen wir nicht mehr Nein sagen können“, sagte Geschäftsführer Peter Görlich. Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, soll die Klausel in wenigen Wochen ablaufen. Der Poker dürfte sich also schnell zuspitzen.
Hoffnungsvoll klingen die Aussagen in Berlin schon lange nicht mehr. Jedem ist klar: Eichhorn ist in diesem Sommer weg. Die Liste der potenziellen Vereine ist lang. „Wenn du Kenny Eichhorn siehst – und der FC Bayern würde sich damit nicht beschäftigen –, dann würden wir unseren Job nicht machen“, erklärte Münchens Sportvorstand Max Eberl. Auch Real Madrid und RB Leipzig sollen Interesse zeigen.
Zuletzt kristallisierte sich laut Sky zunächst Manchester City als wahrscheinlichste Option für den deutschen U17-Nationalspieler heraus. Dem Bericht zufolge planen die Cityzens, Eichhorn zu verpflichten und ihn anschließend für ein Jahr an Bayer Leverkusen zu verleihen. Im Vorjahr wechselte schon Herthas Top-Talent Ibrahim Maza zur Werkself.
Nun soll im FC Liverpool ein weiterer Topclub ins Rennen eingestiegen sein. Berichten zufolge haben bereits Gespräche stattgefunden. Allerdings macht das FIFA-Regelwerk einen Wechsel fast unmöglich. Seit dem Brexit gehört England nicht mehr zur EU, wodurch die Ausnahmeregelung für Jugendtransfers innerhalb des Staatenverbundes nicht mehr greift.
Ein internationaler Wechsel wäre daher grundsätzlich erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres möglich. Eine Ausnahme könnte etwa dann gelten, wenn Eichhorns Eltern aus Gründen, die nichts mit dem Fußball zu tun haben, nach England ziehen würden.
Wohl jeder andere Profi, der im Schüleralter so viel Beachtung findet, wäre mit Zukunftsfragen bombardiert worden. Welcher Club reizt dich am meisten? Wie fühlt es sich an, mit nur 16 Jahren so umworben zu werden? Bei Eichhorn bleiben diese Fragen bislang unbeantwortet – bewusst. Hertha schützt den Teenager so gut es geht. „Nein“, antwortete der Jungstar zuletzt in den Berliner Katakomben auf die Frage, ob er inzwischen Interviews geben dürfe.
Eichhorn liefert lieber Antworten auf dem Platz - und die sind offenbar überzeugend genug. Irritierend reif und erwachsen erarbeitete er sich schnell einen Stammplatz bei der Hertha - schrieb als jüngster Zweitliga-Profi und -Torschütze Geschichte. In vielen Phasen diktierte der schmächtige Teenie das Tempo, drückte seine Gegenspieler in Zweikämpfen weg und beeindruckte mit einer herausragenden Entscheidungsfindung.
„Der Mini-Kroos“ titelte die spanische „Marca“ und verglich Eichhorn aufgrund seiner Position und seines Spielstils mit 2014er-Weltmeister Toni Kroos.
„Welche Superlative wollen wir noch für den Jungen finden? Wenn du mit 16 Jahren in dieser Liga spielst wie ein gestandener Zweitliga-Spieler, auch physisch dort mithalten kannst, dann sagt das alles aus. Er wird eine großartige Karriere vor sich haben. Ich hoffe noch ein Jahr für uns“, sagte Stefan Leitl zuletzt. BVB-Coach Niko Kovac bezeichnete Eichhorn im „Phrasenmäher“-Podcast als „die Zukunft des deutschen Fußballs.“
Hertha setzt auf das Argument „Spielzeit“, um Eichhorn von einem Verbleib zu überzeugen. Stammspieler wie in der Hauptstadt wäre der Jungstar in Dortmund oder Leverkusen freilich nicht. „Das ist das, was wir in die Wagschale werfen können. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um ihn zu überzeugen, noch ein Jahr hierzubleiben“, erklärte Sportdirektor Benjamin Weber. Doch die Chancen schwinden. Zu lukrativ sind die Angebote.
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