Noch einmal zum Papst, an die Ostsee oder auf die eigene Hochzeit: Viele Todkranke haben einen letzten Wunsch. Diesen zu erfüllen, das haben sich die Ehrenamtlichen rund um den Wünschewagen des ASB als Ziel gesetzt. Weil die Uehlfelderin Karin Neumeister diesen Einsatz so schätzt, hat sie eine besondere Spendenaktion gestartet.
Karin Neumeister erlebte vor einiger Zeit ihren 70. Geburtstag. Da stellte sich die Frage der Fragen: Wie soll das Fest zum Runden ausfallen? „Wir haben eigentlich ab dem Dreißigsten alle runden Geburtstage gefeiert.“ Doch diesmal war alles ein bisschen anders: Die Uehlfelderin musste zuvor das Leben kennenlernen, hatte gesundheitliche Probleme, Spätfolgen einer Corona-Infektion. Und: „Meine Eltern sind früh verstorben und haben ihren 70. nicht erleben dürfen. Da kommst du schon ins Grübeln.“
Mittlerweile ist Karin Neumeister wieder fit – und auch das veranlasste sie dazu, eine große Fete zu schmeißen. Als dann die ersten Geschenkwunsch-Anfragen kamen, fragte sich die Seniorin: „Was brauche ich eigentlich?“ Die Antwort: „Eigentlich nichts außer Gesundheit und Freunde.“ Beides hat sie. Und so bat sie ihre Gäste um eine Spende für den guten Zweck.
Über einen Zeitungsbericht wurde Neumeister auf den Wünschewagen aufmerksam. Und dann hat sie beim Essengehen in Gerhardshofen auch noch zufällig die vielen Helferinnen und Helfer kennengelernt. Eine davon, Beatrice König, wohnt bei ihr in Uehlfeld direkt um die Ecke. „Die frag ich mal“, habe sie sich gedacht. Das tat sie und fand ihren Spendenzweck.
Generell herrschen Berührungsängste mit dem Tod, „das verdrängen viele“. Genau das findet Neumeister nicht richtig. Robert Griebl, Wünschewagen-Koordinator für Mittelfranken, bestätigt das: „Viele Anfragen kommen zu spät.“ Die Angehörigen trauten sich nicht früher, „da ist eine große Scheu da. Man braucht nur eine lebensverkürzende Diagnose, um Anspruch auf den Wünschewagen zu haben“.
Der Lindener (Markt Erlbach) und die Uehlfelderin Beatrice König sind Teil des Teams und haben schon so manchen letzten Traum erfüllt. Möglich sind alle Ziele, die mit dem speziellen Kleinbus, der mit Sauerstoff und viel medizinischer Ausrüstung ausgestattet ist, innerhalb eines Tages erreichbar sind. „Zuletzt waren wir am Balaton in Ungarn oder auf Langeoog“, erzählt Griebl, aktuell flatterte noch eine Anfrage für eine Tschechien-Fahrt ins Haus. Begleitet werden die Touren ehrenamtlich von Fachpersonal in deren Freizeit und meist von Angehörigen.
Eines steht fest, wie Griebl betont: „Viele Wunschfahrten kosten viel Geld“, weil teils noch Übernachtungen mit anfallen. Hubschrauberflug, Ballonfahrt: „4000 Euro und mehr sind keine Seltenheit.“ Der Wünschewagen ist in Franken und der Oberpfalz unterwegs, bald bekommen die Helferinnen und Helfer ein zweites Fahrzeug. Das ist angesichts des großen Gebiets, in dem über 5,3 Millionen Menschen leben, auch dringend nötig. Ein Auto steht in Herzogenaurach, das zweite dann in Kronach.
Über 120 Wunscherfüller sind aktuell ehrenamtlich aktiv, 293 Fahrten wurden bereits erfolgreich veranstaltet. Die Herzensangelegenheiten sind dabei sehr verschieden – „nicht jeder will zum FC Bayern, nicht jeder will zum Club, nicht jeder zu den Wildecker Herzbuben und nicht jeder zu Helene Fischer“.
Koordinator Griebl berichtet von einem neunmonatigen Kind mit Herzfehler, das vor seinem Tod noch einmal sein Kinderzimmer sehen wollte. Eine Frau haben die Wunscherfüller zur eigenen Hochzeit gefahren, der Wünschewagen wurde geschmückt, die Party ging länger. Viele Anfragen drehen sich darum, dass die Todkranken noch einmal nach Hause, zum Grab eines wichtigen Menschen oder zur Verwandtschaft wollen.
Beatrice König berichtet von einem Fall aus dem Landkreis. Die Wünschewagen-Crew hat für eine Sterbenskranke ein Grillfest organisiert – mit Familie und Freunden. Sie war so begeistert, dass sie sich am Ende eine Urne in Blau mit weißen Sternchen gewünscht hat, „wie der Wünschewagen“, sagt König. Entstanden ist auch ein Fotoalbum – die letzten Erinnerungen an die inzwischen Verstorbene.
Robert Griebl hat bei seinen Fahrten zweierlei Erfahrungen gemacht: So mancher stirbt nach der Wunscherfüllung sehr schnell, weil er loslassen konnte. Andere entwickeln hingegen wieder ungeahnte Kräfte und schöpfen neuen Lebensmut. „Manche blühen wieder auf“ und leben dann auch noch längere Zeit. Einige, die ihr Palliativzimmer verlassen dürfen, sagen: „Ich lebe so lange, bis ich sterbe und ich warte nicht auf den Tod“, erzählt Griebl. Die neu entdeckte Freude am Leben.
Karin Neumeister hat für solche Projekte an ihrem Geburtstag Geld gesammelt – eine eigene Wünschewagen-Spendenbox hat sie gebastelt und sogar lackiert. 800 Euro waren letztlich darin. Als ein Nachbar davon erfuhr, legte er noch etwas drauf. „Ich war total geflasht“, sagt die 70-jährige Uehlfelderin, die selbst noch einen Teil dazugab. So kamen 1100 Euro zusammen. Als Dank besuchten die beiden Wünschewagen-Vertreter Neumeister und berichteten von ihren Erfahrungen. Auch eine Urkunde bekam sie. Eines steht fest: Nachahmung dringend empfohlen.