Wieder Zugunglück in Spanien - Banges Warten auf Gewissheit | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 21.01.2026 00:12, aktualisiert am 21.01.2026 14:16

Wieder Zugunglück in Spanien - Banges Warten auf Gewissheit

In Adamuz wurden bereits 43 Leichen geborgen. (Archivbild) (Foto: Manu Fernandez/AP/dpa)
In Adamuz wurden bereits 43 Leichen geborgen. (Archivbild) (Foto: Manu Fernandez/AP/dpa)
In Adamuz wurden bereits 43 Leichen geborgen. (Archivbild) (Foto: Manu Fernandez/AP/dpa)

Nur gut zwei Tage nach dem verheerenden Zugunglück mit mindestens 43 Todesopfern im Süden Spaniens erschüttert ein neuer tödlicher Unfall das Land. In Katalonien stürzte am Dienstagabend eine Stützmauer nahe Gelida östlich von Barcelona während eines heftigen Sturms auf die Gleise und traf dabei einen Nahverkehrszug. Einer der Lokführer, ein 28-Jähriger, der noch in der Lernphase war, kam dabei ums Leben. 37 Passagiere wurden laut Rettungsdienst verletzt, 5 davon schwer.

Erst am Sonntagabend waren im beliebten Urlaubsland beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Ortschaft Adamuz in der Provinz Córdoba mindestens 43 Menschen ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden. Nach amtlichen Angaben wurden zuletzt neun Verletzte auf Intensivstationen behandelt. Keiner von ihnen schwebt mehr in Lebensgefahr.

Die Identität der Toten von Adamuz wurde von den Behörden immer noch nicht bekanntgegeben. Auch wenn Medien bereits die Namen zahlreicher Opfer enthüllt haben, warten zahlreiche Angehörige von Vermissten weiterhin verzweifelt auf offizielle Angaben zu Toten.

Viele beklagen fehlende Informationen. Die junge Maria del Mar beschwerte sich im Fernsehen: „Mein Bruder Agustín hat im Café-Waggon gearbeitet. Er hatte Uniform an. Es ist doch nicht normal, dass wir noch keine Informationen über ihn haben“. Osiris vermisst ihren Ehemann Víctor und hofft auf ein Wunder: „Die Verzweiflung ist riesig. Aber ich sage mir, vielleicht lebt er noch und liegt schwer verletzt irgendwo, wurde nur noch nicht gefunden.“

Wohl auch Deutsche unter den Opfern

Die Behörden weisen derweil auf die schwierige Identifizierung hin wegen des Zustandes vieler Opfer. Sie baten Familien um DNA-Proben sowie auch um andere Hinweise, die nützlich sein könnten, wie etwa auch Informationen über Tätowierungen. Der TV-Sender RTVE berichtete unter Berufung auf das Gerichtsmedizinische Institut in Córdoba, 25 Todesopfer seien bereits anhand der Fingerabdrücke identifiziert worden.

Amtliche Informationen dazu lagen zunächst jedoch nicht vor. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin gibt es auch deutsche Opfer. Unklar blieb zunächst, ob es sich um Tote oder Verletzte handelt.

Auch die Ursache der Katastrophe ist noch unklar. Der andalusische Gesundheitsminister Antonio Sanz sagte vor Journalisten, man dürfe davon ausgehen, dass die Zahl der Todesopfer nicht mehr deutlich ansteigen werde.

Debatte über Sicherheit auf der Schiene

Die Zahl der geborgenen Leichen komme jener der seit dem Unfall insgesamt eingegangenen Vermisstenanzeigen (43) sehr nahe, hatte er gesagt, als die offizielle Zahl der Todesopfer noch bei 42 lag. Deshalb sei man optimistisch. Die Behörden wollten aber nicht ausschließen, dass in den Waggon-Trümmern noch Leichen liegen könnten. Die Einsatzkräfte entdeckten am frühen Mittwochnachmittag die 43. Leiche.

Bereits der erste Unfall hatte eine Debatte über die Sicherheit auf der Schiene ausgelöst, das neue Unglück hat die Diskussion noch einmal verstärkt. Laut Medien lösten die Unfälle Ängste vor Zugfahrten aus. Sehr viele Buchungen seien nach dem ersten Unfall storniert worden, hieß es. Zahlen gab es zunächst nicht, dafür Berichte über halbleere Züge. 

Aber nicht nur Fahrgäste machen sich Sorgen. Die Gewerkschaft der Lokführer kündigte einen Generalstreik an und forderte, dass „die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Netzes gewährleistet werden“. Die „Häufung tödlicher Unfälle“ habe „unter den Lokführern eine starke emotionale Belastung ausgelöst“, hieß es.

Minister schließt Sabotage aus

Der katalanische Nah- und Regionalzugverkehr wurde nach dem Unfall vom Dienstagabend mindestens bis Mittwochnachmittag ausgesetzt, um die durch das Unwetter beschädigte Infrastruktur zu prüfen. Bereits am Dienstag hatte der spanische Schienennetzbetreiber Adif die Höchstgeschwindigkeit für Züge, die normalerweise mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde und mehr unterwegs sind, auf einem Teilstück der wichtigsten Verbindung des Landes zwischen Madrid und Barcelona auf 160 Kilometer pro Stunde beschränkt. Zugführer hätten von Unebenheiten in den Schienen berichtet, teilte Adif mit.

Unterdessen wurde an der Unglücksstelle in Adamuz die Suche nach möglichen weiteren Opfern fortgesetzt. Dabei würden vor allem die Trümmer zweier Waggons durchsucht, die beim Unfall eine vier Meter hohe Böschung hinuntergestürzt und dabei völlig zerstört worden waren.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska schloss inzwischen Sabotage als Ursache der Tragödie aus. Es sei aber noch zu früh, um über die Ursache zu spekulieren. Man sei noch in der Phase der Informationsgewinnung. Laut Medien schließen die Behörden einen Gleisschaden oder einen Fehler an einem der Züge nicht aus. Aber alle technischen Hypothesen seien offen, hieß es.

© dpa-infocom, dpa:260120-930-573616/7


Von dpa
north