Wohnungssuchende benötigen gerade in Ballungszentren oft viel Geduld und Glück. Wer unter Druck steht, greift da nach jedem Strohhalm. Das nutzen Betrüger oder unseriöse Inserenten gerne aus. Sie haben Maschen und Methoden entwickelt, um Suchende hereinzulegen. Allein das Landeskriminalamt Niedersachsen zum Beispiel registrierte 2024 Wohnungsbetrügereien im niedrigen dreistelligen Bereich.
Häufig sind organisierte Tätergruppen am Werk. Entweder zielen sie direkt aufs Geld der Wohnungssuchenden, indem sie Vorkasse für angebliche Kautionen und Schlüsselpfand verlangen. Oder sie versuchen, an sensible Angaben wie Personalausweis- und Kontodaten zu kommen. Diese werden dann für andere kriminelle Geschäfte missbraucht.
Die folgenden 7 Maschen sollten Sie kennen, um sich vor den Betrügern schützen zu können.
Soziale Netzwerke werden auch gerne für die Suche nach einer neuen Bleibe genutzt. Denn hier lassen sich viele Menschen gleichzeitig erreichen und Informationen über Angebote schnell austauschen.
Der Haken: Das wissen unseriöse Anbieter. Sie schicken Nachrichten wie „Nachmieter gesucht“ herum und versprechen, Anfragen direkt an den Vermieter weiterzuleiten. Interessenten sollen dazu zum Beispiel bereits vorab die Kaution überweisen oder ein entsprechendes Konto anlegen. Die passenden Daten werden gleich mitgeschickt.
„Alles vorgetäuscht“, erklärt Hans-Joachim Henschel vom Landeskriminalamt Niedersachsen. Seiner Erfahrung nach werden bei solchen Offerten weder Nachmietende gesucht, noch existiert die angepriesene Wohnung überhaupt. Die Betrüger arbeiten mit Angaben, die sie erfunden, aus echten Inseraten geklaut oder aus verschiedenen realen Angeboten komponiert haben.
Henschel rät, niemals unter diesen Bedingungen eine Kaution zu überweisen oder ein Kautionskonto anhand der vorgegebenen Angaben einzurichten. Letzteres könnten Betrüger sonst nutzen, um über das Konto, das auf Ihren Namen läuft und die Betrüger begünstigt, krumme Geschäfte abzuwickeln. Dabei geht es Henschel zufolge häufig um Geldwäsche. Doppelt ärgerlich: Hereingelegte verlieren nicht nur ihr Geld, sondern können bei Geldwäscheermittlungen auch noch ins Visier der Polizei geraten.
Diese Masche legt es darauf an, Ihre persönlichen Daten und Kontoverbindungen abzugreifen, um diese für andere Delikte zu nutzen. Wie Täter Ihre Angaben herausfinden? Vermieter wollen vor Abschluss des Mietvertrags in der Regel Gehaltsnachweis, Schufa-Auskunft und eine Kopie des Personalausweises sehen. Unseriöse Anbieter verlangen oft, diese Unterlagen an eine ungewöhnliche Mail-Adresse zu schicken - zum Beispiel mit ausländischer Domain-Endung. Die Betrüger begründen das zum Beispiel mit einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt.
Folgen Sie der Anweisung, bricht danach der Kontakt zum vermeintlichen Vermieter ab - der Traum von der neuen Wohnung hat sich ausgeträumt. Stattdessen geistert Ihre Identität durchs Darknet, um für illegale Zwecke genutzt zu werden. Generell sollten Sie die Dokumente niemals versenden, sondern besser persönlich überreichen und den Ausweis vorzeigen. Rein rechtlich dürfen Vermieter die Unterlagen erst fordern, wenn Sie in der engeren Wahl sind - auch wenn es in der Praxis oft anders läuft.
Phishing-Mails mit der Bitte, sich über einen Link einzuloggen, sowie Aufforderungen, sich online etwa für einen Besichtigungstermin anzumelden, sind andere Spielarten des Identitätsdiebstahls: Bei einer scheinbar notwendigen Legitimierung über die angebliche Hausbank des Anbieters kann es passieren, dass Sie ungewollt ein Bankkonto eröffnen, auf das nur die Betrüger Zugriff haben. Dass überhaupt eine solche Legitimierung für eine Besichtigung verlangt wird, sollte Sie sehr nachdenklich machen.
Gerade in Ballungszentren, wo Wohnungen rar und teuer sind, freuen sich Interessenten über jede Zusage zur Besichtigung. Manche Vermieter verlangen für eine Einladung zum Besichtigungstermin eine Reservierungsgebühr. Wer zahlt, erlebt nach Beobachtung von Verbraucherschützern gelegentlich das, was auch beim Kautionsbetrug geschieht: Ist das Geld erst überwiesen, fehlt vom angeblichen Eigentümer jede Spur.
Deshalb warnt Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen: „Obacht, wenn Vorkasse gefordert wird.“ Er rät Suchenden, niemals eine Mietkaution zu leisten für eine Wohnung, die sie nicht persönlich gesehen haben. Regulär wird eine Kaution erst mit Beginn des Mietverhältnisses fällig. Will ein Anbieter vorher Geld, ist Lasseks Rat eindeutig: „Finger weg von der Immobilie.“
Gleiches gilt, wenn Sie für die Schlüsselübergabe bezahlen sollen. Die Schlüssel sollen dann zum Beispiel in einem Tresor hinterlegt oder per Post geschickt werden. „Am Ende passt der Schlüssel nicht“, sagt Lassek. Bei diesem Trick wird auch oft ein Auslandsaufenthalt als Grund vorgegaukelt, warum Ihnen die Schlüssel nicht persönlich übergeben werden können.
Dank Künstlicher Intelligenz (KI) genügen Betrügern ein paar Bilder und Beschreibungen anderer Immobilien, um eine neue zu kreieren. Oder sie mieten über Buchungsplattformen kurzzeitig Wohnungen an, veranstalten Besichtigungstermine, lassen Mietverträge unterschreiben, nehmen von jedem Bewerber Vorabkaution und Schlüsselgebühr - und tauchen ab.
Peter Lassek zufolge bieten Plattformen wie Airbnb, Booking.com und Tripadvisor keine Services zur Besichtigung von Mietwohnungen und damit zusammenhängende Vorauszahlungen an. Also läuft etwas falsch, wenn Sie aufgefordert werden, diese Dinge über eine solche Plattform abzuwickeln.
Eine andere Variante kennt Kriminalist Hans-Joachim Henschel aus eigenem Erleben: das Anbieten fremder, vermieteter Wohnungen. Ihm wurde die eigene Wohnung zur Miete offeriert - Monate nach seinem Einzug. Unbekannte hatten das Inserat seines Vermieters gekapert, um Interessenten mit der Kautionsmasche abzuzocken.
Wenn Text und Fotos eine toll ausgestattete Wohnung zu sehr preiswerter Miete in bester Lage versprechen, ist Misstrauen angebracht. Mit Hilfe von Google Street View können Sie die tatsächliche Lage der Wohnung herausfinden, wie Henschel sagt. Fotos laden Sie online in die Rückwärtssuche, um festzustellen, ob und wo sie noch verwendet werden.
Innenaufnahmen liefern ebenfalls Hinweise: Sind Türen, Fenster, Fenstergriffe, Badausstattung hierzulande üblich? Wenn Pflanzen und Bäume zu sehen sind: Passen die zum heimischen Klima oder erinnern sie Sie an Urlaub im Süden? Auch wichtig: Gibt es Widersprüche zwischen Bildern und Anzeigentext?
Verdeckten Mängeln wie Schimmel und zugigen Fenstern ist schwer beizukommen. Haken Sie deshalb unbedingt nach, wenn Ihnen bei der Besichtigung ein muffiger Geruch auffällt. Dunkle Flecken sollten Sie vorsichtig werden lassen, ebenso dick überpinselte Stellen und schlecht schließende Fenster und Türen. Im Zweifelsfall ist Abstand nehmen klüger, als sich im Nachhinein über die Mängelbeseitigung zu streiten.
Manchmal werden Wohnungen gegen Mithilfe bei der Haus- und Gartenarbeit angeboten. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden. Manchmal verstecken wird aber auch Sex als Gegenleistung verlangt. Generell ist Hans-Joachim Henschels Empfehlung: „Jemanden zum Gespräch mitnehmen.“ Oder zumindest jemandem Bescheid sagen, wohin man geht. Zur Sicherheit sollte das Haus fotografiert werden, in das man hineingeht.
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