Im Foyer des Scheinfelder Rathaus, gleich neben der Kinderspielecke, stehen auf einem Hoch-Tisch zwei Körbe. Ein Sammelsurium aus Wollresten liegt darin und natürlich Stricknadeln. Ein laminierter Text erklärt, worum es geht: um „Komme was Wolle“.
Dieses Projekt der Nachbarschaftshilfe wurde zu Jahresanfang gestartet. Gabi Jakob, zusammen mit Hildegard Simon treibende Kraft der Nachbarschaftshilfe, hatte die Idee von einem Aufenthalt in den Alpen mitgebracht und beim städtischen Kulturauftakt im Januar kurz vorgestellt: Viele Menschen stricken zusammen an einem Werkstück.
Es soll ein „Scheinfelder Glücksschal“ werden, wie es im Begleittext zu der Aktion heißt – über 20 Meter lang, genauer: 2024 Zentimeter lang, sozusagen passend zum laufenden Jahr. Jakob selbst hatte schon mal ein paar Zentimeter vorgelegt. Seitdem wandert das Werkstück durch verschiedene Haushalte, berichtet Simon.
Man kann sich das Projekt also nach Hause einladen oder etwa auch zu einer Veranstaltung, beispielsweise auf ein Dorffest, wo dann gleich mehrere Leute weiterstricken können. Gleichzeitig wäre das freilich schwierig. Aber es gibt zwei begonnene Stücke, das eine ist – Stand vom Mittwoch – erst 40 Zentimeter lang, das andere aber schon 2,70 Meter.
Aktuell macht die Strickware Station im Rathaus. Dagmar Meyer kommt gerade von einem Behördengang und könnte eigentlich ihres Weges gehen. Vom Zeitungsreporter lässt sie sich aber kurz aufhalten und strickt zwei Reihen an. Auch Meyer hat, so berichtet sie, schon mal im Rathaus warten müssen und währenddessen ein bisschen gestrickt. Es wäre aber wohl, so sinniert sie, keine gute Publicity für die Verwaltung, wenn der Schal auf diese Weise rasch wachsen würde.
Simon sagt, für die Wartezeiten bei den Ämtern sei „Komme was Wolle“ eigentlich nicht gedacht, sondern schon eher als ein Projekt auf Wanderschaft, und: „Ich hab noch Angebote, wo man es hinschicken könnte.“ In Kontakt steht Simon etwa auch mit der Langenfelder Dorflinde. Dort trifft sich im zweiwöchigen Rhythmus ein Strickkreis, der ebenfalls Interesse an einer Teilnahme bekundet hat.
Bei den aktuellen Hochsommertemperaturen, so merkt Simon an, denkt wohl kaum jemand an Wolle und Schal. Auch sind die Zeiten, in denen Stricken ein Trend war und sogar bei Bundestagssitzungen praktiziert wurde, längst vorbei. Simon setzt ihre Hoffnung auf die Herbst- und Winterzeit, in der Wärmendes wieder ins Blickfeld rückt.
Vorgaben, wie man zu stricken hat, gibt es in des keine. Linke Maschen, rechte Maschen, Farbe, Muster – alles nach eigenem Gutdünken. An Wolle mangelt es im Übrigen nicht. Ans Sozialkaufhaus „Komm rein“ werden gelegentlich auch Knäuel gespendet, die es an die Nachbarschaftshilfe weitergibt.
In einem der beiden Körbe liegt ein kleines Heft, eine Art Stricktagebuch. „Da kann man seine Gedanken reinschreiben“, erklärt Simon. Da sind allerdings erst ein paar wenige Einträge drin – sie sind ja keine Pflicht.
Beim Kulturauftakt im kommenden Jahr soll der „Scheinfelder Glückschal“ der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Nachbarschaftshilfe verspricht sich von der Aktion ebenfalls selbst einen Nutzen: Die Helfergruppe will damit auch ein wenig ihren Bekanntheitsgrad steigern.
Die Nachbarschaftshilfe Scheinfeld ist über die Handynummer 0173/7397294 erreichbar. Diese Nummer kann man auch kontaktieren, wenn man sich an der „Komme was Wolle“-Aktion beteiligen möchte.