Einst verlustierten sich hier die Markgrafen, später diente er als Nutzgarten mit Äpfel- und Birnbäumen, ehe der Bombenhagel im Februar 1945 auf die Stadt auch einen Neuanfang für den Hofgarten bedeutete. Nun feierte das grüne Herz Ansbachs sein 300-jähriges Bestehen. Doch in der Stadt angekommen ist das Kleinod nicht.
Zur Begrüßung donnern Salven aus den Musketen der markgräflichen Infanterie in den Ansbacher Himmel, wenig später zieht der Regent nebst Gattin und Gefolge in den Hofgarten ein. Den Besuchern begegnen auf den prächtigen Alleen immer wieder Mitglieder des Heimatvereins, die lustwandelnd in ihren prunkvollen Roben die Zeit der Markgrafen aufleben lassen.
Böller, Perücken und pompöse Hüte: Die Bilder zum Hofgarten-Fest in Ansbach
Das ist ein wichtiger Teil des Hofgartens, schließlich ist seine Entstehung und Geschichte untrennbar mit den in Ansbach viele Jahre lang regierenden Fürsten verbunden. Vor 300 Jahren gab Markgräfin Christiane Charlotte mit der Bestellung von damals „Holland-Linden“ genannten Bäumen den Startschuss zur Umgestaltung in eine barocke Anklage. Doch das ist eben nicht alles.
Man kann hier nicht jedes Krawall-Event zulassen.
Auf vielen Führungen wird berichtet, wie der Garten dem Wandel der Zeiten unterworfen war. So wurde nach französischem Vorbild einst vergeblich versucht, die gemächlich dahinplätschernde Rezat für Wasserspiele vor der Orangerie einzubinden. Und der Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg machte den Wiederaufbau der Barockanlage erst möglich. Stadthistoriker Alexander Biernoth führt die Geschichte dazu aus, während Michael Rotschedl, seit 2021 Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach und damit Gastgeber, auch die unliebsamen Themen der Gegenwart anspricht. Ein Beispiel? 5,2 Tonnen Müll mussten im vergangenen Jahr auf dem weitläufigen Areal eingesammelt werden.
Auch den Hausherren erreichen immer wieder Wünsche und Vorstellungen, dass in den Hofgarten mehr Leben einziehen solle. Doch das ist nach Ansicht des Diplom-Verwalungswirtes ein schmaler Grat. Rotschedl gemäß gelte es dabei, „eine Balance zu finden“, zwischen dem, was den Wünschen der Menschen nach einer Öffnung entspricht, aber auch dem, was dem Schutz des Parkes als Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere gleichkommt.
Leicht ist das nicht, die Umsetzung dieser Vorgabe in die Realität gestaltet sich reichlich schwierig. Das weiß der Hausherr, das wissen aber auch viele, viele Ansbacher, die den Hofgarten vornehmlich für Festivitäten in der ab 1972 prächtig wieder aufgebauten Orangerie nutzen. „Hier kommt man als Ansbacher gerne her“, sagt Gastronom Jens Blank, der die Restauration in dem Repräsentationsbau führt.
Doch abseits davon fristet der Hofgarten seiner Erfahrung nach ein eher stiefmütterliches Dasein. Wobei die Besucherzahlen diesen Eindruck nicht bestätigen, ja sogar widerlegen. Auf „195.000 Besucher im zweiten Quartal 2024“ kann Rotschedl bei seinem Vortrag verweisen. Fraglos eine stolze Zahl. Dabei wird seit diesem Jahr Jedermann, der den Hofgarten betritt, automatisch elektronisch erfasst. Und damit auch alle, die auf dem Weg von oder zur Arbeit oder zum Zug die Abkürzung durch den Park nutzen oder in der Orangerie lediglich einen Kaffee trinken.
„Man kann hier nicht jedes Krawall- oder Halligalli-Event zulassen“, sagt Michael Rotschedel bestimmt. Der 40-Jährige sieht die eng gestrickten Regularien, nach denen etwa Radfahren selbst auf den Wegen verboten ist, nicht als Problem. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die etwas abseits gelegene Liegewiese, wo etwa Ballspielen und ein Picknick auf dem Rasen erlaubt sind. Ansonsten aber gelte es eben, sich an die von einem Securitydienst überwachten Bestimmungen zu halten. „Der Park ist keine Event-Area.“
Es sind vielfältige Aufgaben und Herausforderungen, die heute mit der Pflege und dem Unterhalt des historischen Gartendenkmals, Naturschutzgebiets und innerstädtischen Parks verbunden sind. So gewähren die Beschäftigten der Schlösser- und Gartenverwaltung einen Einblick in ihre Arbeit. Wie etwa die vielen Linden in Form gehalten und wie Wege und Beete gepflegt werden.
Ein paar Meter weiter wird das Rad 300 Jahre zurückgedreht: Beim Paille-Maille-Spiel befördern elegante Hofdamen eine Kugel mit einem Holzhammer über einen Parcours auf dem Rasen. Der darf freilich nur heute betreten werden.