800 Jahre alte Eiche wird in Schwebheim zu exklusiven Tischen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 02.01.2025 07:00

800 Jahre alte Eiche wird in Schwebheim zu exklusiven Tischen

Der Schwertransport vor dem Start: Etliche Spanngurte hielten den über sechs Meter langen und teils 2,50 Meter breiten Eichenstamm auf der Ladefläche des Tiefladers. Jonas Nähr und seine Freundin Verena Hofmann posierten seinerzeit vor dem Koloss. (Foto: Matthias Müller)
Der Schwertransport vor dem Start: Etliche Spanngurte hielten den über sechs Meter langen und teils 2,50 Meter breiten Eichenstamm auf der Ladefläche des Tiefladers. Jonas Nähr und seine Freundin Verena Hofmann posierten seinerzeit vor dem Koloss. (Foto: Matthias Müller)
Der Schwertransport vor dem Start: Etliche Spanngurte hielten den über sechs Meter langen und teils 2,50 Meter breiten Eichenstamm auf der Ladefläche des Tiefladers. Jonas Nähr und seine Freundin Verena Hofmann posierten seinerzeit vor dem Koloss. (Foto: Matthias Müller)

13 Tonnen wiegt der stattliche Eichenstamm, der im Burgbernheimer Ortsteil Schwebheim vor der „Zauberholz Manufaktur“ von Jonas Nähr liegt. Nach exakter Millimeterarbeit, bei der viel Schweiß floss, und einigem Bangen war der Stamm am Ziel. Jetzt werden daraus Tische.

Jonas Nähr ist gelernter Modellbauer, nach einem Unfall hatte er sich mit seiner Manufaktur im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim selbstständig gemacht. So kann der 25-Jährige sich seine Arbeit frei einteilen und beispielsweise Bürotage einbauen, wenn sein rechter Arm eine Pause vom Handwerk braucht.

„Der Holzpart war für mich schon immer der Spannendste“, erzählt der junge Mann. Auf dem Hof seines Onkels hat Jonas Nähr einen ehemaligen Schweinestall zur Werkstatt umgebaut und stellt seitdem auf rund 180 Quadratmetern Tischplatten individuell nach Kundenwunsch her – modern mit Epoxidharz, extravagant auf Glasfüßen oder rustikal aus reinem Holz.

Er ist deshalb ständig auf der Suche nach Baumstämmen, aus denen er Bretter oder Scheiben für Tischplatten schneiden kann. Gerne bezieht er diese aus dem Burgbernheimer Stadtwald oder aus dem Marktbergeler Wald – regional eben.

Trockenzeit ist wichtig

Für die Platten, die aus nur einem Brett entstehen, müssen die Bäume allerdings einen gewissen Durchmesser haben. Solche Exemplare sind nicht so einfach zu bekommen, oder sehr teuer. Um solche Stämme zu finden, durchforstet Nähr das Internet und muss dann schon mal weiter fahren, um sie zu holen.

Ein großer Vorrat ist notwendig, denn das Holz muss lagern und die geschnittenen Bretter müssen vor der Bearbeitung richtig trocken sein. Mindestens ein Jahr trocknen sie in einem überdachten Lager an der Luft, dann – je nach Restfeuchte – in der Abwärmeluft einer Biogasanlage. „Bevor ich meine Werkstatt ausgebaut hab’, hab ich Unmengen an Holz gekauft. Die Leute haben gedacht, ich spinn’.“

Eiche und Buche sind die gängigsten Hölzer, Walnuss ein optisch schönes, dunkleres Holz, aber leider nur selten aufzutreiben, sagt Nähr. Selten ist auch ein solches Eichenexemplar, das nun am Hof auf den Zuschnitt wartet. Der Stamm ist ein echter Koloss. Bei 6,10 Metern Länge hat er an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 2,5 Metern und bringt stolze 13 Tonnen auf der Waage an. Beim Transport brachte die über 800 Jahre alte Eiche Mann und Maschine an ihre Grenzen.

Die Wurzeln waren schon morsch

Einen ganzen Tag war Jonas Nähr mit seinem Cousin, einem Kranfahrer und seinem Onkel, der den Tieflader fuhr, unterwegs, um den Stamm zu holen, der seit Januar 2024 in einem kleinen Dorf bei Landshut am Wegrand lag. Der Baum war denkmalgeschützt, seine Fällung nicht beabsichtigt. Doch da die Anwohner ein Abrutschen der Eiche, die an einem steilen Hang stand, befürchteten, ließen sie die Wurzel untersuchen. Morsch. Der Baum musste weg. Den nächsten größeren Sturm hätte er wohl nicht überstanden, schätzt Nähr.

Mit dem Autokran hoben Nähr und sein Team den Koloss auf den Tieflader – allerdings mit einer großen Hürde: Um den Stamm auf die Ladefläche zu bekommen, musste er über eine Stromleitung in sechs Metern Höhe gehievt werden. Was auf Nährs Instagram-Video im Zeitraffer leicht aussieht, erforderte viel Präzision und Gefühl. Teils nur noch wenige Millimeter Platz waren zwischen Kranauto und einem Carpot.

Da das Gewicht des Stammes nur schwer zu schätzen war, war es zeitweise hochspannend, kurz stand der Baumtransport gar auf der Kippe. Reicht die Hebelast des für 13 Tonnen ausgelegten Krans aus? Voll ausgefahren, auf 38 Meter reichte es – gerade so. Ziemlich genau 13 Tonnen zeigte die im Kran integrierte Waage an.

An extra bestellten Transportbändern, die für Lasten bis 16 Tonnen zugelassen sind, baumelte der Stamm – beobachtet von etlichen Anwohnern. Beim Überwinden der Stromleitung, hielten alle kurz den Atem an. Doch auch diese Hürde stemmte das Trio. Nach kurzer Zwischenlagerung auf dem geschotterten Zufahrtsweg, konnte der Stamm schließlich auf dem Tieflager mit etlichen Zurrgurten verspannt und nach Schwebheim gefahren werden.

Reinigung unter Hochdruck

Dort hat ihn der 25-Jährige mittlerweile mit dem Hochdruckreiniger vom Sand befreit, der sich in der Rinde festgehängt hatte. Dabei ging auch der äußere Teil der Rinde ab, so dass die Eiche nun einen rötlichen Schimmer aufweist, so Nähr. In diesem Januar liegt der Baum ziemlich genau ein Jahr. Das sei gut, um Spannungen im Holz abzubauen und ihn gut sägen zu können.

Eine solcher Stamm ist immer ein Risiko

Besagtes Sägen wird die nächste Herausforderung werden, sagt Nähr. Er hofft, dass er im ersten Quartal 2025 dazu kommt. Zwar schneidet er alle Stämme ab einem Durchmesser von 80 Zentimetern bereits selbst, für diesen Stamm reicht aber selbst das längste Schwert seiner Kettensäge aber nicht aus. Entsprechend hat er sich in Kanada ein 2,75 Meter langes Schwert bestellt – eine Maßanfertigung. 30 Meter Kette am Stück hat er gekauft. „Ich geh davon aus, dass die reicht“, sagt er und lacht. Zwei Mal wird er diese schon aufziehen müssen. Sollten „unvorhergesehene Dinge“ – wie eingewachsene Nägel – sie schneller stumpf machen wohl auch häufiger.

Auf dem Stamm wird eine Konstruktion mit Führungsschiene angebracht, dann kann die Kette durchs Holz gleiten. Im unteren Bereich muss Nähr zunächst ein paar Scheiben abschneiden, dort ist der Stamm offensichtlich morsch und bröselt. Was dahinter kommt, und wie der Baum im Inneren aussieht, wird eine Überraschung: „Einen Stamm zu kaufen ist immer volles Risiko.“


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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