„Absolute Panik“: Dutzende tot nach Feuer bei Silvesterparty | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 01.01.2026 07:45, aktualisiert am 01.01.2026 15:42

„Absolute Panik“: Dutzende tot nach Feuer bei Silvesterparty

Hunderte Menschen hatten in der Bar den Jahreswechsel gefeiert. (Foto: Police Cantonale Valaisanne/Police Cantonale Valaisanne/AP/dpa)
Hunderte Menschen hatten in der Bar den Jahreswechsel gefeiert. (Foto: Police Cantonale Valaisanne/Police Cantonale Valaisanne/AP/dpa)
Hunderte Menschen hatten in der Bar den Jahreswechsel gefeiert. (Foto: Police Cantonale Valaisanne/Police Cantonale Valaisanne/AP/dpa)

Eine Silvesterparty im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana hat sich für Hunderte Feiernde innerhalb weniger Minuten in ein Inferno verwandelt. „Es herrschte absolute Panik, alle schrien“, berichteten die Französinnen Emma und Albane im Sender BFMTV, über die dramatischen Momente nach dem Ausbruch des Feuers, das Dutzende Menschen tötete. „Jemand schlug ein Fenster ein, damit die Leute rauskamen.“ Bei dem verheerenden Brand in der Bar „Le Constellation“ sind nach Angaben der Polizei zudem rund 100 Menschen größtenteils schwer verletzt worden.

Die Ursache für das Feuer ist am Neujahrstag noch unklar. Die Augenzeuginnen aus Frankreich sagten, das Feuer sei durch Kerzen verursacht worden. Es habe in der Bar Kerzen in Champagnerflaschen gegeben. Eine davon sei zu nah an die Decke gekommen, die dann Feuer gefangen habe. Der Brand habe sich innerhalb von Sekunden ausgebreitet. Der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, spekulierte über einen Feuerwerkskörper. 

Abend „wurde zu einem Alptraum“ 

„Wir können dazu keine Angaben machen“, sagt Daniel Imboden, Sprecher der Kantonspolizei. „Wie immer wird in alle möglichen Richtungen ermittelt.“ Lediglich einen Anschlag schlossen die Ermittler aus. Von der Polizei hieß es, es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Opfern ausländische Gäste seien. Ob Deutsche betroffen sind, war zunächst unklar. 

Das Unglück in dem bekannten Touristenort löste bei Anwohnern, Touristen und Politikern Erschütterung aus. „Dieser Abend sollte eigentlich ein Fest sein, doch er wurde zu einem Alptraum“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard. Crans-Montana ist einer der bekanntesten Touristenorte in den Schweizer Alpen und über Feiertage wie Weihnachten und Neujahr mit tausenden Besuchern aus aller Welt meist ausgebucht. 

Touristen unter Schock 

Eine Besucherin aus Stuttgart steht unter Schock: „Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert“, sagte Christina Lutz der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.“ 

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. „Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht“, schrieb er auf X. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: „Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat“, schrieb er auf X. 

Verpuffung erst nach dem Brand 

Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler sagte. Die Explosionen, von denen Anwohner berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen. 

„Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an“, sagte Anwohner Jeoffrey d'Amecourt dem Sender RTS. Das Gebäude, in dem sich die Bar befand, sei schwer beschädigt worden. Die Polizei hat das Gelände rund um die Bar auf der Hauptstraße des Ortes weiträumig abgesperrt. 

Die Polizei hat eine Telefonauskunft für Angehörige eingerichtet. Die Medienwebseite der Kantonspolizei brach nach der ersten Mitteilung dort angesichts der zahlreichen Abrufe zusammen. 

Viele offene Fragen 

Zur Brandursache konnte Beatrice Pilloud, die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, zunächst keine Angaben machen. Ebenso äußert sie sich auf Nachfrage nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten. 

Die vielen Opfer wurden per Hubschrauber in umliegende Krankenhäuser gebracht, etwa in Sitten, aber auch ins rund 100 Kilometer Luftlinie entfernte Genf. Dort landeten am Universitätsspital nach Angaben von Augenzeugen am Vormittag zahlreiche Hubschrauber. 

Der Alarm ging bei der Polizei gegen 1.30 Uhr ein. In der Bar feierten noch zahlreiche Besucher der Silvesterparty in das neue Jahr. Die Einsatzkräfte seien innerhalb von Minuten vor Ort gewesen, so die Behörden. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte unter anderem auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe. 

Nobel-Skiort

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar und Anfang Februar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt. 

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer.

© dpa-infocom, dpa:260101-930-485877/8


Von dpa
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