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Veröffentlicht am 18.01.2026 05:02, aktualisiert am 18.01.2026 14:12

Acht Lawinen-Tote in Österreich - Kopfschütteln bei Rettern

Rettungskräfte waren am Finsterkopf im Einsatz.  (Foto: ---/Hundestaffel Bergrettung/dpa)
Rettungskräfte waren am Finsterkopf im Einsatz. (Foto: ---/Hundestaffel Bergrettung/dpa)
Rettungskräfte waren am Finsterkopf im Einsatz. (Foto: ---/Hundestaffel Bergrettung/dpa)

Bergretter Gerhard Kremser ist ratlos und verzweifelt. Seit Tagen wird vor der heiklen Lawinen-Situation in den Alpen gewarnt - und dennoch brechen nicht wenige zu einer Skitour auf. „Ich weiß nicht, was da in den Köpfen passiert“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur zum Verhalten der Wintersportler. Für acht Menschen endete am Wochenende ihre Skitour in den österreichischen Alpen tödlich. Sie wurden von Schneebrett-Lawinen begraben und sind wohl binnen kürzester Zeit unter den Schneemassen erstickt.

Es war das in dieser Saison bisher tödlichste Lawinen-Wochenende in den Alpen. Die drei Schneebretter gingen in den Bundesländern Salzburg und Steiermark nieder. Schon am Freitag war ein Deutscher bei einer Skitour am Piz Badus in der Schweiz durch eine Lawine ums Leben gekommen. 

Tourenführer auf Kurs unter den Toten

Vom folgenschwersten Unglück war sogar eine Kursgruppe des Alpenvereins betroffen. Der Kurs habe im Rahmen eines regulären Winterausbildungsprogramms des Österreichischen Alpenvereins stattgefunden, teilt die Organisation mit. „Es war ein mehrtägiger Kurs für Tourenführer, der von einer Bergführerin geleitet wurde. Alles sehr erfahrene Leute“, sagt der Sprecher des Alpenvereins, Gerald Zagler, der dpa.

Bei dem Unglück im Großarltal im Bundesland Salzburg waren von den sieben Kursteilnehmern vier getötet worden - drei Männer im Alter von 53, 63 und 65 Jahren sowie eine 60-jährige Frau.

„In unseren Kursen stehen Risikokompetenz und Sicherheitsbewusstsein an oberster Stelle. Dieses Unglück schmerzt zutiefst“, sagt Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport des Österreichischen Alpenvereins. Die Organisation stehe in engem Kontakt mit den Behörden sowie den Angehörigen der betroffenen Personen. „Die alpine Gemeinschaft trauert mit den Angehörigen“, sagt Wolfgang Schnabl, Präsident des Österreichischen Alpenvereins.

 

58-Jährige stirbt vor den Augen ihres Mannes

Im Bundesland Steiermark wurden im Raum Murtal drei Personen unter einer Lawine verschüttet. Für die drei Tschechen kam jede Hilfe zu spät. Die Bergung ihrer Leichen sollte am Sonntag erfolgen. 

Bei Bad Hofgastein wurde eine 58-Jährige bei einer Skitour vor den Augen ihres Mannes von einer Lawine erfasst. Auch in diesem Fall konnte der Notarzt nur noch den Tod feststellen. Weitere Lawinenabgänge wurden beobachtet, ohne dass etwas passierte.

Bei den drei Unglücken war ein Großaufgebot an Rettern im Einsatz. Insgesamt mehr als 200 Helfer und Bergretter haben den Angaben nach geholfen, die Toten zu bergen und die Verletzten in Krankenhäuser zu fliegen. 

Experte: „Nur wenige Meter zwischen Leben und Tod“

Die Schneebrett-Lawinen des Wochenendes sind nicht vergleichbar mit den Staub-Lawinen, die über eine lange Strecke ins Tal donnern. Oft gerät nur eine überschaubare Fläche von der Größe eines Fußballplatzes oder weniger ins Rutschen. „Es sind nur wenige Meter zwischen Leben und Tod“, sagt Kremser mit Blick auf den jeweiligen Standort der Skifahrer im Augenblick des Unglücks. 

Jedenfalls reichten auch kleinere Schneemassen aus, Menschen zu verschütten. Ohne Atemhöhle drohe binnen weniger Minuten der Tod durch Ersticken. 

Schon geringes Gewicht kann Lawine auslösen

Die aktuell verbreitet geltende Lawinenwarnstufe 3 sei besonders tückisch, sagt Kremser weiter. Sie erwecke offenkundig den Eindruck, dass die besonders gefährlichen Stufen vier und fünf noch nicht erreicht seien. Aber von jeder Stufe steige die Gefahr um das Doppelte. „Drei ist doppelt so gefährlich wie zwei.“ Die Warnstufen vier und fünf ließen viele Tourengeher ohnehin zögern, so der Bergretter. 

Die Schneedecke sei sehr instabil. Der Altschnee sei gefroren - und auf diese Schicht seien vor rund einer Woche 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee gefallen, sagt Kremser. Beide Schichten hätten praktisch keine Verbindung. Durch den starken Wind habe sich auch viel Triebschnee angesammelt. „Die Schneeunterlage ist diesmal ganz schlecht.“ 

Opfer für den Lawinen-Fall bestens ausgerüstet 

Das Gewicht eines einzelnen Skifahrers kann ausreichen, ein Schneebrett auszulösen. „Lawinengefährdete Gebiete befinden sich in allen Ausrichtungen oberhalb von etwa 2.000 m. Diese Gebiete sind zahlreich“, heißt es auf der Webseite des Lawinen-Warndienstes. „Sie sind mit Neuschnee bedeckt und daher selbst für das geübte Auge kaum erkennbar.“

Die Opfer seien für den Lawinen-Notfall eigentlich bestens ausgerüstet gewesen, sagte Kremser. Zu einer solchen Ausrüstung gehören elektronische Geräte, die das Finden von Verschütteten erleichtern sollen. „Es hat nichts genützt.“

© dpa-infocom, dpa:260118-930-560288/4


Von dpa
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