Wie macht man aus einem Comic ein Theaterstück? Und kann das überhaupt funktionieren? Welche Form solch ein Experiment annehmen kann, zeigt die Inszenierung von Robert Arnold „Adolf – Der Bonker“. Am Samstagabend feierte das Schauspiel Premiere im Kleinen Haus des Ansbacher Theaters.
Es ist ein schräges Stück im wahrsten Sinne des Wortes: Sogar die Bühne befindet sich in Schieflage, gekonnt gestaltet von Tame Priwitzer. Diese Bühnenadaption von Moritz Koch thematisiert Hitlers letzte Momente im Führerbunker. Und hinterlässt ein Gefühl der Ratlosigkeit.
Wie soll man das Gesehene einordnen? Als Klamauk, als bissige Satire, als Unfug, als gekonnte Komödie, als Farce? Nun ja, schließlich fußt das Stück auf einem Comic von Walter Moers. Dieser ist seinerseits für ziemlich schräge Charaktere bekannt, darunter das kleine Arschloch, Käpt’n Blaubär, der alte Sack oder eben Adolf, die Nazisau. Aber das ist Comic und damit unübersehbar irreal.
In Theaterstücken spielen noch immer reale Menschen. Und das tun sie manchmal sogar sehr gut, wie Christine Mertens hier als Adolf unter Beweis stellt. 120 Minuten wirbelt sie über die Bühne und schlüpft neben der Hauptfigur in weitere Rollen: Eva Braun, Hermann Göring, Mahatma Gandhi, Benito Mussolini. Überdies muss ihr Adolf sich noch mit einem hinterlistigen Winston Churchill am Telefon herumplagen. Christine Mertens stellt dies so intensiv dar, dass die Figuren zu eigenständigem Leben erwachen.
Ihr zur Seite der treue Hund Blondi, der Hitler auch im wahren Leben bis zur letzten Stunde begleitete. Doch die Bühnen-Blondi ist anders, trägt eine schwarze Hunde-Maske und spielt Blockflöte – letzteres sogar ausgesprochen gut. Sie wird zum Taktgeber, lässt das Telefon klingeln, bietet passende Hintergrundmusik, fiept an wichtiger Stelle. Ein äußerst begabter Hund, den Johanna Dörr gelungen gibt, ohne zu überzeichnen.
Um was geht es? Gut, Adolf sitzt in seinem „Bonker“, noch immer uneinsichtig, nicht zur Kapitulation imstande und lieber bereit, sich und das Volk in den Abgrund zu reißen. Soweit die historische Gemengelage, wie sie den Nachgeborenen überliefert ist. Alles andere: freie Erfindung.
Wichtige Weggefährten stellen sich nochmal in seinem Stahlbeton-Verhau ein und lassen ihn einfach nicht in Ruhe. Der strikte Antialkoholiker greift zum Billig-Cognac. Ständig klingelt eines der Telefone und stets fällt Adolf auf die Anrufe angeblich wichtiger Persönlichkeiten rein: Der Papst, Günther Jauch und sogar Gott. Hinter all dem steckt sein Intimfeind Winston. Adolf hat es nicht leicht in diesen letzten Momenten.
Und dennoch träumt er, bisweilen unterlegt von flotter Musik, klassisches, aber auch Michael Jackson und Prince. Ja, so ganz genau mit einer historisch korrekten Chronologie nimmt es das Stück nicht. Und dann sind da natürlich noch die Zitate, so wie es Moers auch gerne tut. Allen voran Charlie Chaplin, dessen meisterliche Hitler-Parodie in seinem „Der große Diktator“ noch während der Kriegsjahre entstand. Das Theaterstück imitiert sowohl die verbalen Kaskaden Adenoid Hynkels – ein wildes Aneinanderreihen von Phantasiewörtern, unter denen der Begriff „Blitzkrieg“ hervorsticht – als auch das selbstvergessene Spiel mit der Weltkugel.
Man kann über so manches lachen, weil die Inszenierung passgenau sitzt, doch so richtig unbeschwert ist es nicht. Dafür ist das Thema zu heikel – besonders in Zeiten wie diesen.