Um Mitternacht kommt eine Premiere auf Thorsten Müller zu. Seit August ist der 32-Jährige, der zuvor geschäftsleitender Beamter der Gemeinde Bechhofen war, Direktor der Spielbank in Feuchtwangen. Und in dieser Funktion wird er nun zum ersten Mal die Ansprache zum Jahreswechsel in dem staatlichen Casino halten.
Punkt 0 Uhr werden nach einem Countdown dafür die Roulette-Kessel angehalten, bevor anschließend die erste Kugel des neuen Jahres angeworfen wird.
Zum Jahreswechsel gehören die vierblättrigen Kleeblätter ebenso wie Glücksschweinchen aus Marzipan und Mini-Schornsteinfeger – Glückssymbole sind gefragt. Kein Wunder also, dass die Spielbank in Feuchtwangen an keinem anderen Tag des Jahres so gut besucht ist wie an Silvester. Auf 2000 Quadratmetern spielen die Gäste Roulette, Poker und Black Jack und die Band Tequila tritt auf. Außerdem gibt es das Automatenspiel.
An seinem neuen Arbeitsplatz muss sich Thorsten Müller mit ganz anderen Themen beschäftigen als im Rathaus von Bechhofen, wo es um Ausweisanträge und Bebauungspläne ging. Zuvor hat er bei der Stadt Würzburg, wo er auch geboren ist, ein duales Studium absolviert.
„Wir arbeiten unter dem Slogan Bühne, Bar, Restaurant, Casino“, erzählt er. Den Gästen wolle man ein angenehmes Ambiente und Spiel᠆erlebnis schaffen. Geändert hat sich auch die Zahl der Mitarbeitenden. Rund 50 waren es in Bechhofen, in der Spielbank sind es doppelt so viele mit entsprechend mehr Verantwortung für Müller.
Wer als Croupier arbeiten will, braucht mathematisches Verständnis, eine gute Beobachtungsgabe und ein höfliches Auftreten. Die Mitarbeiter werden vor Ort von erfahrenen Kollegen ausgebildet. „Es ist kein einfacher, aber ein reizvoller Job“, weiß der Direktor. Im Zweifel hilft bei Diskussionen am Spieltisch die Videoüberwachung.
Der Dresscode für die Besucher ist lockerer geworden, eine Krawatte braucht man nicht mehr. Im großen Spielsaal herrscht aber noch immer eine Sakko-Pflicht. Die kann man sich aber auch kostenlos leihen, wenn man sein eigenes zu Hause vergessen hat. Sogar Mitarbeiter, die bei Bedarf schneidern können, hat die Spielbank. Bei Frauen gilt die Prämisse, dass sie immer gut gekleidet sind. An den Automaten geht es formlos zu, aber ein gepflegtes Outfit wird erwartet.
2023 kamen insgesamt 118.000 Besucher, dieses Jahr zeichnet sich ein leichtes Wachstum ab. Die Mehrheit von ihnen sind Männer. Der Brutto-Spielertrag lag 2023 bei einem Rekordergebnis von rund 25 Millionen Euro. Damit hat die Stadt Feuchtwangen die zweitgrößte Spielbank in Bayern nach Bad Wiessee und profitiert davon auch entsprechend durch die Spielbankabgabe in Höhe von 15 Prozent. Weitere 15 Prozent gehen an den Freistaat Bayern. Aufgrund der Lage am Autobahnkreuz reicht der Einzugsbereich bis nach Nürnberg, Ulm, Stuttgart, Crailsheim und Würzburg. Hauptsaison ist im Herbst und Winter, aber auch an ganz heißen Sommertagen.
Bevor er seinen neuen Job angetreten hat, war Thorsten Müller noch nie in einem Casino. „Ich fand das Thema aber auch im Vorfeld schon spannend“, begründet er seine Bewerbung. „Außerdem ist es ganz gut, wenn man als Spielbankdirektor ein bisschen Abstand zum Spiel selbst hat“ – denn hier gehe es auch um das Thema Sicherheit und Seriosität.
Und selbst wenn er wollte, jetzt dürfte er nicht mehr spielen. In keinem der neun bayerischen staatlichen Casinos dürfen die Mitarbeiter spielen, „um jedem Zweifel vorzubeugen“.
Nicht spielen dürfen auch Leute, die mit Glücksspiel nicht umgehen können. Die Spielbank hat ein Sozialkonzept. Dazu gehört, dass die Mitarbeitenden auf Anzeichen von Spielsucht geschult sind. Ultima Ratio ist eine Sperre. Diese kann auf Wunsch des Gastes selbst erfolgen, oder auf Initiative des Casinos. Da sich jeder Besucher registrieren muss, würde es sofort auffallen, wenn jemand dennoch versuchen würde, in die Spielbank zu kommen.
2025 begeht das Casino, offiziell eine staatliche Behörde, sein 25-jähriges Bestehen. Gefeiert wird das Jubiläum am 31. März, also genau am Geburtstag des Hauses, das am 31. März 2000 eröffnet worden war. David Lugert von Viva Voce und der Fürther Volker Heißmann – nicht als Komödiant, sondern als Sänger – haben sich dazu schon angesagt.
Außerdem findet vom 24. bis 26. Oktober das Finale der 10. Spielbanken-Bayern-Pokermeisterschaft statt. Die Spielbank Feuchtwangen habe eine recht große Pokergemeinschaft, sagt Müller: „Wir stellen bei den Meisterschaften in aller Regel auch die meisten Teilnehmer.“