Daniel Klose wohnt in Flachslanden, spielt im Verein in Bad Windsheim und ist in England irgendwie daheim: Immer wieder fliegt der Dartspieler auf die Insel, um Turniere zu spielen. Nun musste er zwar einen herben Rückschlag einstecken, aufgeben will der 45-Jährige aber noch lange nicht. Denn: Darts ist seine große Passion.
Der Sport der Pfeile wird immer populärer. Darts hat den verruchten Ruf des Kneipensports längst hinter sich gelassen. Besonders in England ist der Hype riesig, der mehr und mehr auch auf Deutschland abfärbt. Bis vor Kurzem hat Klose noch im Kreis der Erlauchten gespielt. Mittlerweile muss er sich mit der zweiten Riege zufrieden geben. Für ihn eher Chance als Anlass zur Traurigkeit.
Der Verlust der Tourcard, die ihm die Chance gab, Turniere auf höchstem Niveau zu spielen, war kein Schock: „Ich bin in Vollzeit berufstätig“, da bleibt einfach nicht die Zeit, stundenlang täglich am Board zu stehen, wie es die Weltelite tut. „Ich bin Hobby-Darter und mit mir selbst im Reinen.“ Wenn nach einem anstrengenden Tag noch zwei Stunden Training drin sind, ist Klose glücklich.
Hinzu kommt: „Ich war Ende 2024 verletzt, hatte muskuläre Probleme, die auch in den Arm ausgestrahlt haben.“ Mittlerweile ist der Bechhöfer Teil der PDC-Challenge-Tour – PDC ist der wichtigste Dartverband der Welt. Die besten zwei Spieler der Serie bekommen eine Tourcard und eine Teilnahme an der WM, die im Winter im Londoner Ally Pally als riesige Party gefeiert wird. Der Nimbus der Dartwelt. Dort einmal zu spielen, das ist Kloses Traum.
Kürzlich flog der 45-Jährige wieder auf die Insel – nach Milton Keynes – die erste Station der Challenge-Tour. „So, wie ich gespielt habe, bin ich zufrieden.“ Auch wenn es für einen Tagessieg nicht ganz gereicht hat.
Klose nimmt nach dem Auftakt Platz 27 ein, hat 725 Pfund erspielt (beim Darts wird die Rangliste nach dem eingespielten Geld erstellt). „Für die Profis ist das ein ganz normaler Arbeitstag“, für ihn Leidenschaft pur. „Ich spiele jetzt mal alles mit und schaue, was rauskommt.“ „Alles“ stimmt dann aber doch nicht so ganz, schränkt Klose gleich ein: Eine Station muss er auslassen, für die Konfirmation des Patenkindes.
Auch wenn der Sportsmann nicht mehr vollends an die Leistungen von früher anknüpfen kann, bleibt der große Spaß. „2023 hatte ich einfach einen guten Lauf, da habe ich mein Spiel auf die Bühne übertragen können. Das war ein einmaliges Erlebnis, wie im Tunnel.“ Dann kommt alles wie von selbst, „das läuft dann einfach wie das Brezelbacken“.
Immerhin gehört Klose zum auserlesenen Kreis, der ein Endspiel eines PDC-Profiturniers erreicht hat – er ist erst der fünfte Deutsche, dem das überhaupt gelang. Zuvor hatte er große Namen aus dem Dartzirkus ausgeschaltet: den seinerzeit amtierenden Weltmeister Michael Smith, den Kultschotten Peter Wright mit seinen bunten Irokesen, Gabriel Clemens und viele mehr. „Das war schon gut.“ Das Problem: „In der Halle war nichts los, ich war fast allein.“ Denn: „Das Tagesgeschäft bei der PDC ist nicht vergleichbar mit dem Fernseh-Halligalli.“ Also doch kein Zirkus? „Bei normalen Turnieren kannst du eine Stecknadel fallen hören.“ Ganz anders als bei TV-Wettbewerben.
Wenn Daniel Klose von seinem Dart-Leben erzählt, fällt eines auf: Er muss viel reisen. Leicester, Amsterdam, Hildesheim. Immer auf Achse. Wie finanziert sich das? „Es gibt Sponsoren, aber das langt bei weitem nicht.“
Die Top 32 der Welt könne bequem davon leben, Kloses bester Platz in der Order of Merit – sozusagen der Darts-Weltrangliste – war in den Bereichen der 70er. 20.000 bis 25.000 Euro gibt er jährlich für die Touren aus. „Aber es ist kein Draufleggeschäft.“ Immerhin erspielt der 45-Jährige gute Preisgelder.
Es gibt auch die Möglichkeit, sich einem Management anzuschließen. Für ihn ist das nichts, sagt Klose. Die Agenturen buchten die günstigsten Flüge zu den unmöglichsten Zeiten. „Da nehme ich lieber einen Tag weniger Urlaub und zahle 100 Euro mehr.“ Als Vollzeitarbeiter kann er sich das leisten. Sein Arbeitgeber kommt ihm entgegen, aber am Ende vom Jahr muss Klose dann doch immer wieder unbezahlten Urlaub nehmen, für seinen Darts-Traum.
Wenn zwischendurch Zeit bleibt, wirft Klose Pfeile für den DC La Bamba Bad Windsheim aufs Board. In der Aufstiegssaison „habe ich ausgeholfen, als es wichtig wurde“. Allerdings muss er immer mal wieder aussetzen – „aber das ist so vereinbart“.
Über den Darts-Ruhestand denkt der 45-Jährige noch nicht nach: „Ich habe ein gewisses Alter und bin froh, dass ich diesen Sport noch ausüben kann – auch wenn mir der Mut fehlt, alles auf eine Karte zu setzen.“ Aber die Doppel-Tätigkeit als Abteilungsleiter und Dartspieler hat er nie bereut. Und wer weiß. Vielleicht steht er ja eines Tages auf der WM-Bühne des Ally Pally und feiert eine riesengroße Klose-Party.