Als „bundesweit beste“ Anlage im ADAC-Rastanlagentest 2023 gilt Ohrenbach West nahe Rothenburg ob der Tauber an der Autobahn A7, so ein ADAC-Sprecher auf FLZ-Anfrage.
Diese Rastanlage habe „vor allem bei der Gastronomie sowie den Sanitär- und Außenanlagen punkten“ können, erläuterte der Allgemeine Deutsche Automobil Club in einer Pressemitteilung.
In Nordbayern wurden insgesamt fünf Rastanlagen genauer unter die Lupe genommen: Frankenhöhe Süd an der A6 erreichte nur ein „ausreichend“. Aurach Süd an der A3 und Greding West an der A9 bekamen im ADAC-Test dagegen wie Ohrenbach West das Gesamturteil „gut“, die Anlage Spessart Süd an der A3 nur ein „ausreichend“.
„Die meisten Rastanlagen in Deutschland sind nur Mittelmaß“, so das Fazit der Pressemitteilung des ADAC. Von insgesamt 40 getesteten Anlagen konnte keine das Prädikat „sehr gut“ erhalten; nur 15 erreichten eine „gute“ Benotung und die Mehrheit – 24 Anlagen – wurden mit „ausreichend“ bewertet; die Anlage Hermsdorfer Kreuz West fiel sogar als „mangelhaft“ durch.
Zuletzt hatte der ADAC die deutschen Rastanlagen vor zehn Jahren getestet. Jetzt habe sich herausgestellt, dass „Preise für Speisen und Getränke überall überteuert“ seien. Die „hohen Preise“ seien bei den fünf Anlagen in Nordbayern – aber auch bei allen anderen Rastanlagen – negativ bewertet worden.
„Gerade im Vergleich zu den Preisen einer Stichprobe naheliegender Autohöfe fielen alle 40 Anlagen im Preis durch“, heißt es weiter.
Weniger Kritik gab es hingegen beim Angebot. „Die meisten Raststätten punkteten mit einer vielfältigen Auswahl an warmen und kalten Speisen wie den Klassikern Schnitzel mit Pommes oder Bratwurst, und auch vegetarische Speisen gab es fast immer.“
Besonders positiv wurden – anders als noch beim vorangegangenen Test 2013 – die sanitären Anlagen bewertet. Über drei Viertel der 40 Rastanlagen bekamen hier ein gut oder sehr gut zugeschrieben. Die meisten Toiletten waren sehr gut erhalten, barrierefrei und optisch sauber. Einschränkend erwähnt werden müsse aber, dass im Testzeitraum März und April auf den Anlagen wenig Besuch herrschte.
Deutlich überteuert seien zudem auch die Kraftstoffe an den Autobahntankstellen, wie der ADAC in einer separaten Stichprobe erhoben hat. So war Super E10 im Schnitt 42 Cent und Diesel 36 Cent teurer. Stichproben ergaben teilweise sogar Preisunterschiede von bis zu 70 Cent im Vergleich zur nächstgelegenen Tankstelle abseits der Autobahn.
Ausbaufähig sei bei nahezu allen Rastanlagen noch der Service für Elektrofahrzeuge: „Zwar haben in Nordbayern – wie auch bundesweit – die meisten Anlagen ein Angebot zum Schnellladen (bis 150 kW) oder Superschnellladen (ab 150 kW), aber nur in Greding West funktionierten auch alle HPC -Ladepunkte.“
„Wir brauchen dringend mehr – und gerne auch wettergeschützte – HPC-Ladepunkte. Andernfalls werden wir bald nicht nur Ladezeit, sondern auch Wartezeit für den Zugang zur Infrastruktur bei Reisen mit dem E-Auto einplanen müssen“ , kritisiert Jürgen Hildebrandt, Leiter des Fachbereichs Verkehr, Technik und Umwelt beim ADAC Nordbayern. Verbesserungsbedarf gebe es auch bei der Barrierefreiheit.
Besucher mit körperlichen Einschränkungen haben an einigen Rastanlagen noch immer mit kleinen oder größeren Schwierigkeiten zu kämpfen. Knapp die Hälfte der Wege ist nicht durchgängig barrierefrei oder führt über die Straße, weil abgesenkte Bordsteine fehlen. Solche Mängel treffen auch auf alle fünf nordbayerischen Rastanlagen zu. Keine war für Mobilitätseingeschränkte problemlos zu bewältigen.
Bei der Auswahl der 40 getesteten Rastanlagen habe der ADAC auf eine ausgewogene, regionale Verteilung und Vergleichbarkeit in Größe und Angebot geachtet. Jede Anlage wurde zweimal (unter der Woche und am Wochenende) inkognito und ohne Voranmeldung von Testern unter die Lupe genommen. Auf der Checkliste standen rund 150 Prüfpunkte, die sich in die Kategorien Außenanlage/Zugang, Services, gastronomisches Angebot sowie Sanitäranlagen und Preise aufgliederten. Die erreichte Punktzahl wurde in fünf Notenschritte von sehr gut bis sehr mangelhaft kategorisiert.