Seit jeher wird das Lamm als Symbol für Unschuld gesehen. Im Christentum hat es noch eine zusätzliche Bedeutung gewonnen: Es symbolisiert Jesus Christus und dessen Auferstehung. Einer, dem Lämmer besonders am Herzen liegen, wenn auch nicht unbedingt aus religiöser Sicht, ist Andreas Schurz. Er ist Schäfer.
Das Schäfersein liegt Andreas Schurz im Blut. Schon sein Vater hatte einen kleinen Betrieb, so wuchs der heute 47-Jährige mit den Tieren und der Landwirtschaft auf: „Ich bin da einfach reingewachsen.” 2008 übernahm er den Hof und baute ihn aus.
Eigentlich ist Schurz technischer Mitarbeiter in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Teilzeit. Darum packt die ganze Familie mit an, anders würde die Schäferei nicht funktionieren. Sie versorgen 150 Muttertiere und drei Böcke, dazu die Lämmer, die dreimal im Jahr auf die Welt kommen. Jährlich braucht er etwa 100 Tonnen Futter plus Stroh und Heu. Dies holt er zum größten Teil von den 40 Hektar eigenem Grund. Eltern, Frau und Kinder – jeder leistet seinen Teil. Das hinterlässt, wie bei Andreas Schürz, Spuren: „Die Kinder können sich vorstellen, einmal selbst beruflich in diese Richtung zu gehen.”
Als Schafarten hat Schurz schwarzköpfige Fleischschafe und Merinoschafe sowie Kreuzungen aus beiden. Das Besondere: Schurz betreibt mit ihnen eine ökologische Bewirtschaftung von Weiden. „Oft sind es kleine, schlechtzugängliche Flächen”, sagt Schurz, „Maschinen kommen da gar nicht hin.” Da haben dann seine Schafe ihren Auftritt: Das Gelände wird eingezäunt und sie fangen zu grasen an. Ist die Fläche abgegrast, geht es auf die nächste. Größere Areale werden schon mal einzeln abgesteckt. „Es ist schonend für den Lebensraum von Insekten”, erklärt Schurz, „und diese Form kommt dem traditionellen Beruf des Schäfers noch am nächsten.”
Auch wenn es nur ein Nebenerwerb ist, bietet Schurz alle möglichen Schafsprodukte an. Speziell sind die Wollpellets: Aus der Wolle wird ein besonderer Dünger gepresst. „Er funktioniert wie Hornspäne. Nur können die Wollpellets das drei- bis vierfache ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen.” Dadurch seien sie besonders für Hobbygärtner im eigenen Gartenanbau oder für Zierpflanzen geeignet. Die Produktion übernimmt er auch für umliegende Betriebe.
Zu einem Schafsbetrieb dazu gehört natürlich auch die Fleischproduktion. Schurz arbeitet hier mit einem Viehhandel zusammen. Viele Kunden schätzen Produkte aus der Region. Dass gerade an Ostern mehr Lammfleisch bestellt würde, kann er übrigens nicht bestätigen.
Die klassische Wollproduktion lohnt sich kaum noch, erklärt Schurz. „Ein Schaf liefert etwa vier bis fünf Kilo Wolle. Da verdient man kaum was daran. Mit Personalkosten ist es fast ein Draufzahlgeschäft.”
Auch wenn seine Schäferei ein Betrieb ist, liegen ihm seine Tiere am Herzen, versichert der Schäfer: „Es sind herzensgute Tiere, aber sie haben auch ihren eigenen Willen. Wir begleiten sie vom Moment der Geburt bis zu ihrem letzten Weg. Das gehört zum Kreislauf dazu.” Ganz leicht sei dies oft nicht: „Irgendwo steht man immer im Zwiespalt zwischen emotionaler Verbindung und kühler Wirtschaftlichkeit.” Und ohne seine Schafe würde die Landschaftspflege oft nicht funktionieren. Pro Jahr behält Schurz etwa 20 Lämmer für seinen Betrieb.
Schurz ist Schäfer mit Leib und Seele. Was fasziniert ihn an dem Beruf? „Es ist einfach das Draußensein. Die Momente, wenn die Natur erblüht, das Zwitschern der Vögel. Wenn man sehen kann, wie hier neues Leben entsteht – das gibt einem was.” Die größte Belohnung ist für ihn, wenn nach den Monaten des Bestellens die Ernte eingefahren wird.
„Man erlebt den Rhythmus von Frühling, Sommer, Herbst und Winter hautnah mit”, sagt Schurz. Klar, es gibt auch mal schlechte Tage: „Aber nach schlechtem Wetter freut man sich über die schönen Tage umso mehr.”