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Veröffentlicht am 10.04.2026 09:00, aktualisiert am 10.04.2026 11:37

Angriff auf israelisches Lokal - Polizei: Antisemitismus

Der Staatsschutz ermittelt. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Der Staatsschutz ermittelt. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Der Staatsschutz ermittelt. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Unbekannte haben ein israelisches Restaurant in München angegriffen und mehrere Fensterscheiben zerstört. Polizei, Justiz und Betreiber gehen von einem judenfeindlichen Motiv aus. Der zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz hat die Ermittlungen übernommen. Verletzt wurde niemand, der oder die Täter wurden zunächst nicht gefasst. 

Kundgebung geplant 

Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU) verurteilte den Angriff als einen „feigen Übergriff“ auf einen „wunderbaren Ort der Begegnung“. Am späten Nachmittag solle es eine Solidaritätskundgebung gemeinsam mit den Betreibern vor dem Restaurant geben. 

Mehrere Tausend Euro Schaden

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die Schaufensterscheiben gewaltsam beschädigt und pyrotechnische Gegenstände in das Restaurant geworfen“, teilte die Polizei mit. „Um welche Art es sich dabei handelte, ist Gegenstand der Ermittlungen.“ Der Sachschaden wurde auf mehrere Tausend Euro geschätzt. 

Die Einsatzzentrale der Polizei habe gegen 00.45 Uhr einen Anruf erhalten, weil es in der Maxvorstadt an dem Lokal drei Knallgeräusche gegeben habe, sagte ein Polizeisprecher. Eine Streife stellte demnach vor Ort fest, dass Fensterscheiben des Lokals an drei Stellen defekt waren. 

„Eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt“ 

Der Angriff kam nach Angaben eines Restaurantmitarbeiters ohne Vorwarnung. „Es gab keine direkten Drohungen“, sagte der Schwager des Betreibers und Mitarbeiter des Lokals, Grigori Dratva, der Deutschen Presse-Agentur. Das Restaurant betreibe sein Schwager seit 2007. „Wir haben uns eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt.“ 

„Wir lassen uns nicht einschüchtern“

Am Donnerstagabend sei das Lokal bis 23.00 Uhr geöffnet gewesen. Als die Täter zuschlugen, hatte es demnach geschlossen. „Wir werden auch heute wieder öffnen“, kündigte Dratva am Morgen an. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir machen auf.“

Auch er vermutet, dass die Täter politisch motiviert waren. „Also wir wollen natürlich nichts erfinden, niemandem was unterstellen, aber wir sind natürlich ein sichtbares israelisches Lokal, und da liegt halt die Vermutung nahe“, sagte Dratva. 

Seinen Angaben zufolge sind die Scheiben des Restaurants, das im Innenbereich etwa 70 Plätze für Gäste anbietet, mittlerweile provisorisch verklebt. Sie sollen später repariert werden. 

Nach dem Überfall islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 habe jemand einmal einen Aufkleber an eine Fensterscheibe geklebt mit dem propalästinensischen Slogan „Free Palestine“. Die Polizei sei eingeschaltet worden, die Hintergründe seien allerdings unklar geblieben, sagte Dratva. 

Starker Anstieg antisemitischer Vorfälle

Nach dem Hamas-Massaker mit mehr als 1.000 getöteten Israelis am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg mit Tausenden zivilen palästinensischen Opfern ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) stark gestiegen. 

Israel steht derzeit auch im Fokus wegen seiner Beteiligung am Krieg gegen den Iran sowie seines Kriegs mit der Hisbollah im Libanon. Erst am Mittwoch hatte die Armee dort schwere Angriffe gegen die Schiiten-Miliz geführt, denen nach libanesischen Angaben auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen. Aber auch unabhängig von den Nahost-Konflikten gibt es Antisemitismus, etwa in rechtsextremen Kreisen.

„Dieser Anschlag ist kein Einzelfall, sondern Teil eines gefährlichen Trends, den wir seit dem 7. Oktober 2023 sehen: wachsender Hass gegen Juden – offen, aggressiv, enthemmt“, sagte der Generalsekretär der in München ansässigen Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Gady Gronich. „Ein Angriff auf ein jüdisches Restaurant ist feige und ein Angriff auf unser Zusammenleben. München war bislang ein sicherer Ort für Juden, und es muss es bleiben.“

© dpa-infocom, dpa:260410-930-926446/3


Von dpa
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