Sie schlugen wahllos zu und nahmen aus Sicht der Ermittler den Tod ihrer wehrlosen Opfer in Kauf. Jetzt sitzt ein brutales Trio in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Versuchter Totschlag.
Die 18, 21 und 34 Jahre alten Männer waren in der Nacht zum Sonntag im südlichen Stadtgebiet zwischen der Ansbacher Altstadt und den Bahnlinien unterwegs. In der Karolinenstraße fanden um 3.10 Uhr Passanten einen 42-jährigen Mann reglos auf dem Gehweg. Er hatte schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen und berichtete, dass ihn drei Männern zu Boden geschlagen und massiv verletzt hatten.
Diese Tat spielte am Montagnachmittag beim Ermittlungsrichter am Ansbacher Amtsgericht noch gar keine Rolle. Wie Jonas Heinzlmeier, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf FLZ-Anfrage mitteilte, konnte der 42-Jährige wegen seiner schweren Verletzungen noch nicht juristisch verwertbar umfangreich vernommen werden.
Allerdings reichte alleine eine zweite Tat vom Sonntagmorgen für einen richterlichen Haftbefehl. Nur wenige hundert Meter entfernt wurde ein Autofahrer, der sich gerade neben seinem Wagen mit einer Person unterhielt, von dem Trio ebenfalls brutal angegangen. Jedoch waren seine Verletzungen nicht so schwer wie beim ersten Opfer, so dass er für die Ermittlungen verwertbare Aussagen machen konnte.
Zudem ist sein Gesprächspartner als Zeuge doppelt wertvoll. Er sah nicht nur, dass die Täter in ein nahegelegenes Haus in der Kanalstraße gingen, weshalb der Polizei die schnelle Festnahme mit mehreren Streifen und Einheiten des mittelfränkischen Einsatzzugs gelang. Er ist auch als Beobachter des Tatgeschehens wichtig. Auf den Aussagen der beiden Männer baute die Staatsanwaltschaft ihren erfolgreichen Antrag auf eine Untersuchungshaft für die Beschuldigten auf.
Er lautete auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Gegen den 21-Jährigen, der seine Festnahme unter anderem damit verhindern wollte, dass er zwei Polizisten in die Hände biss, besteht auch der Vorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Der 21-Jährige wurde mit dem Einsatz einer Elektroschockpistole, einem Taser, gestoppt. Er war deshalb kurzzeitig in einer Klinik, wurde jedoch rasch wieder in eine Haftzelle verlegt.
Bei der Ansbacher Kripo ermittelt nach den ersten Beschreibungen die Mordkommission. Vom Ergebnis der Aussagen des 42-Jährigen und des gerichtsmedizinischen Gutachtens zu den Verletzungen wird abhängen, ob die Staatsanwaltschaft eine spätere Anklage auf den Vorwurf eines versuchten Mordes erweitert. Dies kann auch in einer Verhandlung vom Gericht geändert werden.
Wegen des Alters ist bei der Staatsanwaltschaft die für Jugendliche und Heranwachsende zuständige Abteilung an dem Fall. Sie wird nun unter anderem mit dem Jugendamt versuchen, eine mögliche Erklärung für das ungewöhnlich brutale Vorgehen der Täter zu finden. Zwei von ihnen fielen schon vorher der Justiz auf, allerdings wegen kleinerer Delikte, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Eine mögliche Antwort für die Gewaltexzesse gegen zwei Menschen, die das Trio vorher nicht kannte, könnte die Blutanalyse liefern. Der Atemalkoholpegel lag, kurz nach den Taten ermittelt, bei zweien knapp unter einem Promille, bei einem bei 1,2 Promille. Durch solche Werte sind Exzesse an Unbekannten auf der Straße in der Regel nicht erklärbar. Nach bisherigem Ermittlungsstand waren die drei Männer, teilt das Polizeipräsidium Mittelfranken am Dienstag mit, ab 1 Uhr in der Ansbacher Innenstadt unterwegs und besuchten möglicherweise verschiedene Lokalitäten. Es ist laut Polizei nicht auszuschließen, dass die Männer hier schon in aggressiver Weise auftraten. Ob das Trio auch Drogen konsumiert hat, ist deshalb eine wichtige Frage für die Ermittler.
Die 18, 21 und 34 Jahre alten Männer sind nun auf drei verschiedene Justizvollzugsanstalten verteilt, um Absprachen zu verhindern. Wegen der Schwere der Vorwürfe wurden ihnen Pflichtverteidiger beigeordnet.
Die Ansbacher Mordkommission bittet Zeugen, die die Männer im zwischen 1 und 3 Uhr in Ansbach bemerkt haben, mit dem Trio in Streit gerieten oder Auseinandersetzungen beobachtet haben, sich mit der Polizei unter der Telefonnummer 0911/2112-3333 in Verbindung zu setzen. Nach bisherigem Ermittlungsstand waren die drei Männer, bei denen es sich um Rumänen mit festem Wohnsitz in Ansbach handelt, ab 1 Uhr in der Ansbacher Innenstadt unterwegs und besuchten möglicherweise verschiedene Lokalitäten, um Alkohol zu trinken. Das teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken am Dienstag mit. „Es ist nicht auszuschließen, dass die rumänisch sprechenden Männer hier schon in aggressiver Weise auftraten”, erklärte ein Sprecher des Präsidiums.